Mittwoch 21.07.21, 16:43 Uhr
Gemeinsam Raum und Nacht zurück erobern

Take back the Night-Rallye


Ein Netzwerk von u. a. Stadt für Alle, Oval Office Bar, ASAB Ruhr und Cattcalls of Bochum lädt am 31. Juli ab 21.00 Uhr dazu ein, gemeinsam Raum und Nacht zurück zu erobern. Diese „Take back the Night-Rallye“ sollte eigentlich den Abschluss der feministischen Aktionswochen im April bilden, war dann aber aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. »Jetzt heißt es: Es ist so weit! Wir laden euch ein:

Wo?
In der ganzen Bochumer Innenstadt; wir haben zusätzlich vier Anlaufstationen:

  • Kurt-Schumacher-Platz (direkt gegenüber HBF),
  • am Eingang der Unterführung von der Hermannshöhes ins Bermudadreieck (am Sprühtunnel),
  • Kortumstraße (zwischen Husemannplatz und Ring)
  • Hans- Schalla- Platz (am Schauspielhaus)

Wie?
Ihr bewegt euch mit euren Lieblings-FLINTA*s in kleinen Gruppen durch die Stadt (natürlich Corona-konform, achtet auf die Regeln, seid solidarisch und an unseren Stationen gilt: Abstand einhalten). 

  • Ihr seid ausgestattet mit allem, was euch einfällt, um eure Botschaften in die Nacht zu tragen (Plakate, Transpis, Schlachtrufe, Pappaufsteller,…).
  • Ihr seid angezogen, wie ihr wollt – ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen.
  • Ihr geht an die Orte, die ihr zurückerobern wollt und verkündet eure Botschaft
  • Ihr haltet Ausschau nach weiteren Gruppen, die unterwegs sind und feiert euch gegenseitig
  • auf eurem Weg durch die Straßen kommt ihr zwischendurch an unseren Stationen vorbei, um

– In der Unterführung zum Bermudadreieck (Eingang Hermannshöhe) eure Botschaft zu hinterlassen
– am Kurt- Schumacher-Platz an unserer offenen Diskussion zur Rückeroberung von Orten teilzunehmen
– in der Kortumstraße eure Erfahrungen mit Catcalling zu teilen
– euch am Schauspielhaus am FLINTA*-only-Kiosk ein Aktionskit abzuholen

Die Stationen werden bis 22.30 Uhr besetzt sein

Wer?
Frauen, Lesben, Inter-, Nicht-binäre-, Trans- und Agender- Personen* only!
(mehr zur Begriffsklärung: https://frauenseiten.bremen.de/blog/was-ist-eigentlich-flinta/)

Warum:
“So spät noch alleine unterwegs? Das ist doch viel zu gefährlich!”
“Geh nicht durch den Park! Wer weiß, wer da unterwegs ist!”
“Du nimmst die Unterführung an der Hermannshöhe? Aber das ist nicht sicher!”
“Sag Bescheid, wenn du zuhause bist.”

Allen wird von klein auf erklärt, dass die Nacht gefährlich für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen ist. Jede*r lernt das. Aber einen Effekt daraus spüren und erfahren nur wir FLINTA* – Personen. Die Konsequenz ist die Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit, unserer Körper, unserer Wege, aber auch unser Denken. Wir wurden dazu programmiert, uns von Orten und Zeiten fern zu halten. Die Selbstbeschränkung ist so normal, dass sie von niemandem hinterfragt wird. 

Doch damit nicht genug, FLINTA*’s wird nach einem sexuellen Übergriff oft die (Teil-)schuld gegeben, weil sie eben nachts an einem Ort waren, bestimmte Kleidung getragen haben, etc. 

„…ja der Rock war aber auch zu kurz, das lädt ja dazu ein..“
„…sie war ja auch betrunken, da darf sie sich nicht wundern“
„Warum bist du auch alleine im Bermuda3eck unterwegs?“

Es reicht! Diese Verantwortung weisen wir zurück. Unsere Mobilität darf nicht in Frage gestellt werden. Wir wehren uns und holen uns die Nacht zurück!

Pfiffe, Kommentare oder Blicke sorgen dafür, dass FLINTA*s sich an bestimmten öffentlichen Orten unwohl fühlen. Einen Umgang damit müssen sie für sich selbst finden. Als “Lösung” wird meist nur vorgeschlagen, sich fernzuhalten, drinnen zu bleiben.

Als ob es “drinnen” sicher wäre?! 
85 Prozent aller Übergriffe, Vergewaltigungen und Morde, Femizide finden in Nahbeziehungen, also in genau diesem “drinnen” statt. Medial ist diese sehr reale Gefahr nicht repräsentiert und schlecht verwertbar.

Nachrichten stellen sensationsheischende Berichte zu gewalttätigen Verbrechen von “Fremden” an FLINTA*’s ins Zentrum der Öffentlichkeit. Der “Fremde” ist gefährlich und wenn doch von Gewaltverbrechen durch Partner und Familienangehörigen berichtet wird, spielt schnell die “ethnische Zugehörigkeit” die Hauptrolle im “Familiendrama”. Hier geben sich Rassismus und Sexismus die Hand. 

Und in der fiktiven Welt? In einem Großteil der Crime Serien geht es um schreckliche Gewaltverbrechen an FLINTA*’s, die von fremden Männern verübt werden. Queere und trans* Personen werden als Opfer gezeigt, die ständig um ihre körperliche Unversehrtheit bangen müssen. Wir lernen, die Gefahr lauert an jeder dunklen Ecke, sieh dich vor! 

So werden patriarchale Strukturen, wie die Kleinfamilie und heterosexuelle Partnerschaften gestärkt. FLINTA*’s scheinen nur hier sicher zu sein. Das sind Konstrukte und Erzählungen, denen wir nicht länger folgen werden. Die erlernte Angst erfüllt eine soziale Funktion und soll uns an unseren Platz verweisen. 

Dieser Platz soll im privaten Raum sein, wo wir am besten ungefährliche Reproduktionsarbeit machen: Kochen, Kinder ins Bett bringen, für Gemütlichkeit sorgen. CIS Männer sind Begünstigte dieses Konstrukts.  

Es reicht! Wir begreifen die Stadt- auch nachts- als unseren Ort und lassen uns nicht verdrängen! Wir werden uns Orte aneignen! Wir werden die sozialen und politischen Verhältnisse angreifen! Wer uns eingrenzt, muss mit Widerstand rechnen!

Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, lasst uns zusammen die bisherigen Verhältnisse über Bord werfen! Wir sind solidarisch, wir sind entschlossen, wir werden zusammen ausgelassene, freie, wilde Nächte verbringen. Fangen wir an und nehmen uns die Orte zurück!
 
Liebe Cis-Männer: Heute Nacht wollen wir unter uns bleiben – trotzdem freuen wir uns über Allies. Guckt doch mal hier: 
https://guidetoallyship.com/
https://www.york.ac.uk/media/abouttheuniversity/equality/documents/LGBTFoundation-GuidetoBeingaTransAlly.pdf«