Archiv für den Monat: April 2014


Samstag 26.04.14, 20:30 Uhr

Geplante Obsoleszenz?!


Die Bochumer occupy-Gruppe hat heute mit einer Aktion in der Innenstadt auf die geplante Obsoleszenz also die gewollte „Veralterung“ von Produkten hingewiesen. In schwarzen Gewändern vor einer Reihe von Grabsteinen wurde um viel zu früh dahin geschiedene Geräte getrauert. Viele PassantInnen berichteten ihre Erlebnisse mit Geräten, deren frühzeitiger Verschleiß offensichtlich eingeplante war. Traurig waren die Aktiven von occupy vor allem über die häufige Bemerkung; Ja das mit dem gewollten Verschleiß kennen wir. Aber da kann man ja doch nichts machen.  Auf dem Flyer der Initiativen sind einige Vorschläge aufgezeigt, was einzelne machen können.


Samstag 26.04.14, 19:07 Uhr

Gegen die Gewaltbereitschaft der AfD

Der Antifa Klüngel Bochum berichtet über die heutige Kundgebung: »Am Samstag, den 26. April, fand unter dem Motto „AfD entwaffnen!“ eine antifaschistische Kundgebung auf dem Bochumer Husemannplatz statt. Hintergrund der Kundgebung war ein potentiell lebensgefährlicher Übergriff durch den stellvertretenden Sprecher der Bochumer AfD. Dieser bedrohte am 23. April einen Antifaschisten mit einer Schreckschusspistole. Trotz der kurzfristigen Mobilisierung demonstrierten 70 Personen gegen die rechtspopulistische Partei. Am vergangenen Mittwoch verfolgte der AfD-Kreisverbandssprecher Johannes Paul einen jungen Antifaschisten mit seinem Auto, drängte diesen ab und und bedrohte ihn dann mit einer Schusswaffe. mehr…


Samstag 26.04.14, 17:56 Uhr

Alternatives Ernährungssystem

Gemeinschaftsgarten Bochum macht auf die erste Veranstaltung im Rahmen des temporären Gemeinschaftsgartens Grüne Bühne aufmerksam. Am Dienstag, den 29. April um 19 Uhr referiert Alessa Heuser in der Goldkante, Alte Hattinger Straße 22 über das Thema: Unser heutiges Ernährungssystem – Ein marodes System ohne Veränderungspotenzial? In der Ankündigung heißt es: »Alessa Heuser wird an diesem Abend einen Überblick zu aktuellen Problemen und Herausforderungen des heutigen Ernährungssystems referieren. Sie zeigt Lösungsansätze für ein alternatives System auf. Dabei werden auch konkrete Beispiele auf lokaler Ebene genannt, die Bochumer Bürgerinnen und Bürger motivieren sollen, an einer zukunftsweisende Ernährungsdemokratie mitzuwirken.« Ein Flyer mit der Übersicht aller weiteren geplanten Veranstaltungen der grüne Bühne.


Samstag 26.04.14, 17:12 Uhr

Die Mayersche empfiehlt 1

Links: „Unser Tipp!“ in der Mayerschen an der Kortumstraße direkt im Eingangsbereich. Rechts: der passende Kommentar.


Samstag 26.04.14, 09:40 Uhr
AfD-Wahlkampfstand abgesagt

AfD-Sprecher Paul tritt zurück 1

Die AfD Bochum hat mitgeteilt, dass ihr Sprecher Paul von seinen Ämtern zurückgetreten ist. Er bleibt Kommunalwahlkandidat der AfD auf Platz 4 der Ratsliste. Paul hatte am Mittwochabend ein Pistole gezückt und durchgeladen, nachdem er jemanden verfolgt hatte, der die AfD beim Plakatieren beschimpft hatte. Siehe Meldung Antifaschist mit Waffe bedroht. Die AfD hat auch für heute ihren Wahlkampfstand abgesagt. Um 12. Uhr findet eine Demonstration auf dem Husemannplatz statt. Das Motto: „Die AfD entwaffnen“. Am 8. Mai tritt der AfD Bundesvorsitzende Lucke in der Wattenscheider Stadthalle auf. Das Bündnis gegen Rechts wird zu einer Gegenkundgebung um 18 Uhr vor der Stadthalle aufrufen.

 


Freitag 25.04.14, 21:12 Uhr

Protest gegen den Namen „Moltkemarkt“

Auf dem neu gestalteten Springerplatz findet seit einigen Monaten freitags ein Feierabendmarkt statt, den seine Initiatoren „Moltkemarkt“ nennen. So hieß der Platz bis 1947. Moltke war viele Jahre lang im Kaiserreich der führende Exponent des preußisch-deutschen Militarismus.  Das Bochumer Friedensplenum hat heute mit Flugblättern und Plakaten die MarktbesucherInnen über diese Hintergründe informiert. Der Hauptbetreiber des Marktes Herwig Niggemann redete Klartext. Er bestehe auf dem Namen Moltkemarkt. Wenn die Politik eine Änderung des Namens fordern würde, werde er seine Beteiligung an dem Markt einstellen. mehr…


Freitag 25.04.14, 17:36 Uhr

Die Linke unterstützt Demo gegen AfD

Die Linke Bochum unterstützt die Demonstration gegen die rechtspopulistische Partei AfD am Samstag, 26.April um 12.00 Uhr auf dem Husemannplatz in Bochum. „Es ist nicht hinnehmbar, dass ein führendes Bochumer AfD-Mitglied Antifaschisten mittels einer Gaspistole bedroht. Dieser Vorfall verweist auf den Charakter der AfD. Die AfD versucht mit rechtpopulistischen Parolen auf Stimmenfang zu gehen. Offiziell lehnt sie Gewalt ab, allerdings scheinen Mitglieder der AfD es als angemessen zu empfinden, Andersdenkende zu bedrohen. Die Entwicklung der AfD ist insgesamt besorgniserregend. Hetzer gegen Migrantinnen und Migranten geben inzwischen in der AfD den Ton an“, erklärt der Bochumer Spitzenkandidat der Linken für die Kommunalwahl Ralf D. Lange. mehr…


Donnerstag 24.04.14, 14:56 Uhr

Geplanter Verschleiß

Die Bochumer occupy Initiative trauert am Samstag, den 26.4. ab 11.00 Uhr an der Ecke Kortumstraße/Harmoniestraßein öffentlich um die viel zu früh von uns gegangenen Geräte und schreibt:  »Nicht nur bei billigen Produkten, sondern zunehmend auch bei teuren, stellen wir fest, dass die Lebensdauer enttäuschend kurz ist: Haushaltsgeräte, Fernseher, Telefone und Computer geben oft schon nach wenigen Jahren – oft kurz nach Ablauf der Garantie! – ihren Geist auf oder lassen sich aus anderen Gründen nicht mehr nutzen. Schlechte Arbeit? Billige Materialien? Schlechte Konstruktion? – Klar, das kann alles sein. Oft aber haben die Hersteller gerade von elektrischen und elektronischen Waren durchaus geplant, dass ihre Produkte nicht allzu lange halten und wir uns dann was Neues kaufen müssen. Das ist dann geplante Obsoleszenz (gewollte „Veralterung“ von Produkten). Mit der Aktion will die Occupy Initiative bewusst machen, dass Verschwendung in unserem Wirtschaftssystem eingeplant ist. Es sollen aber auch Perspektiven aufgezeigt werden, wie sich Menschen gegen diese Verschwendung wehren können. «


Donnerstag 24.04.14, 14:21 Uhr
Bochumer AfD-Funktionär lädt durch

Antifaschist mit Waffe bedroht

In einer Pressemitteilung berichtet der Antifa-Klüngel über den bewaffneten Übergriff eines AfD-Funktionärs auf einen politischen Kritiker: »Am Mittwoch wurde ein Gegner neonazistischer und rechtspopulistischer Parteien mit einer Schusswaffe bedroht. Die Bedrohung ereignete sich an der Universitätsstraße. Ein Mitglied der Alternative für Deutschland, das gerade zum Plakatieren unterwegs war, zog eine Pistole. Der Gegner von rechten Parteien war auf Höhe des Netto-Supermarktes zufällig auf eine Gruppe von Rechtspopulisten gestoßen und äußerte seinen Unmut gegen deren Wahlkampf. Daraufhin verfolgte der stellvertretende AfD-Kreisverbandssprecher Johannes Paul den fahrradfahrenden Antifaschisten mit seinem Auto bis zu einem nahegelegenen Parkplatz. Dort zwang der Rechtspopulist den Antifaschisten durch ein äußerst riskantes Fahrmanöver zum anhalten und bedrohte ihn mit einer Pistole, die er auch demonstrativ durchlud. Der Antifaschist ergriff daraufhin die Flucht mit dem Fahrrad. mehr…


Mittwoch 23.04.14, 17:07 Uhr

Aktion gegen den Namen Moltkemarkt

Das Bochumer Friedensplenum startet am kommenden Freitag, den 25. 4. um 16 Uhr eine Reihe von Aktionen gegen die Namensgebung des Feierabendmarktes auf dem Springerplatz. Hier findet seit einigen Monaten freitags ein Markt statt, den seine Initiatoren „Moltkemarkt“ nennen. Dieser Name missachtet einen Beschluss des Bochumer Stadtrates aus dem Jahr 1947, mit dem ein Zeichen gegen Militarismus und Faschismus gesetzt wurde. Vor dem Hintergrund zweier Weltkriege sollte der Name dieses Platzes nicht länger den preußischen Militaristen Moltke würdigen, sondern an den Bochumer Widerstandskämpfer Karl Springer erinnern, der von den Nazis ermordet worden ist. Die Gespräche des Friedensplenums mit den Geschäftsleuten, die den Markt betreiben und auch Initiativen an den Rat der Stadt waren bisher erfolglos. Das Friedensplenum will deshalb mit anderen Organisationen und Parteien in den nächsten Wochen die Besucherinnen und Besucher des Marktes über die Provokation der Geschäftsleute informieren, die den Namen Moltkemarkt wieder eingeführt haben.


Mittwoch 23.04.14, 16:11 Uhr

Kurdische Filmtage

Der Kurdische Studierendenverband YXK Bochum präsentiert vom 30. April bis zum 2. Mai Kurdische Filmtage an der Ruhr-Uni. In der Einladung heißt es: Viele RegisseurInnen beschäftigen sich seit den letzten Jahren mit der Aufarbeitung und Aufklärung der kurdischen Geschichte, der Kriegsverbrechen, der kurdische Sprache und Kultur. So wurden in den letzten Jahren dutzende kurdische Spielfilme und unzählige Kurz- und Dokumentarfilme gedreht. Der Filmdreh ist eine Kunstart, in der Gefühle und nackte Wahrheiten glasklar zum Ausdruck gebracht werden können. Wie lange noch die Kunst als grenzübergreifende Form der Utopie einer Lebensweise bestehen kann, wissen wir nicht. mehr…


Mittwoch 23.04.14, 15:45 Uhr

Zwangsarbeit in Bochum

Am Sonntag, den 27. April führt die Kuratorin Ursula Jennemann-Henke um 14 Uhr noch einmal zum Abschluss durch die Ausstellung „Zwangsarbeit in Bochum von 1939  bis 1945“ im Stadtarchiv.  Die Ausstellung war Teil im Rahmen der Gesamtschau „Bochum – das fremde und das eigene“. In der Einladung heißt es: »Mehr als 13 Millionen Menschen aus ganz Europa wurden während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Über 30.000 Männer, Frauen und Kinder waren es allein in Bochum. Eingesetzt wurden sie in fast allen Bereichen. Die Ausstellungseinheit dokumentiert die Zwangsarbeit in Bochum und geht dem Schicksal einzelner Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach.«


Mittwoch 23.04.14, 15:26 Uhr

Spielfilm „Sie nannten ihn Amigo“ 2

Das DDR-Kabinett-Bochum zeigt am Freitag, den 2. Mai um 19:00 Uhr im „Haus Lotz“,  Annastraße 25, den Spielfilm „Sie nannten ihn Amigo“. In der Einladung heißt es: »Eine antifaschistische Haltung war in der DDR Konsens, weshalb später in Westmedien oft auch die Rede vom „verordneten Antifaschismus“ war. Der Begriff „verordnet“ lässt im Kunstbereich auf Figurenklischees schließen, tatsächlich jedoch sind antifaschistische Filme aus der DDR künstlerisch oft sehr ambitioniert. In dem Spielfilm „Sie nannten ihn Amigo“ aus dem Jahr 1959 sind exemplarisch Stärken und Schwächen des antifaschistischen Genres vereint. mehr…


Dienstag 22.04.14, 21:29 Uhr

Dokumentarfilm über Veganismus

Am Montag, den 28. 4. zeigt das Endstation Kino um 19 Uhr Marc Pierschels Dokumentarfilm Live And Let Live. Rolf van Raden, freier Journalist und seit acht Jahren Veganer ist anschließend für ein Filmgespräch anwesend. mehr…


Dienstag 22.04.14, 20:29 Uhr

Entmilitarisierte Messe an der Ruhr-Uni

Auf der Webseite der „bonding Firmenkontaktmesse“ an der Ruhr-Uni ist in diesem Jahr unter den Rubriken „Aussteller“ und „Vorträge“ die Bundeswehr nicht mehr zu finden. In letzten Jahr war ein Vortrag der Bundeswehr auf Initiative des Protestplenums hin erfolgreich blockiert worden. Näheres.  Der Werbestand der Bundeswehr wurde anschließend für längere Zeit von DemonstrantInnen umringt.


Dienstag 22.04.14, 19:38 Uhr

Erzählcafé im Bahnhof Langendreer

Am Sonntag, den 27. 4., lädt der Bahnhof Langendreer um 15.00 ins Kino-Café zu seinem ersten Erzählcafé ein: »Bewohnerinnen und Bewohner aus Langendreer erzählen ihre Erinnerungen an die Zeit als der Bahnhof Langendreer wirklich noch ein Bahnhof war: Vom Bahnsteigkarten­kauf in der Halle über das Frikadellen-Essen im heutigen Kinosaal bis hin zu Straßenbahnfahr­ten, Ferngesprächen im Postamt oder dem geschäftigen Treiben im Hotel gegenüber. mehr…


Dienstag 22.04.14, 18:27 Uhr
Der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband lädt ein:

Widerstand gegen Merkels Krisenpolitik

Am Freitag, den 25. April findet auf der Brücke zwischen Uni-Center und Uni um 15 Uhr eine Veranstaltung des SDS statt. Der Titel lautet: Europa: Aufstieg von rechts und Widerstand gegen Merkels Krisenpolitik. In der Einladung heißt es: »Europa ist in der Krise. In Ländern wie Portugal, Spanien oder Griechenland grassiert die Armut. Allein in Griechenland liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50%, das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen und die Säuglingssterblichkeit um 43% gestiegen. Gleichzeitig sind in vielen Ländern Europas rechtsradikale oder faschistische Parteien auf dem Vormarsch. Rechte Kräfte versuchen aus der Not vieler Menschen Kapital zu schlagen. In Griechenland ist es die „Goldene Morgenröte“, in Frankreich die „Front National“, die in einigen Städten Umfragewerte von über 20% erhält. In Deutschland hat die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) innerhalb kurzer Zeit für Furore gesorgt und versucht nun ins Europäische Parlament einzuziehen. Die Gefahr ist groß, dass die AfD es schafft mit platten Argumenten ihren antisozialen Kern zu verschleiern und breite Bevölkerungsschichten für ihre menschenverachtenden Positionen zu begeistern. mehr…


Montag 21.04.14, 18:43 Uhr
Rede auf dem Ostermarsch Ruhr am 21. 4. 2014 in Bochum-Werne

Joachim Schramm, DFG-VK

„Kein Werben fürs Töten und Sterben!“

Liebe Freundinnen und Freunde,

in diesem Jahr werden wir bei verschiedenster Gelegenheit daran erinnert, dass vor 100 Jahren der I. Weltkrieg begann. Häufig wird auf die Begeisterung verwiesen, mit der die junge Männer in den Krieg zogen. Sie waren überzeugt, für eine gute Sache zu streiten, das Vaterland oder ihre Familien zu verteidigen. Der Liedermacher Hannes Wader hat schon in den 80er Jahren in seinem Lied „Es ist an der Zeit“ die passenden Worte zu dieser Begeisterung gefunden, wenn er im Angesicht des namenlosen Grabkreuzes in Frankreich singt: „Und auch Dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun“ Ja, sie tun es heute immer noch. Heute ist es nicht mehr das zu verteidigen Vaterland, heute sind es die Menschenrechte die es angeblich zu retten gilt oder der Schutz vor Terrorismus. Oder es ist ganz banal das Versprechen eines angeblich sicheren Jobs oder eines bezahlten Studiums, mit dem die Bundeswehr junge Männer und Frauen in ihre Reihen lockt. Dass man den Job mit der Bereitschaft bezahlt, im Kriegseinsatz andere Menschen zu töten oder selbst getötet zu werden, dass kommt in den Werbeblättern der Armee wenn nur ganz am Rande vor. In den Werbebroschüren sehen selbst die Bilder von Kriegseinsätzen eher so aus, als zeigten sie Szenen aus einem Abenteuercamp.

Mit dieser Art von Werbung zielt die Bundeswehr auf die Altersgruppen, die dafür empfänglich sind. Anfang dieses Jahres gab die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zu, dass allein 2012 die Armee 1.216 freiwillig Wehrdienstleistende und Zeitsoldaten unter 18 Jahren eingestellt habe. Allein im Juni 2013 habe es 48 Bewerber im Alter von sogar 16 Jahren gegeben, die bereits an einer Tauglichkeitsuntersuchung teilgenommen hätten, berichteten Zeitungen. Von Unrechtsbewusstsein ist bei der Regierung keine Spur, obwohl sie 2004 das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention ratifizierte, dass die Rekrutierung von Minderjährigen verhindern soll. Leider konnte die UN sich nicht auf eine Vereinbarung einigen, die prinzipiell die Einberufung von unter 18-Jährigen untersagt. Dies gilt heute nur für nichtstaatliche Truppen, während staatliche Armeen unter 18-Jährige auf freiwilliger Basis aufnehmen dürfen. Allerdings wurden zum Schutz dieser Freiwilligkeit weit reichende Schutzbestimmungen erlassen. Dies soll regelmäßig überprüft werden. Der dafür zuständige UN-Ausschuss hat die Bundesregierung zuletzt 2008 dazu aufgefordert, sich dem Beispiel der 150 Unterzeichnerstaaten anzuschließen, und von sich aus auch keine Freiwilligen unter 18 Jahren einzuziehen. Doch dem verweigert sich die Bundesregierung bis heute. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten wirft in seinem „Schattenbericht 2013“ der Bundesregierung zudem vor, wichtige Aspekte der Freiwilligkeit zu vernachlässigen. So könnten lediglich die freiwillig Wehrdienst-leistenden und die auch nur in den ersten sechs Monaten problemlos ihren Dienst quittieren. Eine wirkliche Freiwilligkeit müsste aber beinhalten, dass unter 18-Jährige (egal ob freiwillig Wehrdienst-leistende oder Zeitsoldaten) jederzeit ihren Dienst quittieren können. Auf der Homepage des Auswärtigen Amtes brüstet sich die Bundesregierung „Deutschland setzt sich weltweit für die Umsetzung des Zusatzprotokolls zu Kindern in bewaffneten Konflikten ein“. Die Realität sagt etwas ganz anderes.

Die neue Militärministerin von der Leyen tat Anfang des Jahres so, als sei ihr die Dimension des Problems gar nicht bewusst. Eigentlich ist Unterzeichnung des Zusatzprotokolls durch die Bundesregierung ja eine deutliche Bestätigung dafür, dass die Tätigkeit bei der Bundeswehr als etwas besonderes angesehen wird und Minderjährige hier besonders geschützt werden müssen. Dennoch tut die Ministerin so, als könne sie die Aufregung um die hohe Zahl der Minderjährigen in der Armee gar nicht verstehen. „Wir wollen die besten jungen Frauen und Männer der jeweiligen Jahrgänge gewinnen. (…) Wie in allen anderen Ausbildungsberufen auch können junge Menschen ab 17 bei uns anfangen.“ (Focus online, 25.01.14). Allerdings werden in anderen Ausbildungsberufen Jugendliche nicht dazu ausgebildet, zur Erreichung ihres Berufsziels andere Menschen zu töten. Selbst die hier gerne als Entschuldigung herangezogenen Polizisten dürfen nur zum Schutz ihrer eigenen Person oder anderer in Notwehr/Nothilfe Waffen benutzen. Bei der Armee ist das Töten jedoch unabhängig von der konkreten Gefährdung zur Erreichung taktischer Ziel normaler Alltag, wie der Bombenangriff auf die Kundus-Tanklaster drastisch bewiesen hat. Angesichts des fortbestehenden Nachwuchsbedarfs der Bundeswehr und angesichts der Tatsache, dass durch das G8-Abitur vermehrt Minderjährige ihr Abitur erreichen, droht die Zahl der Minderjährigen bei der Bundeswehr weiter zu wachsen.

Die Werbeoffensive der Armee insgesamt hat breite Proteste hervorgerufen. Jugendverbände, Schüler-vertretungen, die Gewerkschaft GEW und viele Organisationen der Friedens- und antimilitaristischen Bewegung haben sich gegen die Bundeswehr an den Schulen ausgesprochen. Mit phantasievollen Aktionen stellen sich Aktivisten immer wieder der Bundeswehr in den Weg, wenn sie mit ihren Info-trucks und smarten Karriereberatern vor den Schulen oder auf speziellen Berufsbildungsmessen auftauchen. Und diese Proteste und auch die Tatsache, dass eine öffentlich Diskussion um die Ziele dieser Werbemaßnahmen entstanden ist, hat Politiker und Militärs nervös gemacht. Medien-kampagnen, in den die Armee und die Soldaten als bemitleidenswerte Aussätzige in einer pazifis-tischen Gesellschaft dargestellt wurden, sollten Stimmung machen. „Warum verachtet ihr uns Soldaten so?“, titelte die „Zeit“ dramatisch vor einem halben Jahr. Und die Große Koalition meinte nicht darum herumzukommen, im Koalitionsvertrag erstmalig festzuhalten “ Die Jugendoffiziere leisten eine wichtige Arbeit bei der Information über den Auftrag der Bundeswehr. Wir begrüßen es, wenn möglichst viele Bildungsinstitutionen von diesem Angebot Gebrauch machen. Der Zugang der Bundeswehr zu Schulen, Hochschulen, Ausbildungsmessen und ähnlichen Foren ist für uns selbstverständlich.“

Ich stelle fest: Der Widerstand gegen die versuchte Militarisierung der Gesellschaft, gegen die Einflussnahme der Armee auf unsere Schulen, dieser Widerstand trifft die militärbegeisterte Politiker und die Bundeswehrgeneräle. Denn sonst wären solche Stellungnahmen nicht notwendig. Und wir können ihnen versprechen: Wir machen weiter! Wir werden weiter gegen die Bundeswehr auf Berufsbildungsmessen protestieren wie hier im Bochum gegen die jährliche Messe im Ruhrcongress. Im letzten September mussten hier selbst Ratsvertreter der Halle verwiesen werden, als sie gegen die Bundeswehr protestierten. Pikanterweise war der Veranstalter das Jugendamt der Stadt Bochum, das hier gegen gewählte Volksvertreter vorging.

Und wir werden die SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern unterstützen, die von ihren schulischen Rechten Gebrauch machen und Nein zu Bundeswehrbesuchen machen. „Unsere Schule fördert auf Grund ihrer Leitsätze und ihres Leitbildes die Entwicklung einer Friedensgesinnung der Schülerinnen und Schüler. Deshalb lehnt die Schule die Zusammenarbeit mit und Besuche von der Bundeswehr ab.“ So beschloss es im letzten Jahr eine von insgesamt drei Schulen in Solingen. Und Anfang diesen Jahres ist nun auch eine Schule in Bochum hinzugekommen. Die Willy-Brandt-Gesamtschule hat auf ihrer Schulkonferenz beschlossen, „dass Bundeswehrangehörige dort künftig nicht mehr auf dem Schulgelände oder im Unterricht für Ausbildungsberufe bei der Bundeswehr werben dürfen.“ Die Kollegen von der GEW Bochum haben dies zu Recht begrüßt und die weiterführenden Schulen der Stadt aufgefordert, dem Beispiel der Willy-Brandt-Gesamtschule zu folgen. Dieser Aufforderung schließen wir uns ausdrücklich an!

Im Bündnis „Schule ohne Bundeswehr NRW“ haben sich Schülervertretungen, Jugendorganisationen, Gewerkschaften sowie Friedens- und antimilitaristische Gruppen zusammengeschlossen, um gemein-sam gegen die Bundeswehr-Werbung vorzugehen. Unsere Aktuelle Kampagne „Schulen ohne Militär“ unterstützt und ermutigt Schulen in NRW, Nein zu sagen zu den Armeevertretern im Schulgebäude.

„Und Du hast Ihnen alles gegeben, Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben!“ So hat Hannes Wader weiter gedichtet. Heute geben wieder junge Menschen ihr Leben. 55 Bundeswehr-Soldaten sind in Afghanistan gestorben, 103 insgesamt seid Ende des Kalten Krieges. Nun kann man sagen, jeder ist selbst verantwortlich, wenn er oder sie Soldat wird. Doch ich sage: verantwortlich ist eine Politik und eine Militärführung, die zunächst unter Ausnutzung sozialer und wirtschaftlicher Nöte und unter Beschönigung des Soldatentums junge Menschen in die Armee lockt, um sie dann in Kriegseinsätze zu schicken, die nur dazu dienen, strategische und wirtschaftliche Ziele der deutschen Eliten zu erreichen. Daran werden wir uns nicht gewöhnen, dass werden wir nicht als gesellschaftliche Normalität akzeptieren, nicht heute und nicht in Zukunft! Wir werden dagegen Protest und Widerstand organi-sieren und die Menschen unterstützen, die in Schulen, an Arbeitsagenturen oder auf Berufsbildungs-messen Nein sagen zu den Werbekampagnen der Bundeswehr!

Kein Werben fürs Töten und Sterben!