Sonntag 04.07.21, 10:04 Uhr
Demonstration am 3. 7. 2021: Solidarisch und entschlossen gegen „Querdenken“, Antisemitismus und Nazis!

Redebeitrag des Bochumer Antifa-Cafés


Antisemitische Narrative in der Querdenken-Szene

Seit Beginn der Corona Pandemie ist die Zahl der antisemitischen Straftaten massiv angestiegen, so wurden im vergangenen Jahr von offizieller Seite 2.300 Straftaten gezählt. Ursächlich für die ansteigende Zahl antisemitischer Straftaten sind antisemitische Narrative, die in verschiedensten Verschwörungserzählungen eingebunden sind. Sie genießen Hochkonjunktur und werden bis weit in die sogenannte „Mitte“ der Gesellschaft transportiert.

Massenhaft finden sich bei „Querdenken und Co“ krude Erzählungen über die „New World Order“ – eine internationale Chiffre für die sogen. „Jüdische Weltverschwörung“ -, geheime Eliten und die „Finanzmafia“, die die Pandemie wahlweise steuern oder erfinden würden, um sich zu bereichern, die Menschheit zu dezimieren und / oder eine autoritäre Weltregierung zu etablieren. Die einst von der NPD verbreitete Überschrift ZOG (Zionist occupied Government) findet sich in dieser oder ähnlicher Weise nicht mehr nur bei bekennenden Rechtsextremen. Das tragen von Judensternen mit der Aufschrift „ungeimpft“ und Reden, in denen man sich selbst mit Sophie Scholl oder Anne Frank vergleicht, relativieren die Shoah und verhöhnen die Opfer des Nationalsozialismus.

Sicherlich sind nicht alle Menschen, die den Coronamaßnahmen kritisch gegenüber stehen und sich aus diesen Gründen den Protesten von „Querdenken“ und Co anschließen, Antisemit*innen, aber sie tragen dazu bei, dass antisemitische Narrative weiter transportiert und somit gesellschaftsfähig werden.

So ist es auch in Bochum. Obwohl die Gruppe „Querdenken234“ immer wieder betont, sie seien nicht antisemitisch und würden Antisemitismus gar aktiv bekämpfen, wurden auch in Bochum auf Kundgebungen, Demonstrationen oder Autokorsos wiederholt krude Erzählungen über sogenannte geheime Eliten, die “Finanzmafia” und die „New World Order“ verbreitet. Auch plumper Antisemitismus und NS-Verharmlosungen konnten während dieser Veranstaltungen beobachtet werden, nicht zuletzt als ein Polizist als “KZ-Aufseher” bezeichnet und ein Schild mit der Aufschrift „Ist wieder 1933?“ „Heil(t) Merkel & Spahn von ihrem Corona-Wahn!“ gezeigt wurde. Der Bochumer „Maskenarzt“ Dr. Triebel trat mehrfach als Redner bei den Veranstaltungen von „Querdenken234“ auf. Hier verglich er sich mit Dr. Otto Ruer, einem jüdischen Arzt und Oberbürgermeister von Bochum, der 1933 von den Nazis vertrieben und in den Suizid getrieben wurde, schwafelte geschichtsvergessen vom „Ermächtigungsgesetz“ und dass „wir wieder eine Situation wie 1933 erleben“. Auf seinem Blog vergleicht der Internist Triebel übrigens die mRNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV2 mit der menschenverachtenden Euthanasie der Nazis und erörtert im selben Beitrag, dass „Bezeichnenderweise (…) gerade einzelne Christengemeinden und jüdische Gemeinden (…) den genetischen Eingriff verweigern.“ Das ist einfach nur zum Kotzen!

Für den heutigen Tag hat „Querdenken234“ mit Begeisterung den HNO-Arzt Dr. Schiffsmann, Mitbegründer der Parteien „Widerstand 2020“ und „WIR2020“ und You-Tube-Influencer der Verschwörungsszene, angekündigt, eben jenen Arzt, gegen den u.a. wegen Volksverhetzung ermittelt wird, der sich mit dem Kopf der Identitären Martin Sellner trifft und der auf seinem leider sehr verbreiteten You-Tube Kanal antisemitische Verschwörungsnarrative verbreitet.

Ja, es ist richtig, über Coronamaßnahmen zu diskutieren und diese zu kritisieren, aber: Solidarisiert Euch nicht mit Antisemit*innen, tragt nicht zur Weiterverbreitung von verklausulierten antisemitischen Verschwörungsideologien und NS-Verharmlosung bei. Schließt Euch unserem Protest an.

Gegen jeden Antisemitismus!