Freitag 20.02.26, 19:30 Uhr

Selten sind rassistische Strukturen so offen und so deutlich sichtbar geworden


Die Stabsstelle Integration der Stadtverwaltung und mehrere Organisationen hatten gestern zu einer Gedenkveranstaltung im Bermuda Dreieck zum 6. Jahrestag des rassistischen Anschlags in Hanau aufgerufen. Mehrere Redner:innen mahnten, wie tödlich Rassismus ist. Hieran erinnerte auch das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Heinrich Böll Gesamtschule zum Abschluss der Kundgebung (Foto).

„Das ist keine Floskel. Das ist die Realität“, erklärte Nagea Belekhrif: „Und wir müssen über Ibrahim Akkuş sprechen. Er war 70 Jahre alt, als er am 10. Januar dieses Jahres gestorben ist. Er hat den Anschlag in der Arena-Bar schwer verletzt überlebt – aber nur dem Namen nach. Acht Schüsse trafen ihn in jener Nacht. Monatelang Krankenhaus, unzählige Operationen, dann der Rollstuhl. Das Grauen der Tat und die Ungerechtigkeit, die er erlebte, ließen ihn nie los. Ibrahim Akkuş ist das zehnte Todesopfer von Hanau. Sein Tod ist der endgültige Beweis: Rassismus tötet – manchmal sofort, manchmal langsam, aber er tötet.“

Neben dem Gedenken an die Opfer stand im Mittelpunkt der Kundgebung die Feststellung, dass Rassismus in unserer Gesellschaft individualisiert, verharmlost und normalisiert wird und wie Batikağan Pulat es formulierte: „Rassismus hat in der Geschichte der Bundesrepublik eine Kontinuität.“
Cansin Köktürk: „Dieser Anschlag war das Ergebnis eines Klimas in dem struktureller Rassismus absichtlich ignoriert wird.“ Rosaria Vaccaro: „Selten sind rassistische Strukturen in Polizei und Behörden so offen und so deutlich sichtbar geworden, wie im Zusammenhang mit dem 19. Februar. Wir erleben, wie Rassismus mehr und mehr normalisiert wird, und wie er auch von Polizei und Behörden offen ausgeht.“ Marta Tas: „Solche Taten passieren nicht über Nacht. Hinter ihnen stehen Ideologien und Strukturen, die über Jahre normalisiert wurden, weil man weggeschaut und relativiert hat.“ Serdar Yüksel: „Die große Gewalt von Hanau war schockierend. Aber sie fiel nicht aus dem Himmel. Sie wächst dort, wo Worte normal werden. Wo Abwertung Alltag wird. Wo Menschen zu Kategorien werden.“

Miman Jasharovski mahnte, dass Hanau wirklich überall ist: „Wisst Ihr, was ganz in der Nähe ist?“ Er zählte aktuelle Beispiele rassistischer Gewalt in Dormagen, Dortmund, Krefeld und Solingen auf.

Fazit: Die Stabsstelle Integration hat eine mutige Veranstaltung mit guten Reden organisiert. Aus Sicht der meisten Initiativen sollten in Zukunft die Mehrheit der Redner:innen keine Parlamentarierer:innen und Funktionsträger:innen von Parteien sein. Wenn es erneut gelingt, ein Mitglied der Mehrheitsfraktionen im Bundestags zur Teilnahme zu gewinnen, dann sollte es Rede und Antwort stehen für die rassistischen Gesetze, die es mitträgt.

Dokumentation der Redebeiträge:
Redebeitrag von Rosaria Vaccaro
Redebeitrag von Batikağan Pulat
Redebeitrag von Serdar Yüksel
Redebeitrag von Nagea Belekhrif
Redebeitrag von Marta Tas
Redebeitrag von Agir Mustafa Birhimeoglu
Redebeitrag von Miman Jasharovski
Redebeitrag von Cansin Köktürk