Sonntag 18.01.26, 10:40 Uhr
Umweltausschuss

Wegducken beim Böllerverbot 3


Mit einem Antrag im Umweltausschuss am 15.01.2025 regte Nadja Zein-Draeger, Mitglied der Ratsgruppe Stadtgestalter/Volt an, das Zünden von Knallkörpern zu Silvester in Bochum weiträumig zu untersagen. Die Ratsgruppe schreibt: »„Der Umweltausschuss hat sich beim Thema Böllerverbot ‚weggeduckt‘ und den schwarzen Peter alleine an die Bundesebene weitergeschoben,“ kritisiert Antragstellerin Zein-Draeger.

„Ohne Frage wäre es wünschenswert, dass der Bundestag eine entsprechende Regelung für ganz Deutschland trifft, aber auch die Stadt Bochum hat rechtliche Möglichkeiten, zumindest das Zünden von Böllern mit ausschließlicher Geräuschwirkung umfänglich zu untersagen. Die Sprengverordnung bietet dazu die Grundlage in dicht besiedelten Gebieten. Die Sorge, hier könnte es zu einem Flickenteppich kommen, ist nicht erwartbar, schließlich sind die meisten Flächen in Bochum dicht besiedelt“, so Zein-Draeger. Gerade die Parteien, die im Bochumer Umweltausschuss auf die Bundesebene verweisen, schafften es dort seit Jahren nicht, eine Umsetzung zu erreichen, so Stadtgestalter/Volt .

Der Hinweis, die Einsatzzahl sei dieses Jahr auf dem Niveau des letzten Jahres, ist nach Ansicht der Ratsgruppe Schönfärberei. „Auch letztes Jahr zu Silvester war die Einsatzbelastung sehr hoch weil Silvester ja ohnehin kein normaler Tag ist“, sagt Zein-Draeger. In der Silvesternacht und am Neujahrstag wurden zehn schwerverletzte Patientinnen und Patienten mit Explosionstraumata, Verbrennungen und Amputationsverletzungen allein in die Notaufnahme des Bergmannsheils eingeliefert. Am Neujahrstag kamen zwei Kinder mit abgesprengten Fingern und Brandverletzungen im Gesicht in die Notaufnahme des Bergmannsheil.

„Auch die Müllbelastung durch das Silvesterfeuerwerk war wieder erheblich“, sagt Zein-Draeger. Eine Anfrage der Stadtgestalter im Zusammenhang mit dem Silvester 2023/2024. brachte zu Tage, dass insgesamt 4,9 Tonnen Straßenkehricht durch den USB allein in den Innenstadtbereichen aufgenommen worden, wovon der größte Teil laut Stadt Silvesterabfall sei.

„Als schöne Alternative hätte eine zentrale und von der Stadt organisierte Drohnen- und Lasershow ein beeindruckendes und nachhaltiges Spektakel die Bochumer*innen nächstes Silvester z.B. wie in Amsterdam und Langeoog  in den Bann ziehen können. Aber auch dazu konnte sich der Ausschuss nicht durchringen“, so Zein-Draeger.«


3 Gedanken zu “Wegducken beim Böllerverbot

  • Sudel-Ede

    Ja, Die Linke hat im Bundestag dazu eine kleine Anfrage gestellt https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1133806 und sogar eigene Ideen formuliert https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1127940. Wie bereits auf meine Reaktion zu der PM der Ratsfraktion Die Linke Bochum erkennbar, bin ich kein großer Freund davon.
    Ob ein generelles Verbot sinnvoll ist soll die interessierte Leserin bitte nach Lektüre der Artikel selber beantworten. https://www.zdfheute.de/panorama/silvester-niederlande-gewalt-boeller-raketen-100.html
    https://www.derstandard.de/story/3000000178771/feuerwerksverbot-und-hochspannung-statt-freude-an-frankreichs-nationalfeiertag
    Die Mehrheit der Toten ist in Deutschland auf den Eigenbau von Böllern und dem Kauf aus den benachbarten Ausland zurückzuführen (ja, das ist bereits verboten). Ob sich der „proletarische Mob“ andere Wege suchen wird auf sich aufmerksam zu machen wird die Zukunft zeigen. So berichtete die linksliberale Taz noch vor einigen Jahren. https://taz.de/Debatte-um-Boellerverbot/!5981736/
    Ob Foucault auch bei diesem Thema den Weg in eine Disziplinierungsgesellschaft sieht sollte zumindest den Philosophinnen in der Partei Die Linke interessieren. Michel Foucault beschreibt die Disziplinargesellschaft als modernen Machtmechanismus, der nicht durch offene Gewalt, sondern durch subtile, allgegenwärtige Disziplinierung und Überwachung funktioniert, um Individuen zu nützlichen und fügsamen Körpern zu formen, was sich in Institutionen wie Schulen, Fabriken und dem Gefängnis zeigt, vor allem durch das Prinzip des Panoptismus, bei dem das Gefühl ständiger Beobachtbarkeit zur Selbstdisziplinierung führt, wie in seinem Werk „Überwachen und Strafen“ dargelegt. Das könnte durch ein Böllerverbot „vollendet werden“. Nächstes Jahr Wissen wir mehr…..:-)
    In diesem Sinne mit sozialistischen Grüßen
    Euer Sudel-Ede
    Sudel Ede ist Mitglied der Partei Die Linke Bochum

  • krrrrrrrrlftz

    Das heißt, der Disziplinierungsgesellschaft entkommen wir nur, indem wir Böllern auch an den 364 übrigen Tagen des Jahres erlauben? Welch ein Unsinn. „Vollendet“ wird Überwachungsgesellschaft durch technologische Fortentwicklungen unserer digitalen Endgeräte und Dienste, nicht durch Aktivitäten der Opposition in Rat und Parlament.

    • Sudel-Ede

      Liebe krrrrlftz,

      Nein, natürlich fordert niemand das ganze Jahr zu boellern. Ja, nur bedenke bitte, dass Stahlhausen und Querenburg Hochburgen der Partei Die Linke sind und dort überdurchschnittlich viel „geboellert“ wird. Warum das so seien könnte hatte ich bereits geschrieben. Viele Menschen dort wünschen sich eine starke linke Opposition im Rat. Vielleicht eine etwas andere als Du, oder die Mehrheit in der Partei Die Linke. Das sollte bedacht werden.
      Mit solidarischen Grüßen
      Euer Sudel-Ede

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