Archiv für den Monat: April 2011


Mittwoch 27.04.11, 08:09 Uhr

Neue Zeitung der Sozialen Liste

Die Soziale Liste hat eine neue Ausgabe ihrer Zeitung herausgegeben. Hierin  spricht sie sich, so die Soziale Liste, »insbesondere gegen die neuen Pläne für die Bochumer Innenstadt („Einkaufs-Quartier/EinkaufsCenter“) aus, wendet sich gegen den Abbau von 733 Arbeitsplätzen bei der Stadt Bochum und informiert über „neue Löcher bei der Finanzierung des Konzerthauses/Musikzentrums“. Die Soziale Liste fordert insbesondere den Erhalt des Husemannplatzes als Ruhe- und Freiraum der Bochumer Bürgerinnen und Bürger.« Die Zeitung als PDF-Datei.


Mittwoch 27.04.11, 07:49 Uhr

Demokratische Bank als Alternative?

Am Sonntag, den 7. Mai lädt Attac Bochum um 18.00 Uhr in den Bahnhof Langendreer zu einer Veranstaltung zum Thema: „Gemeinwohl-Ökonomie und demokratische Bank als Alternative?“ In der Ankündigung heißt es: »Nach dem riesigen Erfolg der Gemeinschafts-Veranstaltung von Attac Bochum und GLS-Bank zum Thema „Finanzkrise – war da was?“ setzt die Attac-Stadtgruppe Bochum die Suche nach ökonomischen Alternativen fort und lädt ein zu einer Diskussion mit dem Erfinder der „Gemeinwohl-Ökomomie“, Christian Felber. In unserem heutigen Wirtschaftssystem steht der finanzielle Gewinn an oberster Stelle. Christian Felber stellt mit der GemeinwohlÖkonomie einen grundlegenden Neuansatz vor: Nicht mehr Gewinnstreben und Konkurrenz sollen Ziel der Unternehmen sein, sondern das Streben nach Gemeinwohl und Kooperation.
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Dienstag 26.04.11, 22:00 Uhr

Film: Der Dieb des Lichts

Ab Donnerstag, dem 5. Mai läuft im endstation.kino der Film Der Dieb des Lichts. In der Ankündigung heißt es: „Er ist ein Robin Hood der Stromversorgung: Von den Armen geliebt, lässt er in den Wohnungen die Zähler rückwärts laufen und bringt so auch Licht in die Haushalte, die es sich nicht leisten können. Damit erzürnt „Herr Licht“ – so die Übersetzung des Originaltitels Svet-Ake – das staatliche Energie-Unternehmen und wird auch schon mal festgenommen, was ihn aber nicht stoppen kann. mehr…


Dienstag 26.04.11, 16:36 Uhr

Grundwasservergiftung in Gerthe

Am Dienstag, den 3. 5. findet um 19.00 Uhr im Gemeindesaal der ev. Kirchengemeinde Gerthe, Lothringer Straße 29 eine „Einwohner – Versammlung“ statt. Es geht um die Belastung des Grundwassers im Bereich der ehemaligen Chemischen Betriebe Lothringen. Die Bezirksbürgermeisterin schreibt in der Einladung, dass es ihr in diesem Zusammenhang wichtig sei, „dass auch die Bürgerinnen und Bürger im Bochumer Norden umfänglich über die Sachlage informiert werden. Daher lade ich ganz herzlich zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein, in der das Umweltamt- und Grünflächenamt der Stadt Bochum über alle vorliegenden Fakten informieren wird.“ Das Presseamt der Stadt kündigt das ganze als „Einwohnerversammlung des Umwelt- und Grünflächenamtes“ an. Fast immer deuten solche Formulierungsfehler auf erhebliches Kompetenzgerangel hin.


Dienstag 26.04.11, 15:08 Uhr

Ungewöhnlicher Rundlauf

Am kommenden Wochenende startet zwischen Ehrenfeld und Rottstraße ein „Rundlauf“. In der Ankündigung heißt es: „Der Rundlauf stellt zum einen die Vereinigung unterschiedlichster Kunstformen und zum anderen ungewöhnlicher Veranstaltungsorte dar. Die Grundidee ist es abseits des Konzepts des städtischen Festivals und aus einer Initiative aktiver Künstler einen Platz für Kunst jeglicher Art im offenen Raum zu schaffen. Ein Beispiel solcher Räumlichkeiten sind leerstehende und bestehende Ladenlokale, Ateliers, Theater, etc, die sich den Erhalt der freien und unabhängigen Kunst zum Ziel gesetzt haben.“ Das Programm des Rundlaufs. Die in der K-Gallery geplanten Aktivitäten werden ausfallen. Nach dem Tod von Christoph Kivelitz bleibt der Ort geschlossen.


Rede von Elke Koling am 25. April 2011 auf dem Ostermarsch in Bochum-Werne
Dienstag 26.04.11, 07:06 Uhr

Atomenergie und Atombomben:
Zwei Seiten einer Medaille

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, ich bin als Mitglied des Bochumer Friedensplenums und der IPPNW, das sind die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges und in sozialer Verantwortung gebeten worden, heute hier zu reden. Am Tag der heutigen Ostermontagsdemo finden gleichzeitig an zahlreichen Orten Proteste gegen Atomkraft statt, anlässlich des morgigenen traurigen 25. Jahrestages der Tschernobylkatastrophe. Viele Friedensfreundinnen und Friedensfreunde werden sich deshalb in diesem Jahr nicht wie gewohnt aufmachen, um nach Dortmund zu marschieren, sondern stattdessen mit dem Bus zur Anti-Atomdemo nach Gronau fahren, um den Ausstieg aus der Atomenergie zu fordern. Felix und ich haben an dieser und andere Stelle schon oft etwas zu Atombomben in Deutschland gesagt, die lagern ja weiterhin hier. Heute möchte ich den Brückenschlag machen zwischen ziviler und militärischer Nutzung der Atomenergie, sowie auch dieser Ostermarsch und Ostermontag eine Art Brückenschlag zwischen den Themen und zwischen den Orten Dortmund und Gronau ist. Als die IPPNW 1980 – immerhin zur Hochzeit des kalten Krieges- von jeweils drei berühmten amerikanischen und sowjetischen Kardiologen ins Leben gerufen wurde- war der Gründungsgedanke, dass Ärzte die Menschen nicht vor einem Atomkrieg schützen können. In der Präambel heißt es: „Ein Atomkrieg wäre die letzte Katastrophe für Menschheit und Umwelt. Das menschliche Leben und die menschliche Gesundheit würden unmittelbar und langfristig in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zerstört, wodurch das Überleben der Zivilisation selbst bedroht wäre. Die Gefahr eines Ausbruchs besteht in einem hohen Maße, und sie nimmt ständig zu. Selbst ohne dass es zu einem Atomkrieg kommt, werden unschätzbare und begrenzte Ressourcen unproduktiv auf das nukleare Wettrüsten verschwendet, wobei wesentliche menschliche, soziale, medizinische und ökonomische Bedürfnisse unbefriedigt bleiben. Aus diesen Gründen müssen die Ärzte in allen Ländern für die Verhinderung eines Atomkriegs kämpfen und sich für die Beseitigung aller Atomwaffen einsetzen. Die Ärzte können eine besonders wichtige Rolle spielen, weil sie mehr…


Dienstag 26.04.11, 07:00 Uhr
Zivile und militärische Nutzung der Atomenergie:

Zwei Seiten einer Medaille

Etwa dreihundert OstermarschiererInnen trafen sich gestern Vormittag in Bochum-Werne, um anschließend nach Dortmund zu marschieren. In Dortmund waren es dann mehr als 600 TeilnehmerInnen auf der Abschlussveranstaltung des Ostermarsch Ruhr. Etwa 150 Menschen machten sich gleichzeitig mit Bus, Bahn, PKW und Fahrrad von Bochum aus nach Gronau auf den Weg, um mit 10.000 weiteren DemonstrantInnen vor der Uran-Anreicherungsanlage „Abschalten“ zu rufen. Elke Koling (Foto) vom Bochumer Friedensplenum und Mitglied bei IPPNW unterstrich in ihrer Rede in Bochum-Werne, wie eng der zivile und militärische Einsatz von Atomenergie zusammenhängt: Zwei Seiten der gleichen Medaille. Die Rede im Wortlaut.


Montag 25.04.11, 19:48 Uhr

Die Rede von Prof. Jürgen Link

Der Text des Vortrages von Prof. Jürgen Link »Zum Anteil der Massenmedien an der perversen „Normalisierung“ des Krieges« am gestrigen Sonntag auf der Ostermarsch-Veranstaltung im Bahnhof Langendreer liegt nun vor. Die Rede im Wortlaut.


Vortrag von Prof. Jürgen Link am 24.4.2011 auf dem Ostermarsch in Bochum
Montag 25.04.11, 19:46 Uhr

Zum Anteil der Massenmedien an der perversen „Normalisierung“ des Krieges

1. Ausgangspunkt ist das Rätsel, warum etwa 2/3 der deutschen Bevölkerung bei Umfragen den Afghanistankrieg ablehnen und für den umgehenden Rückzug der Bundeswehr eintreten, bei Wahlen aber gleichzeitig bekanntlich zu etwa 90 Prozent Pro-Kriegsparteien wählen. Offenbar handeln sie nach einer Logik der „gespaltenen Normalität“: Sie wählen im Sinne einer Heimat-Normalität und spalten den Krieg davon ab. Dazu die folgenden Überlegungen.

2. Ich möchte zeigen, dass bei dieser Spaltung der Normalität insbesondere die Massenmedien eine entscheidende Rolle spielen und dass sie zwei verschiedene Begriffe von „Normalität“ verwenden und vermischen. Ich unterscheide einen legitimen und einen perversen Normalitäts-Begriff. Kinkel-Zitat (19.3.1993) als Beispiel für den perversen (Afghanistan-Heft Zeitschrift „kultuRRevolution“, S. 8):

„In dieser neuen Phase der Weltpolitik steht auch das wiedervereinigte Deutschland vor einem Neuanfang. Zwei Aufgaben gilt es parellel zu meistern: Im Inneren müssen wir wieder zu einem Volk werden, nach außen gilt es etwas zu vollbringen, woran wir zweimal zuvor gescheitert sind: Im Einklang mit unseren Nachbarn zu einer Rolle zu finden, die unseren Wünschen und unserem Potential entspricht. Die Rückkehr zur Normalität im Inneren wie nach außen entspricht einem tiefen Wunsch unserer Bevölkerung seit Kriegsende. (meine Hervorhebung, J.L.) Sie ist jetzt auch notwendig, wenn wir in der Völkergemeinschaft respektiert bleiben wollen. So wie wir die innere Vereinigung nur mit einem ehrlichen Patriotismus schaffen, so werden wir unserer weltpolitischen Verantwortung nur mit einem Übernahme aller Rechten (so in der FAZ: freudscher Verschreiber, J.L.) und Pflichten eines UN-Mitgliedes gerecht. […] Unsere Bürger haben begriffen, dass die Zeit unseres Ausnahmezustands vorbei ist (meine Hervorhebung, J.L.) […] Eine Grundgesetzänderung, die die genaze Breite möglicher UN-Aktionen abdeckt, wird von Monat zu Monat dringlicher. Die Konflikte warten nicht ab, bis wir soweit sind, und sie laufen nicht so harmlos und berechenbar ab, wie es sich einige gerne ausmalen würden. Wir müssen jetzt unsere Fähigkeit zur Normalität nach innen und außen unter Beweis stellen, wenn wir politisch nicht schwer Schaden nehmen wollen. Zu dieser Normalisierung gehört auch ein deutscher ständiger Sitz im Sicherheitsrat (meine Hervorhebung, J.L.). […]“ (Klaus Kinkel, Außenminister und Ex-BND-Chef, „Verantwortung, Realismus, Zukunftssicherung. Deutsche Außenpolitik in einer sich neu ordnenden Welt“, in: FAZ 19.3.1993)

In diesem regelrechten Manifest für den dritten deutschen Griff zur Weltmacht, wie man sagen muss, leistete sich Kinkel bzw. sein Ghostwriter mehrere freudsche Verschreiber von wahrhaft historischer Dimension: Er machte die Führung von Kriegen zum Lackmustest der „Normalität“ und behauptete folglich, dass Deutschland 1945 (!!!) aus der „Normalität“ herausgefallen sei und seither im „Ausnahmezustand“ gelebt habe!!! „Normalisierung“ also als Rückkehr zum Krieg!

– weiteres Beispiele: Karl Feldmeyer: „Auf dem Weg in die westliche Normalität“ (FAZ 6.9.2002) und Klaus-Dieter Frankenberger FAZ 3.4.2010: Afghanistankrieg Buwe. „normal“. Viele weitere Beispiele für diesen perversen „Normalitäts“- Begriff (Krieg = „normal“).

3. Zum legitimen Normalitäts-Begriff: (ausführlich in meiner Studie Versuch über den Normalismus. Wuie Normalität preoduziertwird, 4. Aufl. Göttingen 2009) Moderne Gesellschaften sind verdatete Gesellschaften, die sich statistisch transparent machen, um ihre Massendynamik regulieren zu können. „Normal“ ist jedes massenhafte, statistisch durchschnittliche Verhalten, das ohne radikale Änderungen mittelfristig fortgesetzt werden kann. Normaler Lebensstandard, normaler Konsum, normale Sexualität usw. Anormal ein Verhalten, dass aus einer solchen Normalität herausfällt wie zum Beispiel Drogenkonsum oder Kindesmissbrauch.

4. Krieg ist in diesem Sinne niemals normal. Kriegszustand ist Ausnahmezustand, Notstand, also Zustand allgemeiner Anormalität. Krieg kann und soll ja nicht endlos fortgesetzt werden, sondern möglichst bald von einem Zustand legitimer Normalität beendet werden. Der Begriff eines „normalen“ Krieges ist also pervers. Wie kann dieser perverse Begriff und wie kann diese Spaltung der Normalität funktionieren? Das geht nur in Fällen, in denen der Krieg die „Heimat“ der einen kriegführenden Seite, der einen kriegführenden Partei, nicht direkt berührt, also „hinten fern in der Türkei“ stattfindet, wie es in Goethes Faust heißt. Der Grundtyp dieses pervers-„normalen“ Krieges ist der alte Kolonialkrieg und der neue Neokolonialkrieg bzw. der neueste Weltjunta-Interventionskrieg.

Ein Wort in aller Kürze zu meinem Begriff einer militärischen „Weltjunta“. Ich meine damit weder die UNO noch auch pauschal die NATO. Ich meine vielmehr den exklusiven Club ökonomisch starker und gleichzeitig militärisch global interventionsfähiger westlicher Großmächte. Am einfachsten: die G7 ohne Japan (das bisher nicht „mitzieht“). Vor allem natürlich die Supermacht USA, die auf der ganzen Welt militärische Stützpunkte besitzt und über die meisten High-Tech und Low-Tech-Waffen verfügt. Den Unterschied zur UNO sieht man am klarsten daran, dass die UNO niemals den USA das Quasi-Monopol auf ihre weltzerstörungsfähige Armee verliehen hat. Die „Weltjunta“ ist also wirklich „selbsternannt“ auf der Basis ihrer ökonomischen Übermacht. Was ist mit den anderen Vetomächten Russland und China? Russland steckt „halb“ in der Weltjunta (G 8), China noch nicht, möchte es vielleicht. Es gibt aber auch die Tendenz, eine Anti-Weltjunta zu bilden: BRICS-Kartell (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), das z.B. in der Libyenfrage eine Anti-NATO-Position bezog. Weltjunta auch nicht einfach = NATO, vielmehr bloß führende Weltmächte in der NATO.

Deutschland ist also „Newcomer“ in der Weltjunta – zuweilen mit Widersprüchen wie 2003 und jetzt mit der Enthaltung bei der Libyen-Resolution des Sicherheitsrats.

5. Zurück zur „Normalität“: Hier zeigt sich wieder die Schlüsselrolle der Massenmedien: Sie verweigern beim Weltjunta-Interventionskrieg die normalistische Transparenz. Was heißt normalistische Transparenz? Es bedeutet die Sichtbarmachung wichtiger statistischer Daten und Situationen. Die große Macht der Medien besteht in ihrer Fähigkeit, sichtbar oder unsichtbar zu machen. Das fängt also mit der Verdatung und Statistik selbst an: Was die Erhöhung der Arzthonorare oder die Reform von Hartz IV den Steuerzahler kostet, stellen die Medien sofort mit Schaubildern und kleinen Videos über typische Fälle heraus – was der Afghanistankrieg bisher gekostet hat und täglich weiter kostet, selten oder nie. (offiziell 2009, vor der aktuellen Eskalation der großen „Schlussoffensive“ unter Petraeus: circa 2. Mill. am Tag, circa 750 Mill. im Jahr; nach kritischen Berechnungen aber viel mehr: zwischen 2 und 3 Mrd. pro Jahr; jedenfalls also in den bisherigen 10 Jahren mindestens 10 Mrd., vermutlich mehr. Aufgabe für die Friedensbewegung! die Kosten der Eskalation seit 2009: Haubitzen, Panzer, Drohnen allein für 110 Mill. geleast) Wieviele Luftschläge in Afghanistan bisher schon geflogen wurden und wöchentlich weiter geflogen werden – wieviele Killerdrohnen dabei eingesetzt wurden und weiter werden – wieviele eindeutig zivile Opfer bisher insgesamt getroffen wurden und wöchentlich weiter werden – all das wird nicht in Schaubilder und Kurven bzw. exemplarische Fotos und Videos umgesetzt wie der Benzinpreis. Dabei hätten die Medien durch Wikileaks so genaue Daten, wie es sie noch von keinem noch andauernden Krieg in der Geschichte gab. Dieser normalistische Blackout, dieses Unsichtbarmachen statt Sichtbarmachen, der Medien über den Krieg ist also ihr erster Beitrag zur perversen „Normalisierung“ des Krieges.

6. Noch wichtiger sind aber die folgenden aktiven Beiträge:

6.1. die perverse „Normalisierung“ der „Luftschläge“, also Bombardements.

Bekanntlich führt die Weltjunta ihre Interventionskriege strategisch und taktisch dominant mit der Luftwaffe. Als erstes stellt sie jeweils das Luftwaffenmonopol her (wie jetzt gerade wieder in Libyen). Sie führt dann angeblich sogenannte „chirurgische Luftschläge“ mit Bomben, Raketen und Killerdrohnen, angeblich niemals gegen Zivilisten und angeblich sogar nur zum Schutz von Zivilisten. Dass es sich dabei um eine pervers-lügenhafte „Normalität“ handelt, zeigt schon die genuin normalistische Statistik: Würden auch 90% der Bomben und Raketen tatsächlich „chirurgisch“ militärische Ziele treffen, was natürlich total übertrieben ist, dann würden bei rund 50000 Einsätzen wie 1999 auf dem Balkan bereits 5000 Einsätze sogenannte „Kollateralschäden“ anrichten. Wer noch nie ein Bombardement erlebt hat, kann sich nicht einmal die Wirkung einer einzigen Bombe oder Rakete vorstellen – geschweige denn die von 5000. Es wäre aber die normalistische Aufgabe der Medien, die notwendige Fantasie für den Horror des Luftkriegs herzustellen. Also sichtbar statt unsichtbar zu machen. Warum sie es nicht tun, kommt gleich im nächsten Punkt.

Hier zunächst noch eine letzte Tatsache: Selbst wenn die „chirurgischen Luftschläge“ zu 100% träfen, bliebe noch der 100- und 1000fache Kindesmissbrauch. Bei einem Amoklauf oder auch bloß bei einem größeren Verkehrsunfall rücken sofort ganze Brigaden von Psychologen und Seelsorgern an, um besonders die Traumatisierung von Kindern und Jugendlichen zu behandeln und nach Möglichkeit zu verringern. Bei Kindesmissbrauch findet das sogar oft noch Jahrzehnte später statt. Das ist sehr notwendig und auch normalistisch konsequent, weil solche Traumatisierungen die Folge des totalen Verlusts der Normalität, der totalen Denormalisierung sind. Bei Luftschlägen in urbane Zonen hinein wie gerade wieder in Tripolis, aber auch in Afghanistan und Pakistan, werden die Kinder, die den Explosionen in nächster Nähe ausgesetzt sind, und das über Wochen, Monate oder Jahre wie in Afghanistan, aufs schwerste traumatisiert. Ihr Reizschutz, wie Freud es nannte, wird fürs Leben durchschlagen. Diese hochgradige Denormalisierung wird uns mit der Floskel „Schutz der Zivilisten“, „chirurgische Schläge“ in perverser Weise unsichtbar gemacht.

6.2. Wie ist das möglich? Durch das mediale Management von Feindbildern.

Vor ihrer Beteiligung an der Weltjunta hatte die Bundeswehr eine Reklame, die sagte: „Feindbilder sind die Väter des Krieges – darum haben wir keins“ (perverserweise illustriert mit Picassos „Guernica“). Das ist inzwischen längst „Geschichte“, wie es heißt. Man kann das Leid der von der Weltjunta absichtlich oder bloß mit statistischer Notwendigkeit bombardierten bzw. in Mitleidenschaft gezogenen Zivilisten und besonders Kinder nur dadurch unsichtbar machen, dass man das Leid der vom Gegner betroffenen Zivilisten sehr sichtbar macht und dass man statt der eigenen „unschuldigen“, wie es heißt, Opfer bloß den Feind selbst, also das Feindbild, ungeheuer sichtbar macht. Also sehen wir Massakerbilder der Opfer des Feindes – ich nenne stellvertretend das Bild der Afghanin mit der abgeschnittenen Nase auf dem Cover von Time Magazine – aber keine Bilder der Opfer von Massakern der Weltjunta (etwa der Opfer des Tanklasterluftschlags von Yakob Baj bei Kundus). (als die Feldjäger kamen, war das „Humanmaterial“, wie es im Feldjägerbericht heißt, schon verschwunden: offenbar von Spezialkräften wie dem KSK, oder auch von afghanischen Geheimdienstleuten, „gecleart“). Und also sehen wir vor allem Karikaturen einschließlich karikaturartiger Fotos der sogenannten „neuen Hitlers“, der Saddam, Milosevic, jetzt wieder Gaddafi usw. Diese Diktatoren sind zweifellos eklige Menschenschinder, aber jeweils einer von mindestens 100, die ebenso eklig sind (wie es jetzt die arabischen Revolutionen sichtbar gemacht haben). Als „neue Hitlers“ werden also nur solche Diktatoren sichtbar gemacht, gegen die die Weltjunta Krieg führen will. Es sind Kriegs-Feindbilder mit extremer Personalisierung und vor allem mit extremem „binären Reduktionismus“, das heißt Reduktion des Konflikt auf nur zwei Parteien, wodruch dann sogar oft genug andere eklige Menschenschinder zu Freundbildern werden.

Dieses Aufblasen von Feindbildern erweckt den Eindruck, als träfen die „Luftschläge“ der Weltjunta nur diese „neuen Hitlers“ – was wiederum schon rein statistisch absurd ist. Wir kennen alle das Argument, dass die von der Weltjunta getroffenen Zivilisten vom Feind als „Schutzschilde“ oder „Geiseln“ genommen worden seien. Die Feindbilder der „neuen Hitlers“ sind genau solche perversen „Schutzschilde“, die im Riesenformat über die als Geiseln der Weltjunta genommenen Zivilisten der Gegenseite gemalt werden, woraufhin sie bombardiert werden können.

6.3. Feindbilder sind entweder Subjekte oder keine Subjekte.

„Wahnsinnige“ bzw. „Irre“ sind keine autonomen Personen, sie sind juristisch nicht zurechnungsfähig, man kann mit ihnen also nicht verhandeln und Verträge abschließen. Alle „neuen Hitlers“ werden als solche „Wahnsinnigen“ dargestellt, auch wenn man sie jahrelang als zurechnungsfähige Subjekte anerkannt hat, als es galt, Ölverträge mit ihnen abzuschließen. Symbolisch sind solche „Irren“ so etwas wie Naturkatastrofen, für die die symbolische Feuerwehr, also die Weltjunta, zuständig ist. Noch weniger Subjekt sind aber Guerillakämpfer wie die Taliban, die nicht einmal von einem „neuen Hitler“ übermalt werden können. Sie sind symbolisch einfach eine Art ansteckende Krankheit, eine Pest, die es schlicht zu „eliminieren“ gilt. Mit Vorliebe ohne sie anzufassen, also aus der Luft und noch lieber mit Killerdrohnen, die von Texas aus von „normal“ ihren Dienst absolvierenden Computersoldaten auf die afghanischen Dörfer gesteuert werden. Manche Afghanen, selbst Talibangegner, finden das „feige“. Das zeigt, dass solche Afghanen vormodern sind und die Aufklärung versäumt haben. Das ist buchstäblich wahr, denn Aufklärung hat auch eine militärische Bedeutung: den Taliban fehlen Aufklärungsdrohnen, wie sie die Bundeswehr besitzt.

(Jetzt werden auch in Libyen Killerdrohnen eingesetzt. „Gaddafi“ setzt möglicherweise (wie auch die USA bis in die jüngste Zeit) Streubomben ein. Das ist feige. Die USA (oder die NATO? unklar wer) antworten mit Killerdrohnen. Das ist tapfer. Those electronic warriors are doing a great job over there in Texas.

6.4. Da die Logik des Antiguerillakrieges (Counterinsurgencykrieges) die Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten weitgehend unmöglich macht, machen die Medien eben diese Logik des Antiguerillakrieges total unsichtbar.

Ich frage, welche bekannten Massenmedien die folgende, in Afghanistan täglich herrschende Logik sichtbar gemacht hat: Die Soldaten der Weltjunta, z.B. der Bundeswehr, einschließlich der Kommandeure, sind der Sprache und der Kultur ihrer Feinde meistens total unkundig. Wie sollen sie Partisanen von Zivilisten unterscheiden? Sie sind also total von den anonymen Denunziationen einheimischer „Informanten“ abhängig. Das Risiko absichtlich (oder auch unabsichtlich) falscher Denunziationen ist enorm hoch, insbesondere in ethnisch pluralen, stämme- und clanartig organisierten Gesellschaften mit blutracheähnlichen Mentalitäten. So wurden die Dorfbewohner von Yakob Baj, sämtlich Pashtunen, von nichtpashtunischen Informanten denunziert (siehe die Recherchen von Marc Thörner in seinem Buch Der Afghanistan-Code). Die Speerspitze des Speeres namens ISAF besteht aus Jet- und Drohnen-Einheiten und am Boden aus sogenannten Spezialkräfte-„Killteams“, die Killungen nach Denunziations-Listen vornehmen. Diese Seite des schmutzigen Afghanistankrieges wird ganz unsichtbar gehalten. Umso sichtbarer werden Selbstmord- und andere Attentate der Gegenseite herausgestellt. Beide Seiten des Terrorkrieges führen zu Traumatisierungen, auch der Soldaten. Die Traumatisierungen der Soldaten der Weltjunta sind die einzigen Traumatisierungen, die von den Medien sichtbar gemacht werden. Dafür ist den Medien immerhin sehr zu danken: Zum einen, weil jede Traumatiserung von Menschen angeklagt werden muss; zum anderen aber auch, weil dadurch das Thema Traumatisierung wenigstens an einer Stelle wie die Spitze eines Eisbergs sichtbar wird – wir müssen dann sofort hinzufügen, dass es noch viele andere Traumatisierte gibt – bis hin zu den Kindern zwischen den Fronten.

Bestätigung MONITOR 22.4.2010: c/k-Listen usw. Völkerrechtler Tomuschat (HU)

7. Bombardements sind immer auch ökologisch verheerend.

Insbesondere die Grünen sind daran zu erinnern, dass sie mit ihrer Unterstützung von Kriegen, die auf „Luftschlägen“ beruhen, schwere ökologische Schäden anrichten. Gilt nicht nur für den Einsatz abgereicherten Urans wie auf dem Balkan; andere Schwermetalle. (kann hier nicht ausgeführt werden)

8. Appell „Heraus aus der Sackgasse in Afghanistan“.

Appell der Zeitschriften „kultuRRevolution“, „AMOS“, „DISS-journal“, „etcetera ppf“, „A + K“, „Ossietzky“ mit inhaltlichen Argumenten, z.B.

Begriffe Welt-Junta (warum Deutschland nicht abzieht)

Begriff exterministisch (s.o.)

http://www.afghanistanappell.de

Das wird alles ausführlich begründet im Afghanstan-Heft der kultuRRevolution (Klartext Verlag Essen: dort zu bestellen),

ausführlichere Argumente zu meinen Thesen außer in der Zeitschrift „kultuRRevolution“ auch in meinem blog Bangemachen.com

Schließlich ein Hinweis auf meinen Roman „Bangemachen gilt nicht auf der Suche nach der Roten Ruhr-Armee. Eine Vorerinnerung“, erschienen im assoverlag Oberhausen (über den Buchhandel). Dieser Roman schildert den „Öangen Marsch druch den Normalismus“ von „Achtundsechzigern“ im Ruhrgebiet – mit historischen Rückblicken und Vorausblicken ins 21. Jahrhundert. Ein Thema ist der „3. Versuch“ des deutschen „Verantwortungs-Trägers“, der ihn in Kriege in der 3. Welt verstrickt.


Montag 25.04.11, 18:12 Uhr

April-Plenum des Bochumer Sozialforums

Das Bochumer Sozialforum trifft sich wegen des Hasenfestes nicht wie gewöhnlich am letzten Montag im Monat, sondern ausnahmsweise am Dienstag, 26. April um 19.00 Uhr im Sozialen Zentrum (Josephstr.2 /Ecke Schmechtingstraße). Das Plenum ist – wie immer – offen für neue Aktive und Interessierte. Es geht um die Vorbereitung der Aktivitäten zum 1. Mai, aber auch um die Entwicklung beim Sozialticket und die weiteren Aktionen des Bündnisses für Arbeit und soziale Gerechtigkeit.


Montag 25.04.11, 10:05 Uhr

Jobcenter Bochum übt Staatsanwaltschaft

Von Rechtsanwalt Martin Reucher
Eine Zeitung mit großen Buchstaben und den noch größeren Bildern meldete vor Ostern sichtlich entsetzt, dass die ArbeitsARGEnturen im vergangenen Jahr häufig Strafen verhängen mussten. So sei zum Beispiel der arbeitslose M. aus Hamburg zu einem Gespräch ins Jobcenter beordert worden, aber ohne Entschuldigung ferngeblieben; ihm habe man Hartz IV für drei Monate komplett streichen müssen. mehr…


Sonntag 24.04.11, 22:00 Uhr

Krieg = perverse Normalität

Zum Abschluss der heutigen Ostermarschetappe im Bahnhof Langendreer stellte Prof. Jürgen Link (Foto) in seinem Vortrag die Frage, wie es möglich ist, dass die Menschen in unserer Gesellschaft einerseits zum weit überwiegenden Teil den Abzug des deutschen und verbündeten Militärs aus Afghanistan fordern, aber anderseits zu mehr als 90 Prozent der WählerInnen sich für Parteien entscheiden, die diesen Krieg befürworten. Als einen Grund hierfür nannte er die Strategie der Politik mit Hilfe der Medien Kriegsführung als Normalität darzustellen. Hierzu werden z. B. ganz systematisch die Kosten des Krieges verschwiegen. Bilder der zivilen Opfern des Krieges werden einfach nicht gezeigt. Auch die Traumatisierungen der Menschen durch Krieg werden nur am Beispiel der deutschen Soldaten problematisiert. Welche psychischen Folgen die Bombardierungen z. B. für afghanische Kinder bedeuten, wird in den Medien ausgeblendet. „Krieg kann nie Normalität sein.“, so Jürgen Link. Uns werde eine perverse Normalität dargestellt. Der mit viel Beifall und Lob bedachte Vortrag wird in Kürze an dieser Stelle veröffentlicht.


Sonntag 24.04.11, 20:32 Uhr
Ostermarschrede von Ulrich Sander, VVN-BdA in Wattenscheid

Für den Frieden und gegen Nazis

Der diesjährige Ostermarsch an Rhein und Ruhr unterscheide sich von denen in den 50 Jahren zuvor. Die Bewegungen gegen die Kernkraft und die gegen die Atomwaffen handeln erstmals wieder gemeinsam, seitdem es Anfang der 60er Jahre hieß: Kampf dem Atomtod. Das stellte Ulrich Sander (Foto), Bundessprecher der VVN-BdA und einer der Mitorganisatoren des ersten deutschen Ostermarsches von 1960 bei seiner heutigen Rede in Bochum-Wattenscheid fest. Er sprach sich auch dafür aus, die Antifa- und die Friedensbewegungen eng zu verzahnen. Damit wolle man heute anfangen, da es gegen die NPD gehe, die hier in Wattenscheid ein Hauptquartier besitze. Er forderte das Verbot der NPD und die Absage an den Rassismus a la Sarrazin. Die Rede von Uli Sander Im Wortlaut: mehr…