Samstag 21.02.26, 01:49 Uhr
Gedenkveranstaltung zum 6. Jahrestags des rassistischen Anschlags in Hanau

Redebeitrag von Rosaria Vaccaro


Liebe Freundinnen und Freunde,

ich begrüße euch heute, am 19. Februar 2026, im Namen der DIDF Jugend.
Heute jährt sich das Attentat vom 19. Februar 2020 zum sechsten Mal. Ein Rechtsterrorist ermordete in Hanau:
Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili Viorel Paun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Ibrahim Akkuş, der an dem Tag auch zu den Opfern gehörte, starb an den Spätfolgen der Verletzungen, die der Täter ihm zufügte.

Sie wurden aus rassistischen Motiven getötet. Seit sechs Jahren kämpfen die Angehörigen und viele Zehntausende Menschen in Hanau und in ganz Deutschland für Aufklärung und Konsequenzen. Sechs Jahre lang haben wir diesen Prozess begleitet. In unseren Städten haben wir den Protest wieder und wieder auf die Straßen getragen – so wie heute auch. Und seit sechs Jahren warten wir noch immer auf eine vollständige Aufklärung und auf echte Konsequenzen.

Selten sind rassistische Strukturen in Polizei und Behörden so offen und so deutlich sichtbar geworden, wie im Zusammenhang mit dem 19. Februar. Doch verändert hat sich kaum etwas.

Die Polizei hat in dieser Nacht nicht einfach nur versagt; rechte Netzwerke in der Polizei, anonyme Drohschreiben aus Revieren und immer wieder Gewalt bis hin zu tödlichen Angriffen auf migrantische Jugendliche zeigen: Das sind keine Einzelfälle! Im Gegenteil!

Wir erleben, wie Rassismus mehr und mehr normalisiert wird, und wie er auch von Polizei und Behörden offen ausgeht.

Nun fordert die AfD in Bayern sogar eine eigene Sonderpolizei, die sich vor allem um Abschiebungen und um eine Ausgangssperre für Asylsuchende kümmern soll. Sie sagen selbst, dass die ICE-Behörde in den USA ihr Vorbild ist – also eine Behörde, die mit brutaler Gewalt Jagd auf Menschen ohne Aufenthaltstitel macht und sogar kritische Stimmen auf offener Straße erschossen hat. Gleichzeitig werden die Befugnisse von Polizei und Staat ständig erweitert. Immer mehr Überwachung, immer mehr Kontrolle. Dabei sehen wir doch schon heute überall Kameras, Mannschaftswagen und Polizei an Polizei. Es heißt, das alles diene unserer Sicherheit. Aber wir wissen genau, gegen wen sich diese Kontrollen und Maßnahmen in erster Linie richten.

Was wir brauchen, ist nicht noch mehr rassistische Gewalt und Schikanen durch die Polizei. Was wir brauchen, ist soziale Sicherheit und die Perspektive auf ein gutes Leben in diesem Land – für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ohne Ausgrenzung und ohne Diskriminierung. Dafür stehen wir zusammen. Und dieser Kampf richtet sich nicht nur gegen die AfD. Denn nicht nur sie, sondern auch die Politik der Bundesregierung treibt Nationalismus und Rassismus voran.

Eine neue Stufe war erreicht, als der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, „man müsse endlich im großen Stil abschieben.“ In der Folge wurden Mitschüler, Kollegen, Kommilitonen und Freunde massenhaft abgeschoben.

Heute spricht Bundeskanzler Friedrich Merz von Problemen im „Stadtbild“ und tut so, als seien Migranten eine Gefahr für die „Töchter“ Deutschlands. Diese Angst und diese Ablehnung werden gezielt geschürt.

Wenn wir unsere Miete kaum noch zahlen können, wenn wir im Supermarkt immer zum Billigsten greifen müssen und wenn zugleich verlangt wird, dass wir noch mehr arbeiten, während die Chefs großer Banken und Konzerne ihre Vermögen weiter steigern, dann zeigen sie auf Migranten. Sie werden zu Sündenböcken für Probleme gemacht, die diese Politik selbst verursacht hat. Wir sollen uns spalten und gegeneinander kämpfen, statt uns gemeinsam gegen diese Zustände zu wehren.

Genau diese Politik schafft auch den Boden, auf dem rechter Terror wachsen kann. Kurz vor der Tat von Hanau sah sich der Täter eine Rede der AfD an, um sich zu bestärken. In diesem rassistischen Klima wurden zehn unschuldige Menschen ermordet. Darum müssen wir den heutigen Tag nutzen, um weiter Aufklärung und Konsequenzen zu fordern und gleichzeitig diese Politik und die Interessen dahinter klar zu benennen. Wir stellen uns gegen Faschisten und Rassisten, die unser Zusammenleben vergiften wollen. Und wir stellen uns gegen diejenigen Politiker und Medien, die mit ihrer Politik und nationalistischer Propaganda den Boden dafür bereitet haben!

Und wir wenden uns auch gegen die Versuche das Gedenken zu entpolitisieren. Der Versuch verhindert, dass der 19. Februar ein Aktionstag gegen rechten Terror ist – für die Opfer in Hanau und für die Opfer aller rechten Anschläge, und gegen eine Politik, die so etwas ermöglicht.

Deshalb, liebe Freundinnen und Freunde: Lasst uns zusammenstehen. Lasst uns die Ursachen dieser und möglicher weiterer Angriffe klar benennen. Und lasst uns deutlich sagen: Wir werden nicht zulassen, dass rechte Terroristen und ihre Helfer und Helfershelfer in Politik und Medien uns spalten. Wir stehen gemeinsam für ein gutes und sicheres Leben für alle Menschen in diesem Land – heute am 19. Februar und an jedem anderen Tag des Jahres.

Gemeinsam sind wir stark!