Mittwoch 10.06.26, 14:16 Uhr

„Euthanasie“ überlebt – und dann?


von Dr. Wilfried Korngiebel
Im Zusammenhang mit der Stolperschwellenverlegung und dem Gedenken an die Euthanasie-Opfer ist auch an Paul Brune (1935-2015) aus Altengeseke zu erinnern, der mit Glück und Intelligenz das NS-Euthanasieprogramm in Lippstadt, Aplerbeck und Niedermarsberg überlebte. Nach 1945 wurde er zwecks „Familienpflege“ auf einen Bauernhof gegeben und musste de facto Zwangsarbeit leisten.

Ab 1957 endlich ohne Vormundschaft jobbte er, holte Schulabschlüsse nach, studierte er an der Ruhr-Universität Bochum, machte sein Staatsexamen und konnte – nur mit Hilfe seines Anwalts – auch das Referendariat absolvieren. Der schier unglaubliche Skandal liegt aber darin, dass er aufgrund der nach wie vor „gültigen“ alten NS-Medizin-„Gutachten“ über seine Person kein Lehrer werden durfte!
Paul erstritt schließlich eine kleine „Entschädigungsrente“, mit der er sich in den letzten Jahrzehnten seines Lebens durchschlagen musste.
Ein vom LWL vertriebener, immer noch unbedingt sehenswerter Dokumentarfilm von 2005 „Lebens/un/wert. Paul Brune. NS-Psychiatrie und ihre Folgen“ zeigt beispielhaft auf, wie mit Überlebenden in der Nachkriegszeit noch jahrzehntelang verfahren wurde. VVN-BdA und der Verein „Erinnern für die Zukunft“ haben den Film seinerzeit in Bochum öffentlich vorgestellt.
Die bittere Erkenntnis: 1945 hörte die Vernichtung auf, nicht aber das Unrecht.
Niemals vergessen!

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