Am gestrigen Samstagmittag liefen musizierende Menschen vom Hauptbahnhof, vom Bermuda-Dreieck und von der Drehscheibe zum Husemannplatz, um als Lebenslaute ihr Abschlusskonzert in Bochum zu geben. Lebenslaute gibt es seit 1986. Einmal im Jahr treffen sie sich, um an Unrechtsorten mit ihren konzertanten Auftritten für Aufmerksamkeit und Empörung zu sorgen. Diesmal war die Zentrale von Vonovia in Bochum ihr Ort und ihr Motto lautete „Viva la Musica – Enteignet Vonovia“.
Der Bochum Kulturdezernent Diekmann hatte einen bereits fest vereinbarten Auftritt im Bochumer Kunstmuseum verboten. Darauf ging die Sprecherin von Lebenslaute zur Begrüßung auch ein. Sie bedankte sich für die sehr gelungene Öffentlichkeitswirkung, die die Stadt mit ihrem Verbot erreicht hat.
Die Sprecherin des Bochumer Chors Chorrosion ergänzte: „Seit wann, Herr Diekmann, darf man in diesem Land, Unternehmen nicht mehr öffentlich kritisieren? Seit wann wird Kritik als Beleidigung und Diffamierung verunglimpft? Ich möchte einmal feststellen: Einen Kulturdezernenten, der Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit mit Füßen tritt, statt sie zu verteidigen, braucht kein Mensch. Da wäre der vorzeitige Ruhestand doch eine Win-win-Situation für alle Seiten.“ Das vollständige Redescript.
Im Redebeitrag von Attac wurde erläutert, warum die Zentrale von Vonovia zwangsläufig ein Unrechtsort sein muss: „Speziell finanzmarktgetriebene Wohnungsunternehmen können gar keinen preiswerten Wohnraum anbieten, weil sie in erster Linie den Renditehunger ihrer Aktionäre befriedigen müssen. Man muss also, wenn man preiswerten Wohnraum braucht, einen Wohnungssektor haben, der der Marktlogik entzogen ist.“ Das vollständige Redescript.
In der Rede von Stadt für Alle wurde dies bekräftigt: „Der Anteil der wenigen Sozialwohnungen schrumpft weiter. Ohnehin ist das System des Sozialen Wohnungsbaus mit nur temporärer Mietpreisbindung vor der Umwandlung der Wohnungen in eine öffentlich geförderte aber private Geldmaschine nicht nachhaltig.“ Das vollständige Redescript.
Die Rednerin des Netzwerks Frauen*Salon machte deutlich, dass Wohnungslosigkeit ein systemisches Problem ist und kein persönliches Versagen.
„Wir fordern daher unter anderem:
▶ ein bedingungsloses Recht auf Wohnen.
▶ keine Rendite mit der Miete
▶ die Wiedereinführung der Wohngemeinnützigkeit.“
Das vollständige Redescript.
Am Ende der Veranstaltung stimmten Chor, Orchester und Zuhörer:innen den Kanon an: „Viva, viva la Musica – enteignet Vonovia“












