Montag 21.09.26, 20:52 Uhr
Demonstration "Bildungswende jetzt! am 19.9. in Bochum

Eylül Tuana Öztürk, Bezirksschüler:innenvertretung Bochum


Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin es satt, nicht ernst genommen zu werden. Warum schafft es das Bildungsministerium nicht unsere Beschwerden einzusehen? Ich habe keine Lust, von morgens bis abends in der Schule zu sitzen und danach noch zich Hausaufgaben zu erledigen. Erstmal muss ich ja auch was essen, wenn ich zu Hause bin, weil in der Schule habe ich kein Essen zur Verfügung, sei es weder wegen Zeitstress oder Mangel an Möglichkeiten. Das Bildungsministerium hat ja auch gar nicht genug Geld, jedem Schüler eine kostenlose Mahlzeit anbieten zu können, aber Geld für eine Künstliche Intelligenz, die nicht mal vernünftig funktioniert, gibt es natürlich.

Wo liegen denn bitte die Prioritäten? Offensichtlich nicht bei den steigenden Zahlen der Schlafstörungen bei Schülern oder dem immer größer werdenden Unterschied zwischen sozialen Ungleichheiten. Wir haben so viele Probleme im Schulsystem und jedes Mal wird darüber geredet, dass daran gearbeitet wird, aber nie wird etwas gezeigt. Keiner von uns hat das Gefühl, dass Schule besser geworden ist und klar kann man das auf die Corona-Pandemie schieben, aber es erreicht einen Punkt. Der Mangel an Lehrerkräften, Klassenräumen oder Freizeit liegt nicht an Corona, sondern am Scheitern des Systems.
Das System, das uns nur als Zahlen und nicht als Individuen sieht. Das System, das vor der Pubertät von uns verlangt unseren Lebensweg zu entscheiden. Das System, das unsere Interessen nicht ernst nimmt und auch deswegen keine Flexibilitäten im Lehrplan erlaubt.
Wir müssen zeigen, dass wir nicht dumm sind und uns wehren. Es kann nicht sein, dass wir mit neuer Technik aber altem Stoff immer noch im Unterricht sitzen. Über die zurzeit größten Parteien unserer Politik habe ich außerschulisch am meisten gelernt, aber ich kann auch gerne eine Analyse über „Die Frühlingsnacht“ von Joseph von Eichendorff schreiben, weil das ja wichtiger zu seinen scheint. Selbstverständlich kann ich auch viel zu „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt sagen, aber vernünftige Mediennutzung ist offensichtlich überbewertet.
Ich weiß nicht, ob es euch aufgefallen ist, aber ich rede schnell, weil ich es leid bin immer und immer wieder über diese Probleme zu reden, aber auch mit meinen Lehrern zu diskutieren und trotzdem kein Ende zu sehen. Wir sind die Zukunft dieses Landes und deshalb brauchen wir mehr Förderung, die wir nur bekommen, wenn man uns die Aufmerksamkeit schenkt, die wir verdienen.
Deswegen sind wir heute auf den Straßen in Bremen, Niedersachsen, Berlin, Potsdam, Bochum, Köln, Bielefeld, Halle, Marburg, Nürnberg, Stuttgart, Ulm und München, um zu zeigen, wie wichtig wir sind.

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