Montag 21.09.26, 20:54 Uhr
Demonstration "Bildungswende jetzt! am 19.9. in Bochum

Dominik Bald, GEW Bochum


Ich möchte meine Rede mit einem Rückblick beginnen: 1957 gelang es der Sowjetunion, als erstem Staat einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen. Damals, zur Hochzeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West, war dies ein Schock für die westlichen Staaten. Hatte der Westen doch immer gedacht, er sei technisch und wissenschaftlich führend.

In der Folge dieses sogenannten Sputnik-Schocks wurde in den westlichen Staaten massiv in Bildung investiert. In Deutschland kam mit den 68ern der Wunsch nach mehr Bildungsgerechtigkeit hinzu. Tiefgreifende Reformen wurden durchgeführt. Es entstanden Gesamtschulen, in der Oberstufe wurde ein Kurssystem mit Wahlmöglichkeiten eingeführt, neue Universitäten wurden gegründet, darunter auch die RUB, um nur drei Punkte zu nennen. So konnten zwar nicht die ungleichen Bildungschancen für Arbeiter- und Akademikerkindern beseitigt werden, aber es gelang doch viel mehr Menschen einen Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen.

Heute befindet sich Deutschland wieder in einer Bildungskatastrophe. Die erste PISA-Studie 2001 war für viele schon ein Schock, Deutschland, das Land der Dichter und Denker, war nicht wie gedacht das Land mit der besten Bildung, sondern im unteren Mittelfeld. Die Folge waren aber nicht tiefgreifende Reformen wie in den 60er/70er Jahren, sondern Pilotversuche, mehr Tests und Sonntagsreden, auf denen der Reformwille betont wurde. Ich bin diese Sonntagsreden so satt.

Heute 2026 hat die neueste PISA-Studie gezeigt, dass die Ergebnisse des deutschen Bildungssystem schlechter denn je sind, hinzu kommen so ungleiche Bildungschancen wie in kaum einem anderen Land. Ich frage mich, was noch geschehen muss, bis endlich mal ernsthaft in Bildung investiert wird, so wie damals in den 70er Jahren.

Zwei Beispiele, die zeigen, dass der Mut zu tiefgreifenden Bildungsreformen fehlt, wo er doch eigentlich dringend nötig wäre.

1. Viele Kinder kommen heute mit massiven Sprachdefiziten in die Schule, was die Chancengleichheit natürlich beeinträchtigt. Nun hat die Landesregierung beschlossen, dass Kindergartenkinder mit Sprachdefiziten zweimal in der Woche zwei Stunden von Grundschullehrkräften gefördert werden sollen. Dabei fehlen schon so Lehrkräfte an Grundschulen. Wir fordern stattdessen mehr Ressourcen für Sprachförderung im Kindergarten und ein verpflichtendes Kindergartenjahr.

2. Ein anderes Beispiel: Gerade im Ruhrgebiet, wo Integration und Bildungschancen für Kinder aus Haushalten, wo es finanziell eng ist, eine große Aufgabe ist, fehlen Lehrkräfte. Jetzt gibt es zwar das Programm Startchancen-Schulen, das einem Teil der Schulen mit einem hohen Sozialindex u.a. mehr Personal ermöglicht, aber das reicht bei weitem nicht aus. Deshalb fordern wir als GEW nach wie vor: Ungleiches ungleich behandeln, mehr Personal für alle Schulen mit einem hohen Sozialindex.

Und noch ein Punkt zur Bildungsfinanzierung: Gebäude gehören in den Aufgabenbereich der Kommunen, die sind aber leider oft pleite, weil viele zu viele Aufgaben auf sie abgewälzt wurden. Entsprechend sind viele Schulen marode und es fehlen Klassenräume. Noch nie wurden in Bochum so viele Kinder in Containern unterrichtet wie momentan. Wir fordern, dass die Kommunen endlich die Mittel erhalten, die notwendig sind für gute Bildung!

Und es soll mir keiner erzählen, es sei kein Geld da. Für Rüstung werden viele zusätzliche Milliarden ausgegeben, in Schulen gibt es teilweise nicht mal genug Tablets für alle Lehrkräfte. Liebe Zuhörer*innen, es fehlt einfach am politischen Willen. Und das, obwohl nachgewiesen ist, dass jeder Euro, der in Bildung investiert wird, gut angelegtes Geld ist. Ein gutes Bildungssystem ist der Grundstein für Fachkräfte, die Steuern zahlen. Ein schlechtes Bildungssystem bedeutet mehr Sozialausgaben.

  • Wir brauchen ein Sondervermögen Bildung. Statt in Waffen zu investieren. Wir sagen: 10% des BIP müssen jedes Jahr in Bildung fließen.
  • Wir brauchen Strukturreformen: Das dreigliedrige Schulsystem ist gescheitert.
  • Wir brauchen dringend mehr Personal in Kindergärten und Schulen.

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