Archiv für das Jahr: 2007


Sonntag 28.10.07, 11:01 Uhr
Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht auf dem Dr.-Ruer-Platz:

Beginn schon um 15.00 Uhr

Gedenken an die ReichspogromnachtDie Gedenkveranstaltung des Bochumer Jugendringes zum 69. Jahrestag der Reichspogromnacht beginnt in diesem Jahr schon um 15.00 Uhr, damit die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde an der Gedenkveranstaltung teilnehmen können. Am Freitag, dem 9. November beginnt um 16.30 Uhr der Schabbat.
Der Jugendring schreibt: „Vor dem Hintergrund der Einweihung der neuen Synagoge in Bochum am 16. Dezember 2007, die ein Zeichen der Hoffnung ist, soll in diesem Jahr an das Ende der alten jüdischen Gemeinde erinnert werden. 1942 wurden in drei Transporten über 200 namentlich bekannte Bochumer Juden nach Riga, Zamosc und Theresienstadt deportiert. Nur ganz wenige von ihnen haben die Deportation überlebt. Vorausgegangen waren diesem traurigen Ende jahrelange Erniedrigungen. Die meisten der Deportierten lebten zuletzt, völlig verarmt, in den sogenannten Bochumer ‚Judenhäusern‘. „


Sonntag 28.10.07, 10:00 Uhr

Gedenken an die Reichspogromnacht


Sonntag 28.10.07, 09:00 Uhr

„Die Erinnerung muss das Vergessen besiegen“

Die Antifa Wattenscheid lädt zu einer Gedenkveranstaltung zum 9. November ein. Treffpunkt ist um 12.00 Uhr vor dem Haus Oststr. 12 im unteren Teil der Einkaufstraße. Die Antifa Wattenscheid schreibt: „Als Treffpunkt wird in jedem Jahr eine andere Stelle gewählt. 2006 trafen wir uns vor Rewe, bis zur Arisierung durch die Faschisten Kaufhaus Sally Schmidt, danach war der Eigentümer H. Horten, Prokurist der Deutschen Bank. In diesem Jahr wurde als Treffpunkt das Haus Oststr. 12 gewählt, weil dort im oberen Geschoss eines Privathauses der älteste Gebetsraum der jüdischen Gemeinde Wattenscheid lag. Die Kranzniederlegung findet vor dem in Stein gefassten Blumenbeet außerhalb der Passage statt, wo eine Gedenktafel aufgestellt werden soll, mit den Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürger aus Wattenscheid, die der Nazi-Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen sind.“ Es sprechen auf der Gedenkveranstaltung: Hannes Bienert, Antifa Wattenscheid; Annemarie Grajetzki, Frauen für den Frieden in der ev. Kirche; Frank Barth, jüdischer Kantor. Hintergrund.


Samstag 27.10.07, 16:00 Uhr

Wenn die Oberen vom Frieden reden…

Weiß das gemeine Volk
Daß es Krieg gibt. (Brecht)

Das Bochumer Friedensplenum trifft sich am Dienstag, dem 30.10. um 19.30 Uhr im Bahnhof Langendreer zu einem Sonderplenum, um abschließend die Aktivitäten für den 11.11. im Schauspielhaus zu planen, wenn Norbert Lammert und Jürgen Flimm zum Thema Krieg und Frieden heucheln wollen.


Samstag 27.10.07, 09:24 Uhr
Sonntag, 28.10, 19.04 Uhr, Radio Friedensplenum, Urbo (98.5 Radio Bochum):

Kunst – Literatur – Politik

Am Sonntag, den 28. Oktober, läuft die nächste Sendung von Radio Friedensplenum im “Unabhängigen Radio Bochum”, Urbo. Das Team von Radio Friedensplenum schreibt zu dieser Sendung: „Einiges hat sich durch die Sparmaßnahmen (Einschränkungen) im Bürgerfunk geändert. Radio Friedensplenum ist nun nicht mehr an jedem dritten, sondern ab sofort an jedem vierten Sonntag im Monat zu hören. Außerdem wurde die Sendezeit auf 26 Minuten verkürzt. Gleich geblieben ist die Uhrzeit 19.04 Uhr. Gleich bleiben wird auch die Ausrichtung. Wir berichten weiter über außerparlamentarische Aktivitäten Bochumer Initiativen, aber auch, wie wir es schon in der Vergangenheit gemacht haben, über interessante Veranstaltungen und Menschen aus dem alternativen, antifaschistischen und antimilitaristischen Umfeld! Heute berichten wir über die Ausstellungseröffnung: Bilder gegen den Krieg. Wir interviewten am Rande dieser Ausstellung die ausstellende Künstlerin Verena Schuh und die Bundestagsabgeordnete der Linken Sevim Dagdalen.
Im zweiten Beitrag ist ein Interview mit dem chilenischen Schriftsteller und ehemaligen Regierungsmitglied der Regierung Allende: Pedro Holz zu hören. Pedro Holz floh nach der Ermordung des damaligen Präsidenten Allende vor den Militärs unter Pinochet und lebte 15 Jahre in Bochum im politischen Exil. Im Interview spricht er über die Zeit seines Exils, über neoliberale Politik und er stellt sein neuestes Buch »Heimreise in die Fremde« vor. Pedro Holz macht im Moment eine Lesereise durch Deutschland. Zu empfangen ist die Sendung auf der Frequenz von 98,5 Radio Bochum.”


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Samstag 27.10.07, 08:00 Uhr

WAZ-Artikel vom 27.10.2007

Steckel legt nach

Bochum. Der frühere Bochumer Schauspielhaus-Intendant Frank-Patrick Steckel hat seinen Nachfolger Elmar Goerden erneut bedrängt, den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) und den Triennale-Intendanten Jürgen Flimm nicht auf die Bühne zu lassen. In einem zweiten offenen Brief forderte Steckel am Freitag Goerden auf, den beiden einen im November geplanten Auftritt im Bochumer Theater mit einer Lesung von Friedensgedichten zu verwehren. Lammert und Flimm seien nicht geeignet, „weil sie den Krieg vertreten“, erklärte Steckel. „Das Auftreten dieser Herren auf dem Arbeitsplatz der Schauspieler kontaminiert, zumal in einem Schauspiel in städtischer Trägerschaft, jede aufrichtige Theaterarbeit“, schreibt Steckel. Lammert und Flimm hätten allenfalls im Zuschauerraum etwas zu suchen.


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Samstag 27.10.07, 07:55 Uhr

Ruhr Nachrichten vom 27.10.2007

Steckel grüßt aus der „Hauptstadt des Übels“

Bochum. Frank-Patrick Steckel legt nach. In einem zweiten Brief an das Schauspielhaus Bochum hat der ehemalige Intendant seinen Protest gegen den Auftritt von Jürgen Flimm und Norbert Lammert am 11.11. konkretisiert. „Zweifelhafte Existenzen“ wie diese hätten auf der Bühne nichts zu suchen, schreibt Steckel an den Intendanten Goerden, begleitet von einer Aufzählung der Entscheidungen Lammerts etwa zu den Auslandeinsätzen der Bundeswehr. Der Brief schließt „mit ungebrochen solidarischem Gruß aus der Hauptstadt des Übels“. Gemeint ist Berlin. Das Bochumer Friedensplenum unterstützt Steckel und hat beim Theater angefragt, ob bei der Veranstaltung ein Infotisch oder eine Diskussion möglich ist. Steckels Brief habe Sympathie erzeugt, auch bei vielen Schauspielern. „Was bedeutet es, wenn sich das Theater mit den Mächtigen ins Bett legt?“, fragt Martin Budich vom Plenum. Der Streit habe international Aufsehen erregt, auch der österreichische „Standard“ berichtete. BJ
Abschrift


Freitag 26.10.07, 19:29 Uhr
Zweiter Offener Brief an den Intendanten des Schauspielhauses Bochum, Elmar Goerden

»Norbert Lammert und Jürgen Flimm vertreten den Krieg«

In einem zweiten Offenen Brief an den Intendanten des Schauspielhauses Bochum, Elmar Goerden, bekräftigt Frank-Patrick Steckel seine Kritik an der angekündigten Lesung mit Norbert Lammert und Jürgen Flimm am Schauspielhaus Bochum. »Keiner der beiden Herren ist meines Erachtens legitimiert, „dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren“«, wie es Goerden in seiner Antwort formulierte. Im Zentrum der ausführlichen Kritik stehen die Personen Norbert Lammert und Jürgen Flimm, denen Frank-Patrick Steckel vorwirft: »Sie vertreten den Krieg«. Die Aufgabe eines Theatermachers ist es, sich „so differenziert als möglich für das Wahre und Menschliche“ einzusetzen, zitiert Frank-Patrick Steckel Paul Celan. Er wünscht dem Intendanten Goerden, der weiterhin an der Lesung unter dem Titel „‚S IST LEIDER KRIEG“ für den 11. November festhält, ein „recht auffälliges In-Erscheinung-Treten des von Goerden apostrophierten ‚kritischen Geistes’“. Das Bochumer Friedensplenum will die Geister rufen.
Frank-Patrick Steckel im Wortlaut u.a.:
„Ich wollte Ihnen nur deutlich machen, dass solche zweifelhaften Existenzen, wie Herr Lammert und Herr Flimm sie darstellen, allenfalls im Zuschauerraum eines Schauspielhauses, das künstlerisch auf sich hält, etwas zu suchen haben, keinesfalls aber auf der Bühne. Keiner der beiden Herren ist meines Erachtens legitimiert, „dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren“, wie Sie so gefühlvoll schreiben – im Gegenteil. Sie, und das ist politisch aufspürbar, vertreten den Krieg, mehr…


Zweiter Offener Brief von Frank-Patrick Steckel an den Intendanten des Schauspielshauses Bochum, Elmar Goerden
Freitag 26.10.07, 19:20 Uhr

Lieber Elmar Goerden,

Norbert Lammert war Rüstungsexperte der CDU unter Rexrodt – er hat sich unter anderem für die Anschaffung des „Eurofighters 2000“ stark gemacht. Neuerdings hat er sich durch Anmerkungen zum sog. „EU-Verfassungsvertrag“ (jetzt „EU-Reformvertrag“) hervorgetan, wie beispielsweise die, dass es „nicht überzeugend“ sei, das nationale Gewaltenteilungsprinzip der europäischen Staaten nach Brüssel zu übernehmen. Norbert Lammert hat außerdem, in seiner Eigenschaft als Bundestagspräsident, die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte von Abgeordneten, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, über ein Jahr lang (bis zum Entscheid des BVG) hintertrieben. Und Herr Lammert hat ferner durch eine von ihm erteilte Strafverfolgungsermächtigung die Verfahren der Staatsanwaltschaft gegen 17 Journalisten im Zusammenhang mit dem Kurnaz-Untersuchungs-ausschuß überhaupt erst ermöglicht. Herr Lammert ist ein CDU-Politiker, somit Mitglied derjenigen Bundestags- und nunmehrigen Regierungspartei, die sowohl die Kosovo-Einsätze der NATO, als auch den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, als auch den Tornado-Einsatz, als auch nahezu alle weiteren verfassungswidrigen „Auslandseinsätze“ der Bundeswehr betrieben und befürwortet hat (beim Libanon-Einsatz der Bundesmarine hat er sich enthalten) – in allen diesen Abstimmungen des Bundestages hat Herr Lammert mit „Ja“ gestimmt. Wie das Abstimmungsverhalten des Herrn Lammert ausgesehen hätte, wäre zu Beginn des Irak-Kriegs die CDU an der Macht gewesen, lässt sich unschwer vermuten. Wie Sie sehen, kommt allerlei zusammen – und ich zähle hier nur bruchstückhaft auf, was in den Zeitungen stand und steht. (Und übergehe großzügig solche Fehlleistungen wie die Forderung nach der Wiederbelebung der „Leitkultur“-Debatte seines Parteifreundes Merz.) mehr…


Freitag 26.10.07, 17:00 Uhr
Die Linke über Norbert Lammert:

„Wolf im Schafspelz“

Die Linke Bochum fordert das Bochumer Schauspielhaus, Norbert Lammert und Jürgen Flimm auf, „ihren entwürdigenden Auftritt am 11. November in Bochum abzusagen.“ Die Linkspartei schließt sich damit dem Aufruf von Frank-Patrick Steckel, dem Bochumer Friedensplenum und vielen anderen an, den Auftritt von Norbert Lammert auf der Bühne des Schauspielhauses mit Texten zum Krieg und Friedenslyrik zu verhindern.
„Norbert Lammert ist ein Wolf im Schafspelz“, so Ralf-D. Lange, Sprecher der Bochumer Linken. „Unvergessen bleibt sein unermüdlicher Einsatz für das milliardenschwere Rüstungsprojekt Eurofighter in den 90er Jahren, als er parlamentarischer Staatssekretär war. Gerüchten zu Folge soll er sogar ein Modell dieser tödlichen Kampfmaschine auf seinem Schreibtisch stehen gehabt haben. Unvergessen auch sein konsequentes Eintreten für Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland. Erst vor einigen Wochen stimmte Dr. Norbert Lammert als CDU Abgeordneter im Deutschen Bundestag für eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der deutschen Truppen und für den Tornado-Einsatz.“
„Dieses Verhalten in der Vergangenheit disqualifiziert Herrn Lammert sowohl politisch als auch moralisch, glaubwürdig Texte gegen den Krieg zu rezitieren“, so Ralf-D. Lange weiter. „Hier versucht ein kriegstreibender Wolf als Feingeist im Schafspelz die Bühne des Theater zu erklimmen. Dieser entwürdigende Schauspiel wäre ein Schlag ins Gesicht aller echten Bochumer Antimilitaristen und Pazifistinnen.“


Offener Brief von Frank-Patrick Steckel
an den Intendanten des Schauspielshauses Bochum, Elmar Goerden
Freitag 26.10.07, 10:21 Uhr

»Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt«

abstand-20pixel.gif

Lieber Elmar Goerden,
abstand-20pixel.gif
meine langjährige Verbundenheit mit dem Schauspielhaus Bochum ist es, die mich zu der Bitte an Sie bewegt, den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen Ihres Theaters zu verwehren.

Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz.

Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?

Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.

Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren!
abstand-20pixel.gif
Mit besorgten Grüßen

abstand-20pixel.gif

Frank-Patrick Steckel

Berlin, den 23. Oktober 2007


Freitag 26.10.07, 08:00 Uhr
Sonntag, den 28. Oktober, 19.00 Uhr, Freibeuter

„Heimreise in die Fremde“

pedro-holz-150.jpgAm Sonntag, dem 28. Oktober, um 19.00 Uhr, findet im „Freibeuter“ Kortumstraße 2-4, eine Lesereise des chilenischen Schriftstellers Pedro Holz durch Deutschland ihren Abschluss. In vierzehn Veranstaltungen hatte er in den letzten Wochen sein neues Buch „Heimreise in die Fremde“ vorgestellt. Bereits 2005 war dieser Band mit Kurzgeschichten unter dem Titel „Plan de viaje“ in Chile erschienen.
Zu dem Abschlussabend der Lesereise laden nun „boSKop“ und „Treibgut“ in den „freibeuter“ ein. Mehrere Künstler werden die Lesungen von Pedro Holz umrahmen: Der chilenische Musiker Ulli Simon lebt z.Z.in Bremen und wird u.a. einige Gedichte von Pedro Holz vorstellen, die er vertont hat. Die Bochumer Schriftsteller Rainer Campmann und Uli Schröder werden Kurzgeschichten vortragen. „Oskar“ Gölzenleuchter, der während des Exils von Pedro Holz in Bochum mehrfach gemeinsame Projekte mit ihm realisiert hat, wird Gedanken über die Freiheit vorstellen.


Freitag 26.10.07, 07:00 Uhr

Ruhr-Uni mit neuer Verfassung

Der Senat der Ruhr-Universität Bochum hat eine neue Verfassung für die RUB verabschiedet. Dass gegenwärtig alle Hochschulen in NRW ihre Verfassungen ändern, ist direkte Folge der Landtagswahl vor zwei Jahren. Schwarz-Gelb bemühte sich in Sachen Demokratieabbau um Maßstäbe und verordnete, dass echte Entscheidungsbefugnisse der Selbstverwaltungsgremien wegfallen müssen. Die Macht konzentriert sich künftig noch mehr beim Rektorat, das künftig auch von auswärtigen ManagerInnen geführt werden kann. Der Gestaltungsspielraum, den das schwarz-gelbe „Hochschulfreiheitsgesetz“ lässt, wird an der RUB zumindest für einen Restbestand an Selbstverwaltung genutzt. mehr…


Donnerstag 25.10.07, 22:00 Uhr

Straße erhält ursprünglichen Namen

Die Linksfraktion im Rat schreibt: »Auf der Sitzung der Bezirksvertretung-Mitte am kommenden Mittwoch schlägt die Verwaltung vor, die Adolf-Stöcker-Straße in Hermann-Köster-Straße umzubenennen. Dieses Anliegen unterstützt die Linksfraktion nachdrücklich, denn Adolf-Stöcker war ein ausgewiesener Antisemit. Nicht von ungefähr wurde die Straße im Jahre 1933 in Adolf-Stöcker-Straße umbenannt.
Dazu erklärt Jürgen Plagge-Vandelaar, Mitglied der Bezirksvertretung: „In Bochum darf keine Straße nach einem Antisemiten benannt sein. Stöcker war nicht nur ein Vertreter des christlichen Antijudaismus, so bezeichnete er das Judentum als Götzendienst, sondern sprach sich auch für die Entfernung von Lehrern und Juristen aus dem öffentlichen Dienst aus. mehr…


Donnerstag 25.10.07, 19:00 Uhr

Chile – Ha mejorado la situacíon de las microempresarias en el gobierno de M. Bachelet?

Isabel Cárcamo berichtet am Freitag, 26. 10. um 19.00 Uhr in der VHS über ihre jetzige Arbeit im chilenischen Frauenministerium berichten, wo sie hauptsächlich in Programmen für Saisonarbeiterinnen und Kleinstunternehmerinnen tätig ist. In Chile wird ungefähr ein Drittel der Kleinstunternehmen von Frauen geleitet. In diesem Bereich gibt es z. Z. neue Maßnahmen, wie z.B. die Finanzierung von Gründung und Erweiterung dieser Unternehmen. Mit Michelle Bachelet erreichte jetzt schließlich in Chile zum ersten Mal eine Frau das Präsidentenamt. Dies bedeutet größere Möglichkeiten für Programme und Maßnahmen, die Frauen begünstigen. Die Veranstaltung findet statt „en castellano facil“.


Donnerstag 25.10.07, 18:45 Uhr

Friedensplenum: Keine Bühne für den Paten des Eurofighters

Im Zusammenhang mit dem umstrittenen Auftritt von Norbert Lammert und Jürgen Flimm am 11.11. 2007 im Schauspielhaus hat das Bochumer Friedensplenum auf die Rolle von Norbert Lammert als Aufrüster hingewiesen. Das Friedensplenum verweist z. B. auf einen Beitrag in DIE ZEIT aus dem Jahr 1995. Das Bochumer Friedensplenum begrüßt und unterstützt deshalb die Initiative von Frank-Patrick Steckel mit der Forderung, den heuchlerischen Auftritt von Norbert Lammert und Jürgen Flimm am 11.11. 2007 im Schauspielhaus abzusagen. Es ist nach Ansicht des Friedensplenums ein gutes Zeichen, wenn wenigstens im Bereich des Theaters Protest artikuliert wird.
Wörtlich heißt es:»Mit Norbert Lammert wird einem führenden Rüstungsfreund, dem Paten des Milliarden verschlingenden Eurofighters die Bühne geboten, Texte zum Krieg und Friedenslyrik vorzutragen. Das Themengedicht von Matthias Claudius lässt ein Schauspiel von Schuld und Gewissensnot erwarten, mit dem die Bereitschaft zu künftigen – angeblich nur noch humanen – Kriegen befördert werden soll. Heuchelei ist dafür ein freundlicher Begriff.
„’s ist leider Krieg und ich begehre nicht schuld daran zu sein“ Für das Bochumer Friedensplenum gilt dann nur eins: Sag nein!«


Donnerstag 25.10.07, 18:40 Uhr

Erdwärme als Energie der Zukunft?

Vom 29. – 31. Oktober findet der 10. Bundeskongress Geothermie im Bochumer RuhrCongress statt. Die Bochumer Grünen sehen in der Nutzung der Erdwärme einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, dessen Bedeutung in Zukunft stark zunehmen wird. Sie weisen daraufhin: “Zur Zeit hat Erdwärme bundesweit nur einen Anteil von 0,9 % an den erneuerbaren Energien. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass dieser Anteil in naher Zukunft rasant ansteigen wird. Denn Erdwärme bietet alle Vorteile: Anders als die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas ist sie unerschöpflich, bei ihrer Nutzung entstehen keine klimaschädlichen Emissionen. Anders als Wind und Sonne ist sie witterungsunabhängig, einmal erschlossen können internationale politische Konflikte die Versorgungssicherheit nicht gefährden. Erdwärme ist auch vielseitig nutzbar: Sie kann zur Bereitstellung von Strom, Heizwärme und Kühlkälte dienen.” Näheres.


Donnerstag 25.10.07, 18:30 Uhr

Zug der Erinnerung mit Verspätung?

Die Soziale Liste schreibt: »Wahrscheinlich erst im März oder April 2008 wird der Zug der Erinnerung nach Bochum kommen. Die „Verspätung“ begründete das Kulturamt mit derzeit noch notwendigen Korrekturen am Zeitplan durch die bundesweite Initiative Zug der Erinnerung. Bei der zuständigen Regionalagentur für das Schienennetz gibt es aber die Bereitschaft zur Unterstützung des Vorhabens.
Eine erschreckende Vorstellung in der Kulturausschusssitzung gab Dr. Tilmann Fischer, von der Stiftung Bochumer Symphonie, der wortreich nichts konkretes sagte. So ergab sich der Eindruck, dass die Spendensammlung wohl unter konspirativen Bedingungen stattfindet. Auch ist bisher überhaupt nicht erkennbar wie die Bochumer Bürger an den Aktivitäten beteiligt werden sollen. mehr…


Donnerstag 25.10.07, 18:00 Uhr

Taxi-Probleme

Die Linksfraktion berichtet, dass sie in einem Gespräch mit mehreren Bochumer Taxiunternehmern auf Probleme bezüglich der Arbeitssituation der Taxiunternehmen in Bochum hingewiesen wurde. Für kleine Taxiunternehmen seien die dargestellten Probleme ggf. existenziell. Hierbei geht es u.a. um Krankenfahrten in Fußgängerzonen und um die Unterrichtung der Bochumer Taxiunternehmen über geplante Neuerungen. Hierzu hat die Linksfraktion eine Anfrage im  zuständigen Umweltausschuss gestellt.


Donnerstag 25.10.07, 15:30 Uhr

Armutsspaziergang durch Bochum

Der DGB-Vorsitzende Ruhr Mark Michael Hermund  und Rose Richter vom Institut für Kirche und Gesellschaft laden für Dienstag, 30.10. dazu ein, Orte in der Bochumer Innenstadt zu besuchen, an denen Menschen, die von Armut betroffen sind, Hilfe erhalten. In der Einladung heißt es: „Wir möchten Ihnen  Gelegenheit geben, praktische Einblicke in die entsprechenden Einrichtungen zu bekommen und vor Ort durch die dort  Mitarbeitenden Informationen zu erhalten.“  Beginn ist um 13.30 im Kirchen-Café. Der Programmablauf.


Donnerstag 25.10.07, 15:00 Uhr
Veranstaltung mit Gisela Notz am Dienstag im Bahnhof Langendreer

Warum Armut (oft) weiblich ist

Über das Thema „Warum Armut (oft) weiblich ist“ wird die Sozialwissenschaftlerin Dr. Gisela Notz am kommenden Dienstag, den 30.10. um 19.30 Uhr im Bahnhof Langendreer referieren und diskutieren. Armut nimmt in Deutschland weiter zu und betrifft in erster Linie Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Erwerbslose. Frauen sind unter diesen Gruppen überproportional anzutreffen, und sie sind es, die meist mit dem wenigen Geld wirtschaften müssen. Hinter den statistischen Zahlen über das Ausmaß der Armut stehen viele Einzelschicksale. Die Diskriminierung von Frauen beginnt früh und endet im Alter nicht. Der gegenwärtige Abbau von sozialen Leistungen trifft Frauen in Ost und West besonders hart. Die Verknappung von existenzsichernden Arbeitsplätzen und die Tatsache, dass Arbeitsmarkt-, Familien- und Sozialpolitik an einem Familienmodell orientiert sind, das für Männer die »Haupternährerrolle« und für Frauen die Rolle der »Zuverdienerin« vorsieht, verdrängt Frauen aus dem regulären Arbeitsmarkt in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Egal, wie Frauen leben: Von der Möglichkeit, sich eigenständig zu ernähren, sind viele ausgeschlossen. mehr…


Donnerstag 25.10.07, 14:30 Uhr

Disziplinarverfahren gegen den Leiter des Amtes für Wirtschaftförderung

Die Soziale Liste schreibt: »Die Kritik am Inhalt, den Hintergründen und die Auftragsvergabe an der Werbekampagne „Bochum macht jung“ verstärkt sich weiter. Daran ändern auch keine öffentlichen Durchhalteparolen von CDU und SPD etwas. Heute berichtet der WDR: „Ärger um die Imagekampagne „Bochum macht jung“ zieht weitere Kreise. Oberbürgermeisterin, Ottilie Scholz, hat nach WDR–Informationen ein Disziplinarverfahren gegen den Leiter des Wirtschaftsförderungsamtes eingeleitet. Dem Amtsleiter wird vorgeworfen, dass er seine Vorgesetzten nicht umfassend und korrekt über die Vergabekriterien des Werbeauftrages informiert hat. Die Kampagne hätte – bei einem Volumen von 500.000 Euro für das laufende Jahr – europaweit ausgeschrieben werden müssen. Stattdessen wurde der Auftrag einfach an eine Essener Agentur vergeben. Doch das ist nicht das einzige Problem: Eine Bochumer Agentur hat gegen die Fortführung der Kampagne Klage erhoben. Sie will damit die Stadt in ein ordentliches Vergabeverfahren zwingen. Denn klar scheint: An der Idee einer Stadtwerbung will die Bochumer Verwaltung festhalten“. Unbeantwortet ist auch nach wie vor die Anfrage der Sozialen Liste im Rat. Wir dokumentieren die Anfrage, die seit dem 15. August auf Antwort wartet: mehr…


Donnerstag 25.10.07, 14:00 Uhr

Erfolgreiches Mobbster

Heute ist in Bochum Mobbster, das 1. NRW Kinder- und Jugendtheaterfestival gegen Gewalt, zu Ende gegangen. Wenn sich die Bedeutung eines Festivals am Publikumszuspruch messen läßt, hat Mobbster, so schreiben die Veranstalter, genau den Nerv der Zeit getroffen: „1.200 Zuschauer in 12 Vorstellungen, darunter mehrere Schulklassen aus Herne, das bedeutet eine Auslastung von 100%, und für einige der gezeigten Stücke war die Nachfrage sogar so groß, dass die Veranstalter auch Doppelvorstellungen hätten geben können.“ Weiter heißt es: „Aber die Qualität eines Kinder- & Jugendtheaterfestivals, vorallem bei einem mit thematischen Anspruch, entscheidet sich weniger an der Kasse, sondern in den Vorstellungen und den Nachbesprechungen mit dem Publikum. Und auch hier ist Mobbster seinem Anspruch voll gerecht geworden. mehr…


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Donnerstag 25.10.07, 13:15 Uhr

WDR-Kurzmeldung vom 25.10.2007

wdrIntendant: Lammert und Flimm werden lesen

Das Schauspielhaus Bochum lehnt die Forderung seines ehemaligen Intendanten Frank-Patrick Steckel ab, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Theatermacher Jürgen Flimm von der Bühne zu verbannen. Die für den 11. November geplante Lesung unter dem Titel „’s ist leider Krieg“ werde stattfinden, schrieb der derzeitige Intendant Elmar Goerden in einem offenen Brief.
Steckel hatte gefordert, Lammert und SPD-Mitglied Flimm den Auftritt zu verwehren. Beide seien „Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien.“ Die Bühne eines Schauspielhauses sei der Vorstellungskunst der Schauspieler vorbehalten, für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären sei da kein Platz, hatte Steckel in einem offenen Brief geschrieben.

Quelle: www.wdr.de


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Donnerstag 25.10.07, 10:15 Uhr

Ruhr Nachrichten vom 25.10.2007

´s leider Krieg … … zwischen Steckel und Lammert

Ex-Intendant kritisiert Auftritt in Bochum
Von Bettina Jäger

BOCHUM Auch wenn sich Kriegs-Metaphern an dieser Stelle eigentlich verbieten: Der ehemalige Bochumer Intendant Frank Patrick Steckel fährt schweres Geschütz gegen den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und den scheidenden Triennale-Chef Jürgen Flimm auf. In einem offenen Brief fordert Steckel den jetzigen Intendanten Elmar Goerden auf, den beiden einen Auftritt im Bochumer Schauspielhaus zu verwehren. „Heuchelei“ wirft er ihnen vor und beschuldigt sie, „Angehörige kriegstreibender Parteien“ zu sein.
„´s leider Krieg“ heißt der Abend, den Flimm (SPD) und Lammert (CDU) gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Schon bei der Triennale mit großem Erfolg aufgeführt, soll das Programm mit Texten gegen den Krieg am 11. November in den Kammerspielen erneut gezeigt werden.

„Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären“
„Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz“, hatte Steckel kritisiert. „Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?“ Der Brief endet mit dem Aufruf: „Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren.“

„Gespräch weniger medienwirksam“
Elmar Goerden allerdings weigerte sich postwendend, den Auftritt abzusetzen. Der Abend stehe nicht im Zeichen politischer Statements, sondern der Literatur. „Wenn ein Theatermacher und der Präsident des deutschen Bundestages sich vornehmen, dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren, ist das Vorhaben nicht zu verurteilen.“ Goerden betont, er habe sich statt eines offenen Briefes lieber ein offenes Gespräch gewünscht. Aber das sei, so Goerden mit einem Seitenhieb, „natürlich weniger medienwirksam.“

„Dieser Brief kommentiert sich ja wohl selbst“
Und Norbert Lammert? Der ging auf die Vorwürfe nicht ein. „Dieser Brief kommentiert sich ja wohl selbst“, sagte er. Aber er machte deutlich, wie sehr ihm das Projekt „´s leider Krieg“ am Herzen liegt. Schon lange habe er den Plan geschmiedet, einen solchen Abend mit dem Schauspieler Ulrich Matthes zu verwirklichen. Weil Matthes 2007 nicht abkömmlich war, war Lammert gemeinsam mit Flimm aufgetreten. Die Texte habe er selbst zusammengestellt, betonte Lammert, sie reichen von Schiller über Grass bis zu Remarque. „Alles resultiert aus einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit Literatur“, so der Bochumer. Eine Frage in Richtung Steckel konnte er sich dann aber doch nicht verkneifen – nämlich die, warum sich Theatermacher eigentlich politisch äußern dürfen, wenn Politiker nicht auf der Bühne stehen dürfen …

Quelle: www.ruhrnachrichten.de


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Donnerstag 25.10.07, 10:10 Uhr

WAZ-Kommentar vom 25.10.2007

Theater und Politik

Von Michael Stenger

Es gibt Menschen, die sagen, das Theater darf dies, darf das. Frank-Patrick Steckel, der sich als Intendant in Bochum ja nicht als Vertreter der Spaßgesellschaft zeigte und sein pessimistisches Weltbild in eine geschlossene Ästhetik kleidete, ist ein radikaler Theatermann und mag keine Politiker, die Kulturbotschafter sind, und keine Kulturvermittler, die sich schnittig arrangieren können. Jürgen Flimm und Norbert Lammert sind keinesfalls die üblichen Verdächtigen. Sie stehen aber für Steckel für ein angepasstes Establishment. Wer, so denkt er, mit einer bestimmten Parteirichtung sympathisiert, darf nicht auf einer Bühne stehen. Flimm und Lammert haben nie Kriegstreiberei gepredigt. Steckel geht es letztlich vermutlich um das, was die Gesellschaft mit Künstlern macht. Wie sie funktionalisiert werden, wie man sie ins Boot holt. Peymann, wir dürfen das nicht vergessen, ist auf Seiten der 68er-Revoluzzer.


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Donnerstag 25.10.07, 10:05 Uhr

WAZ-Artikel vom 25.10.2007

Steckel wettert gegen Flimm und Lammert

Bochums Ex-Intendant sieht deren Antikriegs-Lesung im Schauspielhaus als „Heuchelei“.
„Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien“ sollen nicht über Frieden reden
Von Werner Streletz

Bochum. 1995 endete die Bochumer Intendanz von Frank-Patrick Steckel: Nun meldet er sich mit Theaterdonner zurück. In einem offenen Brief fordert er den jetzigen Intendanten Elmar Goerden auf, „den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen Ihres Theaters zu verwehren“. Anlass: Der Bundestagspräsident und der Ex-Triennale-Intendant wollen am 11. November im Schauspielhaus ein Antikriegsprogramm lesen, mit dem sie schon während der Ruhr Triennale aufgetreten sind.

Der heute in Berlin lebende Steckel wettert dagegen: „Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz.“ Und was könne es anderes sein „als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?“ Steckel befürchtet: „Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.“ Darum wünscht er sich von Goerden: „Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren!“

Auf die Kassandra-Rufe reagiert Goerden unaufgeregt: „Selbstverständlich sind die Theaterbühnen der Schauspielkunst vorbehalten.“ Machtpolitische Interessen hätten dort nichts verloren – „unbequeme aber durchaus“. Goerden stellt klar: „Wenn ein Theatermacher und der Präsident des deutschen Bundestages sich vornehmen, dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren, ist das Vorhaben nicht zu verurteilen“, solange es frei des von Steckel bemängelten „hässlichen Trugs“ sei.

Der betreffende Abend stehe „nicht im Zeichen politischer Statements, sondern der Literatur“. Sollte sich an der Art der „Besetzung“ Diskussion entzünden, so sei das „keine ärgerliche Randerscheinung, sondern ein wünschenswerter Prozess“. Und Goerden schließt: „Starke Themen dürfen und müssen eine Plattform im Theater finden.“ Auf ein Wort


Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Donnerstag 25.10.07, 08:10 Uhr

Berliner Zeitung vom 25.10.2007

Berliner ZeitungSTÖRENFRIED

Eure Bühne ist das Parlament

Ulrich Seidler
Wir wussten gar nicht, dass die im Ruhrgebiet auch einen Rolf Hochhuth haben: Der ehemalige Bochumer Intendant Frank-Patrick Steckel, hat einen offenen Brief an seinen Nachfolger geschrieben, an Elmar Goerden. Steckel bekundet mit rhetorischem Volldampf sein Missfallen daran, dass ein christdemokratischer Politiker und ein sozialdemokratischer Kulturfunktionär am Bochumer Schauspiel Friedensgedichte vortragen. Die beiden seien „Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien“, die auf einer öffentlich finanzierten Bühne nichts zu suchen hätten. Diese dürfe nicht zur Plattform für diejenigen werden, die den Frieden predigen und den Krieg schüren.“
Es handelt sich um „’s ist leider Krieg“, ein Gastspiel der Herren Norbert Lammert, Bundestagspräsident, und Jürgen Flimm, Leiter der Ruhrtriennale, bei der der Gedichtabend herausgekommen ist. Das wird eine nicht besonders kostspielige Produktion sein, mit der Goerden sein Haus sicher voll bekommt. Theaterwirtschaftlich ist das also vernünftig und nur weil das Bochumer Schauspiel öffentlich finanziert wird, darf man doch wohl vernünftig wirtschaften, oder?
Sind Lammert und Flimm Kriegstreiber, weil ihre Parteien dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zugestimmt haben? Dieser Einsatz hat doch realpolitische Gründe, die – wenn man von der Linkspartei und der Grünen-Basis absieht – im Parlament Konsens sind. Friedensengel, als die sie nach einem Friedensgedichtabend dastehen, sind sie jedenfalls nicht.
Aber der Knackpunkt, der einen Theatermann wie Steckel wohl so aufbringt, liegt gar nicht im Faktischen, sondern im Trüglichen: Bühnen seien „der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz. Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt,wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.“
Die Politik arbeitet mit den Mitteln des Schauspiels. Der Medienauftritt eines Politikers – und wenn er auch zufällig mal nicht im Fernsehen, sondern im Theater stattfindet – ist immer auch Realpolitik. Und wenn sich dieser Politiker an die Seite eines wichtigen Theateramtsinhabers stellt, ist das in der Tat eine unnötige Vermischung von Gewalten, die eigentlich geteilt sein sollten. So pingelig das klingt, und so sehr wir uns schon daran gewöhnt haben, dass Politik und Öffentlichkeitsarbeit Hand in Hand gehen – es ist ab und zu ganz hygienisch, wenn jemand mal hineinschreit in diesen deklarierten Kuschelfrieden. Und es ist eigentlich auch ganz hübsch, dass ausgerechnet Lammert ausgeschimpft wird, der vor Kurzem seinen Politikerkollegen zu Fernsehabstinenz riet.

Quelle: www.berlinonline.de