Liebe Freund:innen, liebe Bochumer:innen,
wir stehen heute hier – sechs Jahre nach dem 19. Februar 2020. Wir stehen hier, weil wir nicht vergessen. Wir stehen hier, weil wir trauern. Und wir stehen hier, weil wir wütend sind.
Sechs Jahre ist es her, dass in Hanau neun Menschen – Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin – aus rassistischen Motiven ermordet wurden. Es waren unsere Brüder, unsere Schwestern, unsere Freunde. Sie wurden ermordet, weil ein Rassist sie nicht als Teil dieser Gesellschaft sah.
Dieser Tag führt uns schmerzhaft vor Augen, wie verletzlich Freiheit, Sicherheit und Würde sind. Er erinnert uns daran, dass Hass, Rassismus und Antisemitismus keinen Platz in unserer Mitte haben dürfen. Doch er erinnert uns ebenso daran, dass wir gemeinsam stärker sind als die Kräfte der Spaltung.
Wir stehen heute nicht hier, um zu verstummen, sondern um laut zu sein: mit der Stimme der Solidarität, der Zivilcourage und der kompromisslosen Aufklärung. Wir wollen Räume schaffen, in denen Vielfalt gelebt wird und in denen sich jede und jeder sicher fühlen kann – unabhängig von Herkunft, Religion oder Überzeugung.
Lasst uns heute innehalten und uns fragen: Was können wir konkret tun, damit sich eine solche Tat niemals wiederholt? Wie können Bildung und Dialog dazu beitragen, Radikalisierung frühzeitig zu erkennen? Wie können unsere Schulen, Vereine und Nachbarschaften hier in Bochum enger zusammenarbeiten, um Vertrauen zu stärken und Vorurteile abzubauen?
Unser Engagement darf nicht mit dem Ende dieser Veranstaltung aufhören. Es muss in Taten münden:
• In Bildungsangebote, die sensibilisieren.
• In echte Solidarität mit den Betroffenen.
• In einen mutigen Dialog zwischen allen Teilen unserer Stadt.
• In klare Kante gegen jede Form von Diskriminierung.
Als Teil der migrantischen Community und der antirassistischen Bewegung sagen wir heute in Bochum ganz deutlich: Hanau ist überall. Hanau ist keine ferne Erinnerung, sondern Teil unserer täglichen Realität.
Wir erleben Rassismus im Alltag – an der Bushaltestelle in Wattenscheid, bei der Wohnungssuche, in der Schule oder im Kontakt mit Behörden. Die Tat von Hanau war die tödliche Konsequenz einer Gesellschaft, die Rassismus viel zu lange verharmlost hat.
Wir denken heute besonders an die Angehörigen, die unermüdlich für Aufklärung, Gerechtigkeit und Konsequenzen kämpfen. Ihr Kampf ist unser Kampf. Wir stehen fest an eurer Seite.
Wir fordern hier in Bochum und überall:
1. Lückenlose Aufklärung: Die Versäumnisse der Behörden dürfen nicht länger verschwiegen werden.
2. Konsequenzen: Rassismus muss als das benannt werden, was er ist – eine tödliche Bedrohung und Krankheit, keine „Meinung“.
3. Sichtbares Erinnern: Die Namen der Opfer gehören in das Gedächtnis unserer Stadtgesellschaft! Sie sind ein Teil von uns!
4. Unverzüglich benötigen wir ein LADG in NRW!
Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir sind hier, wir sind Bochumer, wir sind Gesellschaft, wir sind Teil dieses Landes. Rassismus tötet – aber unser Widerstand lebt.
Niemand ist vergessen. Wir gedenken der Opfer. Hanau ist überall. Say their names!
Ferhat, Hamza, Said, Vili, Mercedes, Kaloyan, Fatih, Sedat, Gökhan.
Mögen sie in Frieden ruhen.
Vielen Dank
Bonem e.V. / Selhe e.V.