Sonntag 09.08.26, 22:24 Uhr
Musikalische Kundgebung von Lebenlaute am 8. August 2026 in Bochu

Redebeitrag vom Netzwerk Frauen*Salon


Hallo Alle,
was wohungslosigkeitserfahrene Menschen vor allem fordern, sind Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen. Und zwar bezahlbare, in ordentlichem Zustand und nicht am Rande der Gesellschaft, sondern mittendrin, in gemischten, bunten und solidarischen Quartieren.
Und wir fragen uns, wie es sein kann, dass immer mehr und rigoroser in den sozialen Bereichen Geld eingespart wird und weiter werden soll, während ein paar wenige Eliten ihren Wohlstand immer weiter anhäufen.

Wo ist da die Logik? Wo ist da die Vernunft? Wo ist das soziale Denken für diesen Staat abgeblieben? Für unsere Gemeinschaft?

Für uns alle wird es auf dem Wohnungsmarkt immer enger. Mieten sind zügig gestiegen und seltsamerweise Wohnraum genauso zügig verschwunden.

Es gibt enorme Leerstände, nicht nur bei Wohnungen. Auch in vielen Innenstädten stehen Geschäftsräume monatelang leer, weil Eigentümer sich lieber den Stress mit der Vermietung sparen und um gleichzeitig den Wert ihrer Immobilie in die Höhe treiben können – durch diese künstliche Verknappung.

Und wer es wagt, Wohnungen mit sozialverträglichen günstigen Mieten anzubieten, wird steuerlich stark benachteiligt, weil er/sie den Renditevermietenden die Mietpreise verdirbt.

Was für eine Regierung regelt und unterstützt sowas?

Ich bin Karen aus Lübeck.

Der Frauen*salon ist ein bundesweites Netzwerk wohnungslosigkeitserfahrener Frauen und deren UnterstützerInnen und Teil des Netzwerks der Wohnungslosen-Stiftung Berlin.

Als Erfahrungsexpertinnen halten wir es für einen wichtigen Schritt, dass das Recht auf Wohnen im GG verankert wird, da Menschenwürde nicht verhandelbar sein darf. Menschenwürde muss man sich nicht verdienen.

Wir blicken mit großer Besorgnis auf die stetig steigenden Zahlen von Menschen, die ihre Wohnungen verlieren. Dadurch entstehen ernsthafte

Notlagen und wir haben kein Verständnis dafür, dass diese Tatsache seitens der Politik eher hingenommen wird als es aktiv & gesetzlich zu unterbinden.

*BK Merz sagte: „Es wird in Deutschland niemand obdachlos. Jeder, der eine Wohnung oder ein Dach über dem Kopf braucht, bekommt ein Dach über dem Kopf.“
(09.10.2025 • 19:02 Uhr min 3:28 https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-interview-102.html?utm_source=chatgpt.com)

Okay, unter einer Brücke hat man auch ein Dach über’m Kopf. Nur die Wände fehlen.

Die bestehenden Notunterkünfte stellen keinen angemessenen Raum zum selbstbestimmten & angstfreien Wohnen dar, denn ein bloßes Bett ist kein Zuhause.

In Unterkünften fehlen Sicherheit, Privatsphäre und Selbstbestimmung. Alltag bedeutet Überfüllung, Krankheiten, fehlende Ruhe zur Genesung, Diebstahl, Kontrolle, soziale Ausgrenzung und Einsamkeit.

Unsichere Wohnverhältnisse schädigen langfristig besonders Kinder, sodass gerade Familien besonderen Schutz brauchen.
Wohnungslosigkeit ist ein systemisches Problem, und kein persönliches Versagen.
Wir fordern daher unter anderem:

  • ein bedingungsloses Recht auf Wohnen.
  • keine Rendite mit der Miete
  • die Wiedereinführung der Wohngemeinnützigkeit.

Vielen Dank an die Lebenslaute für Eure Einladung, heute hier mitzuwirken und sprechen zu dürfen. Uns verbindet der Kampf gegen die Wohnungsnot, für soziale Gerechtigkeit und ein Solidarisches Miteinander. Wir freuen uns, unsere Expertise und Perspektiven ergänzend mit einbringen zu können.

Wir werden oft übersehen und selten angehört. Es gibt Momente in denen wir uns klein, unsicher und wertlos wie ein Bröckchen fühlen, ein winzig kleiner Stein.

Schon mal ein Steinchen im Schuh gehabt.

PS: Weitere Informationen über uns findet Ihr auch hier:
https://wohnen-statt-unterbringung.de/angebote/wohnungslosen-stiftung/frauensalon
https://wohnungslosenstiftung.org