Was die Bochumer Lokalredaktion der WAZ seit zweieinhalb Wochen über die Zustände im Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt publik macht und hoffentlich weiter tut, ist skandalös. Obszöne Sprüche über ihre Körper und das regelmäßige Begrabschen weiblicher Mitarbeiter, Praktikantin mit Handschellen an die Heizung gefesselt, rassistische Chats unterlegt mit Hitler-Bildern, bewusst provokantes und erniedrigendes Verhalten vorzugsweise gegenüber muslimischen Männern, begleitet von homophoben Beleidigungen die Messerattacke auf einen Kollegen unter der Dusche.
Die Liste der Enthüllungen ist lang und sorgt für Entsetzen. Zumal die Recherchen der Zeitung belegen, dass kriminelle Vergehen, frauen- und fremdenfeindliche Taten keine Ausnahmeerscheinungen in der Wache am Kuhhirten sind. Offenbar prägen eklatante Fälle von Machtmissbrauch, Rassismus und Sexismus die Untergliederung des Ordnungsamt seit Jahren, sind Insider:innen ebenso lange bekannt und auch den Führungskräften im Rathaus nicht neu.
Umso erschreckender ist der Mantel des Schweigens, der bislang über den Vorgängen lag. Den ehemaligen und heutigen Beschäftigen der Behörde, die jetzt den Mut aufbrachten, ihn zu lüften, ist Respekt zu zollen. Es wäre wünschenswert gewesen, sie hätten sich schon früher dazu durch gerungen. Angesichts der vorherrschenden Kultur des Wegschauens, Verdrängens und Vertuschens, von der sie berichten, und des daraus resultieren Gruppendrucks, dem sie an der Arbeitsstelle alltäglich ausgesetzt waren oder noch sind, ist ihr Zögern jedoch allzu verständlich.
Und was sagen die Stadtoberen zu dem Ganzem? Einfach peinlich ist, wenn OB Lukat von zwischenmenschlichen Spannungen spricht. Unverschämt ist es, sofern es bis dato überhaupt Stellungnahmen der kommunal Verantwortlichen gab, von Ausnahmefällen zu reden, dem Fehlverhalten einzelner Personen, das bereits in der Vergangenheit geahndet worden sei und selbstverständlich auch in Zukunft nicht geduldet werde. In Anbetracht der Vielzahl gegenteiliger Aussagen aus dem Inneren der Ordnungsamtes grenzen derartige Behauptungen an den Versuch der grober Täuschung. Sie sind ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die es gewagt haben, die gewalttätigen Strukturen im Bochumer Ordnungsamt offen zu legen. Und vor allem: Sie geben den Weg frei für deren Verlängerung.
So oder so, in vielerlei Hinsicht sind die Geschehnisse in und rund um die Behörde schockierend. Zurecht alarmieren sie nicht nur die lokale Öffentlichkeit, allerdings mit falscher Betonung. Der eigentliche Skandal ist nicht, dass es in einer Organisation, die für die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständig ist, zur Überschreitung von Vorschriften, menschenverachtendem Verhalten und Gewaltexzessen kommt, sondern nicht zufällig wieder einmal eben dort. Denn ob beim Militär, der Polizei oder klein-klein bei den Hilfssheriffs vom Ordnungsdienst. Wo immer sich in Uniform gekleidete, mit Waffen bestückte und gesetzlichen Machtbefugnissen ausgestattete Männerbünde bilden, sind Grausamkeiten, Willkürakte und das Ausleben des Recht des Stärkeren vorprogrammiert.

Guter Beitrag mit klarer Haltung!!!