Die Soziale Liste schreibt: »Wahrscheinlich erst im März oder April 2008 wird der Zug der Erinnerung nach Bochum kommen. Die „Verspätung“ begründete das Kulturamt mit derzeit noch notwendigen Korrekturen am Zeitplan durch die bundesweite Initiative Zug der Erinnerung. Bei der zuständigen Regionalagentur für das Schienennetz gibt es aber die Bereitschaft zur Unterstützung des Vorhabens.
Eine erschreckende Vorstellung in der Kulturausschusssitzung gab Dr. Tilmann Fischer, von der Stiftung Bochumer Symphonie, der wortreich nichts konkretes sagte. So ergab sich der Eindruck, dass die Spendensammlung wohl unter konspirativen Bedingungen stattfindet. Auch ist bisher überhaupt nicht erkennbar wie die Bochumer Bürger an den Aktivitäten beteiligt werden sollen. mehr…
Die Linksfraktion berichtet, dass sie in einem Gespräch mit mehreren Bochumer Taxiunternehmern auf Probleme bezüglich der Arbeitssituation der Taxiunternehmen in Bochum hingewiesen wurde. Für kleine Taxiunternehmen seien die dargestellten Probleme ggf. existenziell. Hierbei geht es u.a. um Krankenfahrten in Fußgängerzonen und um die Unterrichtung der Bochumer Taxiunternehmen über geplante Neuerungen. Hierzu hat die Linksfraktion eine Anfrage im zuständigen Umweltausschuss gestellt.
Der DGB-Vorsitzende Ruhr Mark Michael Hermund und Rose Richter vom Institut für Kirche und Gesellschaft laden für Dienstag, 30.10. dazu ein, Orte in der Bochumer Innenstadt zu besuchen, an denen Menschen, die von Armut betroffen sind, Hilfe erhalten. In der Einladung heißt es: „Wir möchten Ihnen Gelegenheit geben, praktische Einblicke in die entsprechenden Einrichtungen zu bekommen und vor Ort durch die dort Mitarbeitenden Informationen zu erhalten.“ Beginn ist um 13.30 im Kirchen-Café. Der Programmablauf.
Donnerstag 25.10.07, 15:00 Uhr
Veranstaltung mit Gisela Notz am Dienstag im Bahnhof Langendreer
Über das Thema „Warum Armut (oft) weiblich ist“ wird die Sozialwissenschaftlerin Dr. Gisela Notz am kommenden Dienstag, den 30.10. um 19.30 Uhr im Bahnhof Langendreer referieren und diskutieren. Armut nimmt in Deutschland weiter zu und betrifft in erster Linie Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Erwerbslose. Frauen sind unter diesen Gruppen überproportional anzutreffen, und sie sind es, die meist mit dem wenigen Geld wirtschaften müssen. Hinter den statistischen Zahlen über das Ausmaß der Armut stehen viele Einzelschicksale. Die Diskriminierung von Frauen beginnt früh und endet im Alter nicht. Der gegenwärtige Abbau von sozialen Leistungen trifft Frauen in Ost und West besonders hart. Die Verknappung von existenzsichernden Arbeitsplätzen und die Tatsache, dass Arbeitsmarkt-, Familien- und Sozialpolitik an einem Familienmodell orientiert sind, das für Männer die »Haupternährerrolle« und für Frauen die Rolle der »Zuverdienerin« vorsieht, verdrängt Frauen aus dem regulären Arbeitsmarkt in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Egal, wie Frauen leben: Von der Möglichkeit, sich eigenständig zu ernähren, sind viele ausgeschlossen. mehr…
Die Soziale Liste schreibt: »Die Kritik am Inhalt, den Hintergründen und die Auftragsvergabe an der Werbekampagne „Bochum macht jung“ verstärkt sich weiter. Daran ändern auch keine öffentlichen Durchhalteparolen von CDU und SPD etwas. Heute berichtet der WDR: „Ärger um die Imagekampagne „Bochum macht jung“ zieht weitere Kreise. Oberbürgermeisterin, Ottilie Scholz, hat nach WDR–Informationen ein Disziplinarverfahren gegen den Leiter des Wirtschaftsförderungsamtes eingeleitet. Dem Amtsleiter wird vorgeworfen, dass er seine Vorgesetzten nicht umfassend und korrekt über die Vergabekriterien des Werbeauftrages informiert hat. Die Kampagne hätte – bei einem Volumen von 500.000 Euro für das laufende Jahr – europaweit ausgeschrieben werden müssen. Stattdessen wurde der Auftrag einfach an eine Essener Agentur vergeben. Doch das ist nicht das einzige Problem: Eine Bochumer Agentur hat gegen die Fortführung der Kampagne Klage erhoben. Sie will damit die Stadt in ein ordentliches Vergabeverfahren zwingen. Denn klar scheint: An der Idee einer Stadtwerbung will die Bochumer Verwaltung festhalten“. Unbeantwortet ist auch nach wie vor die Anfrage der Sozialen Liste im Rat. Wir dokumentieren die Anfrage, die seit dem 15. August auf Antwort wartet: mehr…
Heute ist in Bochum Mobbster, das 1. NRW Kinder- und Jugendtheaterfestival gegen Gewalt, zu Ende gegangen. Wenn sich die Bedeutung eines Festivals am Publikumszuspruch messen läßt, hat Mobbster, so schreiben die Veranstalter, genau den Nerv der Zeit getroffen: „1.200 Zuschauer in 12 Vorstellungen, darunter mehrere Schulklassen aus Herne, das bedeutet eine Auslastung von 100%, und für einige der gezeigten Stücke war die Nachfrage sogar so groß, dass die Veranstalter auch Doppelvorstellungen hätten geben können.“ Weiter heißt es: „Aber die Qualität eines Kinder- & Jugendtheaterfestivals, vorallem bei einem mit thematischen Anspruch, entscheidet sich weniger an der Kasse, sondern in den Vorstellungen und den Nachbesprechungen mit dem Publikum. Und auch hier ist Mobbster seinem Anspruch voll gerecht geworden. mehr…
Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Das Schauspielhaus Bochum lehnt die Forderung seines ehemaligen Intendanten Frank-Patrick Steckel ab, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und den Theatermacher Jürgen Flimm von der Bühne zu verbannen. Die für den 11. November geplante Lesung unter dem Titel „’s ist leider Krieg“ werde stattfinden, schrieb der derzeitige Intendant Elmar Goerden in einem offenen Brief.
Steckel hatte gefordert, Lammert und SPD-Mitglied Flimm den Auftritt zu verwehren. Beide seien „Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien.“ Die Bühne eines Schauspielhauses sei der Vorstellungskunst der Schauspieler vorbehalten, für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären sei da kein Platz, hatte Steckel in einem offenen Brief geschrieben.
Ex-Intendant kritisiert Auftritt in Bochum
Von Bettina Jäger
BOCHUM Auch wenn sich Kriegs-Metaphern an dieser Stelle eigentlich verbieten: Der ehemalige Bochumer Intendant Frank Patrick Steckel fährt schweres Geschütz gegen den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und den scheidenden Triennale-Chef Jürgen Flimm auf. In einem offenen Brief fordert Steckel den jetzigen Intendanten Elmar Goerden auf, den beiden einen Auftritt im Bochumer Schauspielhaus zu verwehren. „Heuchelei“ wirft er ihnen vor und beschuldigt sie, „Angehörige kriegstreibender Parteien“ zu sein.
„´s leider Krieg“ heißt der Abend, den Flimm (SPD) und Lammert (CDU) gemeinsam auf die Beine gestellt hatten. Schon bei der Triennale mit großem Erfolg aufgeführt, soll das Programm mit Texten gegen den Krieg am 11. November in den Kammerspielen erneut gezeigt werden.
„Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären“
„Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz“, hatte Steckel kritisiert. „Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?“ Der Brief endet mit dem Aufruf: „Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren.“
„Gespräch weniger medienwirksam“
Elmar Goerden allerdings weigerte sich postwendend, den Auftritt abzusetzen. Der Abend stehe nicht im Zeichen politischer Statements, sondern der Literatur. „Wenn ein Theatermacher und der Präsident des deutschen Bundestages sich vornehmen, dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren, ist das Vorhaben nicht zu verurteilen.“ Goerden betont, er habe sich statt eines offenen Briefes lieber ein offenes Gespräch gewünscht. Aber das sei, so Goerden mit einem Seitenhieb, „natürlich weniger medienwirksam.“
„Dieser Brief kommentiert sich ja wohl selbst“
Und Norbert Lammert? Der ging auf die Vorwürfe nicht ein. „Dieser Brief kommentiert sich ja wohl selbst“, sagte er. Aber er machte deutlich, wie sehr ihm das Projekt „´s leider Krieg“ am Herzen liegt. Schon lange habe er den Plan geschmiedet, einen solchen Abend mit dem Schauspieler Ulrich Matthes zu verwirklichen. Weil Matthes 2007 nicht abkömmlich war, war Lammert gemeinsam mit Flimm aufgetreten. Die Texte habe er selbst zusammengestellt, betonte Lammert, sie reichen von Schiller über Grass bis zu Remarque. „Alles resultiert aus einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit Literatur“, so der Bochumer. Eine Frage in Richtung Steckel konnte er sich dann aber doch nicht verkneifen – nämlich die, warum sich Theatermacher eigentlich politisch äußern dürfen, wenn Politiker nicht auf der Bühne stehen dürfen …
Es gibt Menschen, die sagen, das Theater darf dies, darf das. Frank-Patrick Steckel, der sich als Intendant in Bochum ja nicht als Vertreter der Spaßgesellschaft zeigte und sein pessimistisches Weltbild in eine geschlossene Ästhetik kleidete, ist ein radikaler Theatermann und mag keine Politiker, die Kulturbotschafter sind, und keine Kulturvermittler, die sich schnittig arrangieren können. Jürgen Flimm und Norbert Lammert sind keinesfalls die üblichen Verdächtigen. Sie stehen aber für Steckel für ein angepasstes Establishment. Wer, so denkt er, mit einer bestimmten Parteirichtung sympathisiert, darf nicht auf einer Bühne stehen. Flimm und Lammert haben nie Kriegstreiberei gepredigt. Steckel geht es letztlich vermutlich um das, was die Gesellschaft mit Künstlern macht. Wie sie funktionalisiert werden, wie man sie ins Boot holt. Peymann, wir dürfen das nicht vergessen, ist auf Seiten der 68er-Revoluzzer.
Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Bochums Ex-Intendant sieht deren Antikriegs-Lesung im Schauspielhaus als „Heuchelei“.
„Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien“ sollen nicht über Frieden reden
Von Werner Streletz
Bochum. 1995 endete die Bochumer Intendanz von Frank-Patrick Steckel: Nun meldet er sich mit Theaterdonner zurück. In einem offenen Brief fordert er den jetzigen Intendanten Elmar Goerden auf, „den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen Ihres Theaters zu verwehren“. Anlass: Der Bundestagspräsident und der Ex-Triennale-Intendant wollen am 11. November im Schauspielhaus ein Antikriegsprogramm lesen, mit dem sie schon während der Ruhr Triennale aufgetreten sind.
Der heute in Berlin lebende Steckel wettert dagegen: „Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz.“ Und was könne es anderes sein „als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?“ Steckel befürchtet: „Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.“ Darum wünscht er sich von Goerden: „Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren!“
Auf die Kassandra-Rufe reagiert Goerden unaufgeregt: „Selbstverständlich sind die Theaterbühnen der Schauspielkunst vorbehalten.“ Machtpolitische Interessen hätten dort nichts verloren – „unbequeme aber durchaus“. Goerden stellt klar: „Wenn ein Theatermacher und der Präsident des deutschen Bundestages sich vornehmen, dem Thema Krieg literarisch nachzuspüren, ist das Vorhaben nicht zu verurteilen“, solange es frei des von Steckel bemängelten „hässlichen Trugs“ sei.
Der betreffende Abend stehe „nicht im Zeichen politischer Statements, sondern der Literatur“. Sollte sich an der Art der „Besetzung“ Diskussion entzünden, so sei das „keine ärgerliche Randerscheinung, sondern ein wünschenswerter Prozess“. Und Goerden schließt: „Starke Themen dürfen und müssen eine Plattform im Theater finden.“ Auf ein Wort
Ulrich Seidler
Wir wussten gar nicht, dass die im Ruhrgebiet auch einen Rolf Hochhuth haben: Der ehemalige Bochumer Intendant Frank-Patrick Steckel, hat einen offenen Brief an seinen Nachfolger geschrieben, an Elmar Goerden. Steckel bekundet mit rhetorischem Volldampf sein Missfallen daran, dass ein christdemokratischer Politiker und ein sozialdemokratischer Kulturfunktionär am Bochumer Schauspiel Friedensgedichte vortragen. Die beiden seien „Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien“, die auf einer öffentlich finanzierten Bühne nichts zu suchen hätten. Diese dürfe nicht zur Plattform für diejenigen werden, die den Frieden predigen und den Krieg schüren.“
Es handelt sich um „’s ist leider Krieg“, ein Gastspiel der Herren Norbert Lammert, Bundestagspräsident, und Jürgen Flimm, Leiter der Ruhrtriennale, bei der der Gedichtabend herausgekommen ist. Das wird eine nicht besonders kostspielige Produktion sein, mit der Goerden sein Haus sicher voll bekommt. Theaterwirtschaftlich ist das also vernünftig und nur weil das Bochumer Schauspiel öffentlich finanziert wird, darf man doch wohl vernünftig wirtschaften, oder?
Sind Lammert und Flimm Kriegstreiber, weil ihre Parteien dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zugestimmt haben? Dieser Einsatz hat doch realpolitische Gründe, die – wenn man von der Linkspartei und der Grünen-Basis absieht – im Parlament Konsens sind. Friedensengel, als die sie nach einem Friedensgedichtabend dastehen, sind sie jedenfalls nicht.
Aber der Knackpunkt, der einen Theatermann wie Steckel wohl so aufbringt, liegt gar nicht im Faktischen, sondern im Trüglichen: Bühnen seien „der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz. Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt,wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.“
Die Politik arbeitet mit den Mitteln des Schauspiels. Der Medienauftritt eines Politikers – und wenn er auch zufällig mal nicht im Fernsehen, sondern im Theater stattfindet – ist immer auch Realpolitik. Und wenn sich dieser Politiker an die Seite eines wichtigen Theateramtsinhabers stellt, ist das in der Tat eine unnötige Vermischung von Gewalten, die eigentlich geteilt sein sollten. So pingelig das klingt, und so sehr wir uns schon daran gewöhnt haben, dass Politik und Öffentlichkeitsarbeit Hand in Hand gehen – es ist ab und zu ganz hygienisch, wenn jemand mal hineinschreit in diesen deklarierten Kuschelfrieden. Und es ist eigentlich auch ganz hübsch, dass ausgerechnet Lammert ausgeschimpft wird, der vor Kurzem seinen Politikerkollegen zu Fernsehabstinenz riet.
Der Theaterregisseur Frank Patrick Steckel, ehemals gefeierter Intendant des Schauspielhauses Bochum, möchte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und seinen Kollegen Jürgen Flimm von der Bühne verbannen. In einem Offenen Brief hat Steckel seinen Bochumer Amtsnachfolger Elmar Goerden am Mittwoch aufgefordert, den beiden einen im November geplanten Auftritt im Theater der Ruhrgebietsstadt mit einer Lesung von Friedensgedichten zu verwehren. Die Bochumer Bühne dürfe nicht „zu einer Plattform für diejenigen werden, die den Frieden predigen und den Krieg schüren“, schreibt Steckel mit Blick auf den Unionspolitiker und den sozialdemokratischen Bühnenmann Flimm.
Theaterregisseur Frank Patrick Steckel, ehemals gefeierter Intendant des Schauspielhauses Bochum, möchte seinen Kollegen Jürgen Flimm und Bundestagspräsident Norbert Lammert von der Bühne verbannen. In einem Offenen Brief hat Steckel seinen Bochumer Amtsnachfolger Elmar Goerden aufgefordert, den beiden einen im November geplanten Auftritt im Bochumer Theater mit einer Lesung von Friedensgedichten zu verwehren. Die Bochumer Bühne dürfe nicht „zu einer Plattform für diejenigen werden, die den Frieden predigen und den Krieg schüren“, schrieb Steckel. Bochums Intendant Goerden sagte, der geplante Abend stehe nicht im Zeichen politischer Statements, sondern der Literatur und der Zeitgeschichte. Wenn sich an der „Besetzung“ eine Diskussion entzünde, sei dies ein wünschenswerter Prozess, so Goerden.
Pressespiegel zu der umstrittenen Lesung "‘S IST LEIDER KRIEG"
Regisseur Frank Patrick Steckel: Norbert Lammert und Jürgen Flimm sollen keine Friedensgedichte lesen dürfen
Bochum/Berlin – Theaterregisseur Frank Patrick Steckel, ehemals gefeierter Intendant des Schauspielhauses Bochum, möchte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und seinen Regie-Kollegen Jürgen Flimm bei einer spezifischen Veranstaltung von der Bühne verbannen. In einem Offenen Brief hat Steckel seinen Bochumer Amtsnachfolger Elmar Goerden am Mittwoch aufgefordert, den beiden einen im November geplanten Auftritt mit einer Lesung von Friedensgedichten zu verwehren. Die Bochumer Bühne dürfe nicht „zu einer Plattform für diejenigen werden, die den Frieden predigen und den Krieg schüren“, schreibt Steckel mit Blick auf den Unionspolitiker und den Sozialdemokraten Flimm in dem Brief.
„Der schöne Trug des Schauspiels“
Lammert und Flimm seien „Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien“, meinte der in Berlin lebende Steckel. Der Politiker sei „ein anerkannter Rüstungsexperte der CDU“ und Flimm gehöre dem rechten Flügel der SPD an, der nicht durch Friedenspolitik aufgefallen sei, argumentierte Steckel auf Anfrage. Deren Auftritt auf einer öffentlich finanzierten Bühne „diskreditiert jede Art von Theaterarbeit“, meinte der ehemalige Bochumer Intendant. Goerdens Entschluss zu dieser Lesung „ist mir eigentlich unerfindlich“, sagte Steckel.
Die Bühnen seien „der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz“, schreibt Steckel „mit besorgten Grüßen“ an den Bochumer Intendanten. „Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.“ Goerden dürfe nicht zulassen, „dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren“, heißt es in dem Schreiben Steckels.
Das Schauspielhaus Bochum plant für den 11. November eine Lesung unter dem Titel „`S ist leider Krieg“ mit Friedensgedichten vom Dreißigjährigen Krieg bis heute. Das Programm mit Lammert, der auch kulturpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion ist, und dem Triennale-Intendanten Flimm war bereits Anfang Oktober bei der Ruhrtriennale in Duisburg erstmals über die Bühne gegangen. (APA/dpa)
Mit der ihm eigenen Konsequenz wendet sich der Bochumer Ex-Intendant Frank-Patrick Steckel aus Berlin an den jetzigen Theater-Chef Elmar Goerden. Es geht um einen Antikriegsabend, den Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Ex-Triennale-Intendant Jürgen Flimm (SPD) am 11. November im Schauspielhaus planen. Steckel fordert Goerden auf, Lammert und Flimm „den Auftritt auf einer der Bühnen des Theaters zu verwehren“. Das Schauspielhaus sei „der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz“. Steckel: „Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?“
Der ehemalige Intendant des Bochumer Schauspielhauses, Frank-Patrick Steckel, hat einen Offenen Brief an seinen Nachfolger Elmar Goerden geschrieben. Frank-Patrick Steckel bittet Elmar Goerden, den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen seines Theaters zu verwehren. Elmar Goerden hat für den 11. November zu einer Lesung mit Norbert Lammert und Jürgen Flimm unter dem Titel „‚S IST LEIDER KRIEG“ eingeladen. Dies ist eine Wiederholung einer Aufführung vom 7. Oktober in Duisburg im Rahmen der Ruhrtriennale. Der Offene Brief im Wortlaut: Lieber Elmar Goerden,
meine langjährige Verbundenheit mit dem Schauspielhaus Bochum ist es, die mich zu der Bitte an Sie bewegt, den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen Ihres Theaters zu verwehren.
Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz.
Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?
Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.
Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren!
Mit besorgten Grüßen
Frank-Patrick Steckel
Der Arbeitskreis Umweltschutz (AkU) schreibt: „Bei der Halloween-Party des Tierparks am 31.10. läßt der AkU um 18.30 Uhr in der Zooschule die Vampire tanzen. Ein nicht ganz echter „Vampir“ namens Almut Henkel macht Graf Dracula mit einem Diavortrag ernsthafte Konkurrenz. Ausgehend von den Unholden und Dämonen der Geisternacht führt der Diavortrag in kindgerechter Weise zu den heimischen Fledermäusen und ihrer Ernährung. Am Ende der kurzen Veranstaltung wissen alle kleinen menschlichen Gruselgestalten, dass man die blutsaugenden Vampirfledermäuse eher in Südamerika suchen muss. Zum Beweis (und zum Trost für die Vampirologen unter den Kids) läßt sich als Höhepunkt ein heimischer Vetter der Vampire beim Verspeisen von Mehlwürmern beobachten. Die großen und kleinen Menschen müssen sich jedoch mit Halloween-Lakritz begnügen! Alle Tierparkgäste, insbesondere Kinder, ob verkleidet oder nicht, können sich an dem seltenen Schauspiel ergötzen.“
Dienstag 23.10.07, 19:00 Uhr
DGB-Diskussionsrunde zur Zukunft der Bochumer Schullandschaft
Der DGB- Bochum lädt am Donnerstag, dem 25. Oktober um 18.00 Uhr im Gewerkschaftshaus an der Alleestraße 80 zu einer Diskussion über die Zukunft der Bochumer Schullandschaft ein. „Es ist höchste Zeit“, so der DGB-Regionsvorsitzende Michael Hermund, „die Bildungspolitik als Schlüsselthema des 21. Jahrhunderts zu erkennen.“ Viel zu lange sei die übergreifende Bedeutung der Bildung nicht hinreichend beachtet worden. „Die Gesellschaft muss begreifen, dass gut gebildete Menschen das wichtigste Kapital in der Zukunft sein werden.“, so Hermund. Der DGB möchte deshalb über eine neue, verantwortungsvolle Bildungspolitik, über hohe Qualität, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Demokratiefähigkeit diskutieren. Der DGB fordert: „Gleichbehandlung aller SchülerInnen, Ganztag mit Rhythmus von anspannen und entspannen, umfangreiches Förderangebot, breites Bildungsangebot, moderne Pädagogik: jedes Kind mitnehmen“.
Es diskutieren:Ingrid Borchert, CDU; Peter Reinirkens, SPD; Ulrich Kriegesmann, GEW.
Offener Brief von Frank-Patrick Steckel an den Intendanten des Schauspielshauses Bochum, Elmar Goerden
Lieber Elmar Goerden,
meine langjährige Verbundenheit mit dem Schauspielhaus Bochum ist es, die mich zu der Bitte an Sie bewegt, den Herren Norbert Lammert (CDU) und Jürgen Flimm (SPD) den Auftritt auf einer der Bühnen Ihres Theaters zu verwehren.
Die Bühnen eines Schauspielhauses sind der Verstellungskunst der Schauspieler vorbehalten – für die Heuchelei von Berufspolitikern und Kunstfunktionären ist da kein Platz.
Und was kann es anderes sein als Heuchelei, wenn Angehörige der kriegstreibenden Bundestagsparteien Texte gegen den Krieg lesen?
Der schöne Trug des Schauspiels wird erniedrigt, wenn neben ihm der hässliche Trug machtpolitischer Interessen Fuß fasst.
Lassen Sie nicht zu, dass das Schauspielhaus Bochum zu einer Plattform für diejenigen wird, die den Frieden predigen und den Krieg schüren!
Mit besorgten Grüßen
Die Soziale Liste schreibt: »Der jetzt bekannt gewordene Verkauf des Wattenscheider Standortes von Ford-Fischer an Lidl verstärkt für die Soziale Liste die Befürchtungen einer negativen Entwicklung in der Wattenscheider City. „Damit gerät Wattenscheid immer mehr in den Griff des Schwarz-Konzerns und die Fußgängerzone wird weiter geschwächt“ sagt das Ratsmitglied Günter Gleising zu den Plänen, neben dem Gertrudiscenter an der Lyrenstraße, mit seinem großen Kaufland-Markt, eine weitere Filiale von Lidl zu bauen. Dort würde, zusammen mit dem Büro- und Schulbedarf-Handel Leidhäuser, ein neues Zentrum zum Nachteil der bereits mit Leerständen gebeutelten Fußgängerzone und der oberen Hochstraße entstehen.
„Die Soziale Liste sieht in der aggressiven Lidl/Kaufland-Expansion einen ungebremsten Machtkampf der Discounter. In diesem Machtkampf hat nach einer Mitteilung der Nachrichtenagentur Reuter der Lidl/Kaufland-Mutterkonzern Schwarz die Aldi-Gruppe beim Umsatz überholt. mehr…
Vor gut einem Monat hatten CDU und Junge Union dafür gesorgt, dass die äußerst rechtslastige Internetseite „Bochum gegen links“, die von Unions-Mitgliedern um Hendrik Schäfer betrieben wurde, im Internet gelöscht wurde. JU-Sprecher Christian Herker wurde am 14.9. in den Ruhr-Nachrichten zitiert: »JU-Schatzmeister Hendrik Schäfer sei jedoch mit Äußerungen im Netz über das Ziel hinaus geschossen. Weiter betont Herker: „Die JU hat keinerlei Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen.“ Schäfer habe ebenfalls eingesehen, dass er mit seiner Form der Darstellung nicht richtig gelegen habe. In Zukunft, so Herker, „werden wir auf die Inhalte unserer Website ein genaues Auge werfen.“ Auf der nächsten Kreisvorstandssitzung (21.9.) werde die JU interne Konsequenzen aus dem Sachverhalt ziehen.«
Die Konsequenzen scheinen den rechtsradikalen Flügel in der Union eher bestärkt zu haben. In einer Erklärung und einem Brief an das grüne Vorstandsmitglied Christian Michalak bekräftigt Hendrik Schäfer, dass er bei seiner Linie bleibt oder wie er es nennt: „Konservativen Kräften muss in der JU auch weiterhin eine Heimat geboten werden.“
Sonntag 21.10.07, 22:00 Uhr
Prozess am Dienstag, den 23. Oktober um 11.30 Uhr im Amtsgericht
Die Freie Uni Bochum schreibt auf ihrer Webseite: „Im Rahmen einer Reclaim the Streets Party zum Global Action Day for Education am 30. November vergangenen Jahres kam es zu drei Festnahmen durch die Polizei. Während einer der Festgenommenen ohne jegliche Vorwürfe entlassen wurde, läuft es in den beiden anderen Fällen auf eine gerichtliche Auseinandersetzung hinaus. Der erste Verhandlungstag findet am Dienstag, den 23. Oktober um 11.30 Uhr im Bochumer Amtsgericht statt.
Unter wechselnden strafrechtlichen Benennungen (Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz, versuchte gefährliche Körperverletzung, unerlaubte Waffenführung…) wird dem Betroffenen das Zünden eines Knallkörpers vorgeworfen. Die Anklage basiert einzig auf der Aussage von zwei Polizisten, die vorgeben, das Werfen eines nicht weiter identifizierten Knallers ‚in eine Menschenmenge‘, die aber anscheinend nicht mehr aufzufinden ist, beobachtet zu haben. Zusätzlich wird noch der übliche Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte aus der Verhaftungssituation konstruiert.“ Die Freie Uni Bochum ruft auf: „Deshalb: Kommt am Dienstag um 11.30 Uhr (besser um 11 Uhr) zum Amtsgericht und unterstützt den Beschuldigten. Betroffen ist einer – gemeint sind wir alle.“
Das Kinder- und Jugendtheater Traumbaum/Freier Vogel schreibt auf seiner Webseite: „Zu den Schulveranstaltungen der diesjährigen Anne-Frank-Kultur-Wochen gibt es sage und schreibe 19 Grußworte, und mancher wird sich über die Anzahl und eventuell auch die Autoren wundern. Bei dieser Grußwortsammlung handelt es sich um keinen billigen Werbeeffekt, denn auch ohne diese Grußworte sind bereits jetzt schon fast (fast!) alle Jugendvorstellungen aufgrund des inhaltlichen Ansatzes dieser Veranstaltungsreihe seit längerem ausverkauft. Die Idee hinter dieser Grußwortsammlung ist vielmehr folgende: die politischen Verantwortlichen auf kommunaler, Landes- und Bundesebenen nehmen meist nur dann zu dem Thema Rassismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus und Neofaschismus Stellung, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Sprich nach Mügel, Mölln, Rostock, leider etc.etc., um ein negatives Image zu vermeiden. mehr…
Die Projektgruppe „Wider das Vergessen im Frauenverband Courage“ stellt am Mittwoch, dem 31. Oktober um 16.30 Uhr, im Nebengebäude der Christuskirche Bochum eine Broschüre vor. Der Titel lautet: „Wider das Vergessen – Widerstand und Verfolgung Bochumer Frauen und Zwangsarbeiterinnen 1933 – 1945.“ Die Autorinnen forschten nach Schicksalen Bochumer Frauen, die sich gegen das Nazi-Regime gestellt haben und aufgrund ihrer Widerstandsarbeit verfolgt worden sind. Es ist ein besonderes Anliegen dieser Broschüre, „diese mutigen Frauen vor dem Vergessen zu bewahren und von ihrem antifaschistischen Widerstand, ihrem Einsatz für eine friedliche, demokratische und gleichberechtigte Gesellschaft für heute zu lernen.“
Auf ihrer Webseite hat die Linksfraktion inzwischen noch weitere Einzelheiten über die gestrige Ratssitzung veröffentlicht: Wie z. B. das offensichtlich fehlende Spendenaufkommen für das Konzerthaus verheimlicht wird und dass der Rat recht fragwürdig seine Entscheidung gegen verkaufsoffene Sonntage in der Innenstadt und im Ruhrpark revidiert hat. Ferner ist die Stadt dem Landesfonds „Kein Kind ohne Mahlzeit“ beigetreten. Näheres.
Das Kino Endstation zeigt am Sonntag, Montag und Mittwoch um 19.15 Uhr den Film „Bamako“ von Abderrahmane Sissako. Er hat einen Film über die Auswirkungen der Globalisierung auf sein Heimatland Mali gedreht. WWW.critic.de schreibt: „In einem Dorf in Mali findet ein Prozess statt. Zu sanfter Klaviermusik strömen einige Dutzend Menschen in den Hof eines Hauses und nehmen als Verteidiger, Ankläger, Richter oder Publikum auf Holzstühlen Platz. Nur der Angeklagte fehlt. In Abderrahmane Sissakos Bamako prozessiert die malinesische Bevölkerung gegen die Weltbank und andere Institutionen der globalisierten Weltwirtschaft.
Beide Seiten kommen zu Wort, doch die Tendenz ist klar: Bamako ist zu allererst ein äußerst wütender Film, der die von amerikanisch und europäisch geprägten Institutionen praktizierte neoliberale Weltwirtschaftspolitik und ihre Schäden in Afrika anklagt.“
Die Unabhängige Sozialberatung weist auf eine Entscheidung des Landessozialgerichtes hin, in der geregelt wurde, dass Gesundheitskosten gegebenenfalls bei Hartz IV-Abhängigen zusätzlich vom zuständigen Sozialamt übernommen werden müssen. Der in der Regelleistung enthaltene Anteil für die Gesundheitspflege sei nämlich zu gering. Zu beantragen sind diese Leistungen beim zuständigen Sozialamt. Die ARGE bzw. das Jobcenter ist verpflichtet, einen solchen Antrag weiterzuleiten. Die Unabhängige Sozialberatung empfiehlt in ihrer detaillierten Pressemitteilung: „Von dieser Rechtslage sollte umfassend Gebrauch gemacht werden, denn verschiedene Ärztevereinigungen (insb. die Kinder- und Jugendärzte) haben bereits Alarm geschlagen wegen der hierdurch bedingten Verschlechterung des Gesundheitszustandes Hartz IV-Abhängiger.
Beim Zahnersatz übernimmt die Krankenkasse im Rahmen der Härtefallregelung (Bruttoeinkommen monatlich unter 980 Euro) auf Antrag 100 % der Regelversorgung. mehr…
Pressemitteilung der Unabhängigen Sozialberatung vom 19. Oktober 2007:
Gesundheitskosten müssen bei Hartz IV-Abhängigen gegebenfalls zusätzlich vom zuständigen Sozialamt übernommen werden. So hat das Landessozialgericht NRW in Essen entschieden (Az.: L 1 B 7/07 AS ER 22.06.2007 rechtskräftig). Der in der Regelleistung enthaltene Anteil für die Gesundheitspflege sei zu gering. Zu beantragen sind diese Leistungen beim zuständigen Sozialamt. Die ARGE bzw. das Jobcenter ist verpflichtet, einen solchen Antrag weiterzuleiten. Von dieser Rechtslage sollte umfassend Gebrauch gemacht werden, denn verschiedene Ärztevereinigungen (insb. die Kinder- und Jugendärzte) haben bereits Alarm geschlagen wegen der hierdurch bedingten Verschlechterung des Gesundheitszustandes Hartz IV-Abhängiger.
Beim Zahnersatz übernimmt die Krankenkasse im Rahmen der Härtefallregelung (Bruttoeinkommen monatlich unter 980 Euro) auf Antrag 100 % der Regelversorgung. Eine höherwertige Versorgung wird nur übernommen, wenn zwingende medizinische Gründe dafür sprechen, z.B. eine Unverträglichkeit („Allergie“) der verwendeten Werkstoffe oder kieferorthopädische Besonderheiten.
Insgesamt ist die Summe aller Zuzahlungen zu Verordnungen (einschliesslich der Praxisgebühren) bei Harz IV-Abhängigen auf 83 Euro jährlich begrenzt (42 Euro bei Menschen mit chronischen Erkrankungen). Das heisst: Quittungen sammeln und alsbald bei der Krankenkasse eine Freistellung beantragen.
Schlecht sieht es aus, wenn verschreibungsfreie Medikamente medizinisch notwendig sind (z.B. Mittel gegen Allergien, Schmerzmittel, Salben und Verbandstoffe für an Neurodermitis Erkrankte, Vitamine und Anderes gegen Diabetes-Folgeschäden usw.). Wie auch die ggf. sehr teure Brille bei schweren Sehfehlern sei das aus der Hartz IV-Regelleistung zu bezahlen.
Dazu meint aber das Landessozialgericht Essen am 22. Juni 2007 (Az.: L 1 B 7/07 AS ER 22.06.2007 rechtskräftig):
„ … die Übernahme dieser Kosten“ ist „im Rahmen des Bezuges von Arbeitslosengeld II nicht möglich, denn der in der Regelleistung nach § 20 SGB II … unter anderem enthaltene Anteil für die Gesundheitspflege ist zu gering.“
Sie seien zu tragen auf der Grundlage des „Auffangparagrafen“ 73 des SGB XII („Hilfe in sonstigen Lebenslagen“). Denn: „Eine Privilegierung der Empfänger von Sozialhilfeleistungen ist insoweit nicht zu rechtfertigen. … Dies gelte um so mehr angesichts der besonderen Bedeutung des grundgesetzlich gewährleisteten Rechts auf körperliche Unversehrtheit in Art. 2 Abs. 2 Grundgesetz (GG). … Eine atypische Bedarfslage sei anzunehmen, wenn medizinisch notwendige Medikamente und Hautpflegeprodukte von der Krankenkasse nicht übernommen werden und deren Kosten nicht aus der Regelleistung angespart werden können.“
Das Landessozialgericht nimmt dabei Bezug auf eine Entscheidung des Bundessozialgerichtes vom 7. November 2006 (Az.: B 7b AS 14/06 R).
Zu beantragen sind diese Leistungen beim zuständigen Sozialamt. Die ARGE bzw. das Jobcenter ist verpflichtet, einen solchen Antrag weiterzuleiten. Bei Ablehnung ist innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einzulegen, bei weiterer Ablehnung sollte Klage eingereicht werden. Das ist für die Betroffenen kostenfrei.
Von dieser Rechtslage sollte umfassend Gebrauch gemacht werden, denn verschiedene Ärztevereinigungen (insb. die Kinder- und Jugendärzte) haben bereits Alarm geschlagen wegen der hierdurch bedingten Verschlechterung des Gesundheitszustandes Hartz IV-Abhängiger.
Preiswerte und sinnvolle Zusatzversicherungen (z.B. für Sehhilfen und Zahnbehandlungen) werden von der ARGE Bochum leider nicht als „nach Grund und Höhe angemessen“ angesehen bei der Berechnung von Freibeträgen für ggf. vorhandenes (Zusatz-) Einkommen. Hier will sie nur Versicherungen anerkennen, durch die sie selbst möglicherweise entlastet werden kann (nur Hausrat- und Haftpflichtversicherung).