Ein Jahr nach dem Verkauf der denkmalgeschützten Wohnsiedlung am Röderschacht an einen Investor ziehen die Mieter:innen der ehemaligen Zechenkolonie eine ernüchternde Bilanz. Nach ihrer Einschätzung hat sich die Wohnsituation seit dem Eigentümerwechsel deutlich verschlechtert. Als Gründe nennen sie das aus ihrer Sicht aggressive Auftreten des neuen Vermieters, die wiederholt geäußerte Drohung eines Einzelverkaufs der Häuser mit möglichen Eigenbedarfskündigungen, die Sperrung von Gärten und Parkplätzen sowie überhöhte Mietforderungen.
Der zunehmende Druck habe bereits Folgen gezeigt: Einige Bewohner:innen hätten die Siedlung verlassen. Die verbleibende Mieterschaft betont jedoch ihre Entschlossenheit, sich nicht verdrängen zu lassen. Ende Mai übermittelte sie ihre Forderungen in einem Gespräch mit Bochums Oberbürgermeister Jörg Lukat.
Die Einführung beziehungsweise Prüfung einer Sozialen Erhaltungssatzung für Bochumer Stadtteile zählt zentral dazu. Als Vorbild verweisen die Bewohnerinnen und Bewohner auf die Stadt Dortmund, deren Rat zuletzt eine entsprechende Prüfung beschlossen hat. In anderen NRW-Städten, darunter Münster, Bonn und Köln, existieren solche Satzungen bereits.
Weiter fordert die Mieterschaft die Stadt dazu auf, wirksame Maßnahmen gegen überhöhte Mieten und Mietwucher zu ergreifen. Zuletzt seinen Mietangebote auf Immobilienportalen veröffentlicht worden, in denen mehr als 10 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung in der Siedlung verlangt wurden. Teilweise seien sogar Kellerräume als Wohnfläche ausgewiesen worden.
Was die zukünftige Entwicklung betrifft, wird mehr Transparenz hinsichtlich der von der Stadt eingeforderten Sanierungspläne verlangt, um die weitere Entwicklung des Quartiers einschätzen zu können und eigene Planungssicherheit zu erhalten.
Auch sorgen sich die Bewohner:innen über mögliche geologische Risiken auf dem Gelände der Am Röderschacht Immobilien GmbH. Es bestehe der Verdacht, dass sich unter dem Grundstück unverfüllte Flöze befinden, die auf mögliche Auswirkungen für die Gebäudesubstanz untersucht werden müssten. Hinweise darauf wurden der Stadt übergeben.
Im Gespräch mit OB Lukat verständigten sich die beiden Seiten darauf, noch vor Beginn der Sommerferien zu einem weiteren Treffen zusammenzukommen. Dabei sollen die bisherigen Fortschritte bewertet und die nächsten Schritte abgestimmt werden.
Aus Anlass des Verkaufs der Siedlung vor einem Jahr kündigen die Bewohner jedenfalls an, sich weiterhin gemeinsam für den Erhalt ihrer Nachbarschaft und bezahlbaren Wohnraums einzusetzen und betonen im Vorfeld der zweiten Gesprächsrunde mit der Stadt Bochum noch einmal ihre Forderungen:
– Prüfung und Einführung Sozialer Erhaltungssatzungen in Bochum
– Konsequente Maßnahmen gegen Mietwucher und überhöhte Mieten
– Transparente und sozialverträgliche Sanierungspläne
– Umfassende Aufklärung möglicher geologischer Risiken auf dem Gelände
– Schutz der Bewohner:innen vor Verdrängung und Eigenbedarfskündigungen
