Liebe Menschen,
Wir erinnern heute an den rassistischen Terroranschlag in Hanau am 19. Februar 2020. Neun junge Menschen wurden ermordet und ein weiterer Mensch ist an den Spätfolgen verstorben.
Ihre Namen sind kein Echo der Vergangenheit. Sie sind Gegenwart. Und sie sind Verpflichtung endlich zu handeln.
Als migrantische Frau im Bundestag blicke ich in diese armseligen, hasserfüllten Gesichter der Faschisten im Parlament, die rassistische Gewalt offen ausleben und trotzdem dort sitzen.
Das ist keine abstrakte Bedrohung. Das ist politische Realität, mit der wir jeden Tag konfrontiert sind. Dieser Anschlag war das Ergebnis eines Klimas, in dem struktureller Rassismus absichtlich ignoriert wird. In dem Behörden versagen. In dem rechte Ideologien verharmlost und normalisiert werden.
Wie viele Kerzen müssen wir noch anzünden?
Wie viele Mütter müssen noch ihre Kinder beerdigen, bevor dieses Land begreift, dass Rassismus kein Randproblem ist?
Es reicht, dass wir immer noch erklären müssen, dass unser Leben zählt.
Es reicht, dass Deutschland als Täterland immer noch nicht begreift, dass es dem bindenden antifaschistischen Auftrag im Grundgesetz, endlich gerecht werden muss.
Sie haben die Warnzeichen ignoriert. Sie haben rechte Gewalt jahrelang als „Einzelfälle“ bezeichnet.
Wer gibt sich das Recht, Menschen nach Hautfarbe, Namen oder Religion auszusortieren? Und warum wird das als „Debatte“ geführt – statt als das benannt, was es ist: eine faschistische Drohung?
Die sogenannte Stadtbild Aussage eines inkompetenten und unmenschlichen Kanzlers hat gezeigt, wie schnell Narrative verschoben werden können.
Erinnerung darf nicht relativieren. Sie darf nicht glätten. Sie muss klar sagen: Es war rechter Terror. Es war Rassismus. Und er hat System.
Der Faschismus wächst in Talkshows, auf Straßen und In Parlamenten und Hanau ist die blutige Konsequenz dieser eiskalten absichtlichen Ignoranz.
Der Täter wollte Hass säen. Doch was hier wächst, ist Solidarität. Und das ist unsere stärkste Waffe.
Guckt euch das an. Wir sind viele. Unsere Antwort darauf ist klar: Wir lassen uns nicht einschüchtern.
Wir haben keine Geduld mehr für falsche Neutralität.
Keine Geduld mehr für Menschen, die sich nicht klar Antifaschisten nennen können. Es gibt keine zwei Seiten, wenn Menschen ermordet werden,
Wir werden nicht leiser. Wir stehen bis zum Lebensende für Menschlichkeit grade.
Ihr wollt Angst? Wir bringen Solidarität.
Ihr wollt Hass? Wir bringen Zusammenhalt.
Ihr wollt Ausgrenzung? Wir organisieren uns.
Und deshalb sage ich euch heute, laut und unmissverständlich:
Wir sind hier. Wir bleiben hier. Und am Ende – trotz allem – ist unsere Liebe stärker als ihr Hass.