Samstag 01.02.14, 18:15 Uhr

Solidarität mit den Geflüchteten

Mehr als 300 Menschen waren heute dem Aufruf zu einer Demonstration vor dem Flüchtlingsheim in der Wohlfahrtstraße gefolgt. (Zur Fotogalerie.) Das Motto der Kundgebung “Flüchtlinge Willkommen!” Auf Begeisterung stieß die riesige Botschaft der Knappschaft an ihrem Hochhaus. Einige Flüchtlinge beteiligten sich an der Demonstration, trauten sich aber nicht öffentlich aufzutreten. Birgit Naujoks, (Foto rechts) Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW schilderte in ihrer Rede die Situation der Flüchtlinge: »In dieser Flüchtlingsunterkunft hier an der Wohlfahrtsstraße leben Menschen, die vor politischer Verfolgung, (Bürger-)Kriegen, massiven Menschenrechtsverletzungen und akuten Lebensbedrohungen geflohen sind. Sie haben gefährliche Wege und alle Widrigkeiten in Kauf genommen, um hier in Sicherheit und mit einer Perspektive leben zu können. Doch angekommen in Deutschland, können sie von der viel gepriesenen „Willkommenskultur“, die die Politik gegenüber sogenannten „erwünschten“ Zuwanderern propagiert, nicht profitieren.
Menschen, die hier einen Asylantrag stellen, müssen mit sehr vielen rechtlichen Einschränkungen leben. So haben sie keinen Anspruch auf einen Sprach- oder Integrationskurs. Auch unterliegen sie in der ersten Zeit einem vollständigen Arbeitsverbot und können danach nur eine Erlaubnis für einen Job erhalten, den kein Deutscher, EU-Bürger oder sonstiger Drittstaatler ausüben kann. Dies bedeutet über mehrere Jahre einen faktischen Ausschluss vom Arbeitsmarkt. Diese Menschen ruhen sich nicht „auf der sozialen Hängematte“ aus, wie es derzeit oft geäußert wird, sie sind zur Untätigkeit gezwungen und müssen Sozialleistungen in Anspruch nehmen, um ihr Überleben zu sichern.« Die Rede im Wortlaut.
Georg Eberwein (Foto links) von der Medizinischen Flüchtlingshilfe berichtete über die Schwierigkeiten der Flüchtlingen bei der medizinischen und psychosozialen Versorgung. Viele Geflüchtete leiden unter Traumatisierungen durch die erlebten Kriege oder andere Gewalterlebnisse durch Folter oder während der Flucht. Hier bietet die medizinische Flüchtlingshilfe konkrete Hilfe an.
Wolfgang Dominik (Foto rechts) von der VVN-BdA beschäftigte sich in seiner Rede mit den 30 Nazis auf der anderen Straßenseite und ihrem “Volkssturm”. Sie hetzten gegen die Asylsuchenden. Wolfgang Dominik: »Ich weiß nicht, ob diesem Volkssturm klar ist, dass der Volkssturm im Faschismus das letzte kümmerliche und elende Aufgebot von alten Männern und Jugendlichen bzw. Kindern war, die von einer verbrecherischen deutschen Führung gegen Ende des faschistischen Terrorkrieges und gegen Ende der industrieller Vernichtung von Millionen Menschen auch noch ihr Leben lassen sollten zur Verteidigung der faschistischen Herrschaft. Wenn sich heute Neofaschisten nach diesem maroden Haufen von staatlich angeordneten Selbstmordkommandos nennt, lässt das auf eine ausgeprägte Geschichtsblindheit schließen.« Die Rede im Wortlaut.
Für die OrganisatorInnen der Demo war es sehr erfreulich, dass viele NachbarInnen die Aktion unterstützt haben und dass die Hetze der Nazis entschiedene Ablehnung erfahren hat. Uli Borchers, (Foto rechts) Sprecher des Bündnisses gegen Rechts: “Es ist ein gutes Zeichen, dass sich so viele Menschen heute mit den Flüchtlingen solidarisch erklärten und gegen Rassismus in unserer Gesellschaft demonstrierten.”
Fotos der Kundgebung.

7 LeserInnenbriefe zu "Solidarität mit den Geflüchteten" vorhanden:

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2. Feb. 2014, 03:20 Uhr

LeserInnenbrief von Paule:

Also, ich war da und das BgR hat in meinem Augen kolossal versagt. Die Nazi-Kundgebung konnte ungestört durchgezogen werden. Hier wäre mal eine Manöverkritik gefragt und zu diskutieren wie AntifaschistInnen in Zukunft wirksam gegen solche Nazi-Auftritte vorgehen sollten


 

3. Feb. 2014, 09:27 Uhr

LeserInnenbrief von Quadrocopterfan:

Stimmt Paule, wir hätten uns den Weg durch die Bullen freiprügeln, den Verkehr auf der Königsallee stoppen und dann den Faschos auf’s Maul hauen können. Machen’wa nächste mal. Scheisse, dass wir nicht eher drauf gekommen sind.

Komm doch demnächst mal zum Vorbereitungstreffen und mach Vorschläge, wie du dir das Verhindern einer Faschokundgebung vorstellst und zieh nicht im Nachhinein über ein Konzept her, das genau so abgesprochen war.


 

3. Feb. 2014, 14:54 Uhr

LeserInnenbrief von Hans:

Immer wieder “schön” zu sehen, wie auf Kritik reagiert wird.
Man macht sich lustig über die Kritiker und lädt diese generös zu einem Vorbereitungstreffen ein.

Auf diesen Treffen wird aber genau das beredet und nur das zugelassen, was zwischen Oberhäuptlingen vorher abgesprochen wurde.
(Zahlreiche Erfahren belegen dies. Bestes Beispiel die Behinderung der Antifa-Aufrufe zur Nazidemo gegen den Neubau der Bochumer Synagoge am 26.06.2004. Das Stadtteiltreffen gegen den Thor Steinar-Laden „Goaliat“, etc.p.p.)

Paule hat in seiner Kritik in soweit Recht, dass Nichts versucht wurde Nazis den Platz streitig zu machen, ihnen den AN- und Abfahrt zu erwehren, bzw. erschweren, oder maßgebliche Verantwortliche auf andere Art zur Verantwortung zu ziehen (siehe Gegenkundgebung bei dem Redner des „Volkssturms“, dem NPD-Bundestagskandidaten M. Schumacher). Angelegt war alles auf ein ergreifendes Spektakel und nicht auf eingreifendes Verhalten.
Die Praxis der anwesenden Organisationen und Parteien am Samstag diente allein dazu sich als die Guten darzustellen, deren Organisationen man bitte bei den anstehenden Wahlen wählen soll. Pure Leuchtturmpolitik von Organisationen, die sonst keine andere Praxis als Petitionen und Pressemitteilungen aufzuweisen haben.
Die Kritik sollte Paule aber lieber auf solchen Kundgebungen wie Samstag verteilen und dort publik machen. Dort wird er Menschen finden, denen dieser Pseudoaktivismus ebenso gegen den Strich geht, wie die Zuordnung, sie seien Anhänger der aufrufenden Organisationen.
Dazu sollte er sich Leute suchen mit denen er andere effektivere Wege gegen Nazis einschlägt. Dafür gibt es 365 Tage im Jahr und viele Nazis, Gruppen und Aktionsfelder in Bochum.
Seine Aktionen und Inhalte würden dazu führen, dass er das antifaschistische Showlaufen der Altvorderen in Frage stellen und deren Organisationen vor sich her treiben würde.
Er muss dann darauf gefasst sein von denen die er kritisiert diffamiert und angegriffen zu werden.

Das Abwenden von den narzistischen Bauchpinseleien der Parteien/Organisationen und den egomanischen Streitigkeiten der sogenannten “Szene” wird bei ihm ungeahnte Energien und Ressourcen an Zeit, Kraft und Ideen freisetzen, die ihm helfen den Nazis ganz ordentlich in den Allerwertesten zu treten.
Er kann sich sicher sein, dass dieser (schwierige) Weg, der von Einigen schon seit Jahrzehnten praktiziert wird, der ist, der die Nazis am meisten behindert. Der Unterschied von Bochum zu den Nachbarstädten (und die dort erfolgte Ausbreitung der Naziszene) spricht dafür Bände.

Dennoch würde ich für eine Kosten-Nutzen Rechnung plädieren. Dies in so weit, ob es denn Angesichts einer kaum existierenden Kameradschaft, die sich anscheinend über den kompletten Ruhrgebietsbereich erstreckt, lohnt Strafverfahren zu riskieren. Phantasie und Kreativität wären da doch mehr gefragt, als das vielerorts gehypte Standardkonzept der Sitzblockade.

In diesem Sinne: go autonom!


 

4. Feb. 2014, 17:43 Uhr

LeserInnenbrief von Quadrocopterfan:

Ich fass mal die Kritik von “Hans” zusammen: Ein Vorbereitungstreffen des “Bündnis gegen Rechts” ist ein Treffen, zu dem “generös” eingeladen wird und auf dem Oberhäuptlinge nur das zulassen, was vorher zwischen Ihnen schon abgesprochen war. Sonst würde mensch diffamiert und angegriffen.

Dieses antifaschische Schaulaufen diene nur dazu, dass man die bei der Gegenkundgebung anwesenden Parteien (es hat übrigends keine einzige Patei einen Redebeitrag gehalten) bei der nächsten Wahl wählt. Dies alles sei narzistische Bauchpinselei und Pseudoaktivismus usw. usw.

Ich war kurz verleitet inhaltlich auf solche Vorwürfe, einzugehen und z.B etwas über die Grenzen von Bündnispolitik zu schreiben. Aber letztendlich sag ich mir: Solche eine Anhäufung von Plattitüden sagt mehr aus über den Kritiker als über die Kritisierten.

In diesem Sinne

der autonome Quadrocopterfan


 

4. Feb. 2014, 18:40 Uhr

LeserInnenbrief von Falk Moldenhauer:

Es kommt auf die Hegemonie auch in Bochum gegen Faschismus und Krieg an. Dies ist gelungen. Die Sprüche von selbsernannten
“Linksradikalinskis” und “Autonomen”
halte ich ich für vollkommmen fehl am Platz. Bochum muss noch mehr nazifrei bleiben.

Nur gemeinsam und solidarisch sind wir stark!


 

6. Feb. 2014, 03:00 Uhr

LeserInnenbrief von Ralf Mähnhöfer:

Wer zu derartiger Aktionen aufruft, schadet der Linken Bewegung, ihrer Akzeptanz bei der Bevölkerung und begibt sich auf eine Position, die in die von der BILD gezeichneten Schubladenmerkmale geradhinein in das dort proklamierte Bild der “Linken Szene” als gewaltbereiter Gegenpol zur Knobelbecherszene hineindrängt und nährt.

Ablehnung solcher Positionen.

Mindestens 1/3 der über 300 GegenkundlerInnen waren vom BgR angesprochene AnwohnerInnen der Wohlfahrtstraße und Umgebung, die an beiden Vorbereitungstreffen aktiv und mit sinnvollen Ideen teilnahm und Einfluss nahmen.

Politikern wollten wir einstimmig keine Plattform zu Wahlreden geben, weil wir unsere Kundgebung als “Bürgerschaftliches Engagement” sehen und nicht als parteipolitische Crossoveraktion.


Terminmitteilungen bitte an
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