Samstag 26.07.25, 22:53 Uhr

Reden auf der Gaza-Demo 1


Von der gestrigen Gaza-Demo erreichten uns bisher noch keine Bilder, aber zwei Redetexte.

Redebeitrag C. Khongklad

Für die Bestimmung des Schweregrads von Ernährungsunsicherheit gibt es die sogenannten IPC-Phasen an denen sich Regierungen und Organisationen weltweit orientieren. Diese basieren auf Kriterien wie dem Verlust der Lebensgrundlagen, der Sterblichkeitsrate und akuter Unterernährung. Im Zuge des israelischen Genozids wurden bereits 75% der Ackerflächen und über zwei Drittel der Bewässerungsanlagen in Gaza beschädigt oder zerstört. Laut Independent United Nations Watch sind dort seit Anfang des Jahres über 1000 Menschen allein an Hunger-bedingten Ursachen verstorben. Über 80% der Menschen in Gaza wurden bereits als Katastrophenfälle identifiziert und die Zahl steigt weiterhin.

Hi, ich bin übrigens Chris. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Mutter war bei meiner Geburt alleinerziehend mit meiner Schwester und mir und 50000 Euro in Schulden. Das bedeutet für mich heute noch, dass meine Ernährung Ende des Monats manchmal aus Nudeln und Salz besteht. Für SOWAS bekomme ich Empathie und Mitgefühl von Freunden und Verwandten, aber das ist nichtmal entfernt vergleichbar mit der Hungersnot der Menschen in Gaza.

Es gibt einige Interviews mit Helfern, die vor Ort agieren. So berichten sie beispielsweise, dass die Menschen verzweifelt durch die Straßen laufen auf der Suche nach Essen. Egal ob verdorben, oder nichtmal für den Menschen gemacht wie beispielsweise Hundefutter. Ich würde mir nie anmaßen ihr Leid auch nur ansatzweise nachempfinden zu können. Eine Aussage stach für mich jedoch nochmal besonders hervor und ich hatte schon beim Verfassen dieses Beitrags wieder Gänsehaut bei dem Gedanken. So berichtete ein Mitarbeiter von Save the Children: „Kinder sagen ihren Eltern, dass sie gerne in den Himmel gehen würden, weil es im Himmel wenigstens etwas zu essen gebe“.

Liebe Leute, die Blockade von Hilfslieferungen durch Israel dauert nun bereits fast 5 Monate an. Sie entziehen den Menschen damit bewusst ihre Lebensgrundlage. Es ist der israelischen Regierung leider bloß egal. Ich hoffe ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass Solidarität und Mitgefühl einige der wichtigsten Bestandteile dessen was wir Menschlichkeit nennen sind. Was in Gaza passiert widerspricht dieser Definition von Menschlichkeit in höchstem Maße. Das ist eine systematische Verknappung von Ressourcen als Kriegsstrategie. Mit diesen Worten ein großes Danke an alle die heute hier versammelt sind um ihre Stimme gegen diese Ungerechtigkeit zu heben. Lasst uns Druck ausüben, es muss jetzt gehandelt werden! Free, free Palestine!

Redebeitrag Hans Batteux:

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der heutigen Kundgebung !

ich spreche hier heute Abend für eine kleine Gruppe von Mitgliedern verschiedener Bochumer Initiativen. Wir wollen der unmenschlichen Situation in Palästina hier vor Ort etwas entgegensetzen.

Wir begrüßen deshalb auch die Durchführung dieser Kundgebung heute.

Während die deutsche Regierung zu Recht die schlimmen Kriegsverbrechen der Hamas verurteilt, benennt sie die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung und Armee noch immer nicht als das, was es ist: ein Vertreibungs- und Vernichtungskrieg in Gaza ! Im Gegenteil: hierfür gibt es noch Elektronik, Panzermunition und vieles mehr aus Deutschland !

Und die Okkupation palästinensischer Gebiete geht täglich weiter. Das Westjordanland, eigentlich Kerngebiet einer 2-Staatenlösung, schrumpft zu einem Flickenteppich mit winzigem Restpalästina. Teile des faschistischen israelischen Regimes erwägen bereits offen die komplette Übernahme auch dieser Gebiete. Am Ende israelischer Pläne steht die totale Neuordnung der Region nach militärischen und machtpolitischen Erwägungen, bei denen die Interessen der palästinensischen Bevölkerung keine Rolle spielen.

Eine Gesellschaft, die multiethnischen, solidarischen und völkerrechtlichen Voraussetzungen entspricht, föderal oder autonom basiert, in der palästinensisch und israelisch gelebt werden kann; all das wird so auf lange Zeit unerreichbar.

Die derzeitige israelische Regierung wird das Morden und Zerstören in den besetzten Gebieten nicht ohne internationalen Druck beenden. Entscheidend hier bei uns ist dabei der Stopp der politischen und militärischen Unterstützung durch die Bundesregierung.

Lasst uns hier vor Ort den betreffenden Parteien und Organisationen zeigen, dass wir nicht einverstanden sind, mit dem Augenverschließen vor dem, was derzeit in Palästina passiert:
Besuchen wir deren Parteibüros, übergeben wir Ihnen unsere Botschaft an die politischen Entscheider in Düsseldorf und Berlin, und an die Wirtschaftsverbände, die neue Granaten- und U-Bootsaufträge für Israel kaum abwarten können !

Fragen wir bei allen anstehenden Wahlen danach, welche Haltung die betreffenden Kandidatinnen und Kandidaten den genannten Problemen gegenüber haben !
Egal, ob es um Bezirksvertretung oder Bundestag geht. Position beziehen, sofort:

Unsere Position heute und hier:
Für einen sofortigen Waffenstillstand, Freilassung der verbliebenen Geiseln und Versorgung der Verletzten und Hungernden durch internationale Hilfsorganisationen der vereinten Nationen, SOFORT !
Sofortiger Stopp der Rüstungshilfen an Israel !


Ein Gedanke zu “Reden auf der Gaza-Demo

  • Inge Bartke-Anders

    Ich wäre daran interessiert, auch die verlesenen Texte (Demo 25.7. , Bahnhof Bo.) von Cansin u. einer anderen lesen zu können. Vielleicht bekommt Ihr sie ja noch.- Danke!

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