Sonntag 28.06.20, 11:25 Uhr

Acht Minuten und 46 Sekunden Schweigen


Schweigeminuten vor dem Rathaus

Ca. 500 meist jüngere Demonstrat*innen zogen gestern vom Bergbaumuseum vorbei am Polizeipräsidium und am Rathaus zum Bermuda-Dreieck. Sie solidarisierten sich mit den weltweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Sie skandierten „I can’t breathe“ und „Black lives matter“. Sie machten auch deutlich, wie Rassismus und Polizeigewalt in Deutschland zum Alltag gehören. In den Reden wurden viele Beispiele erwähnt, wie tödlich Rassismus und Polizeigewalt in den letzten Jahren in Deutschland gewesen ist. Dass es sich dabei nicht um individuelles Fehlverhalten sondern um ein struktuerelles Problem handelt, wurde dabei betont. Das Beispiel der NSU-Morde habe dabei besonders deutlich gemacht, dass Rassismus in staatlichen Strukturen wie Polizei oder Verfassungsschutz verankert sei. Höhepunkt der Demonstration waren 8.46 Schweigeminuten vor dem Rathaus. Sie erinnerten daran, wie lange der Polizist Derek Chauvin auf dem Genick von George Floyd kniete, bis dieser schließlich erstickte.

Bei der gestrigen Demonstration verhielt sich die Polizei sehr zurückhaltend, friedlich und freundlich. Während sich die Polizei bei Kundgebungen und Demonstrationen in den letzten Wochen nicht an die Corona bedingten Abstandsregelungen oder Vorschriften zum Gebrauch von Mund-Nasenbedeckungen hielt, war das Verhalten gestern vorbildlich.
In der Wahrnehmung und Berichterstattung über die Demonstration hat es ein Missverständnis gegeben. Der Veranstalter der Demonstration, der „Revolutionäre Jugendbund“, hat keine Pressearbeit gemacht. Die Demo wurde nur über die einschlägigen kommerziellen Netzwerke mobilisiert. Parallel hat sich in Bochum eine Initiative „All Cops Are Bad“ gegründet und am Ende ihrer Pressemitteilung über ihre Gründung für die Demo geworben. Das hat z. B. dazu geführt, dass die WAZ den Gründungsaufruf der Initiative als Aufruf der Veranstalter interpretiert hat. Ein Bericht der WAZ im Internet über die gestrige Demonstration arbeitet sich an der Pressemitteilung der Initiative „All Cops Are Bad“ ab, ohne dass der Text von den Veranstaltern stammt.
Am Rand der Demonstration wurde deutlich, dass auch Leser*innen von bo-alternativ.de den Text von „All Cops Are Bad“ als Aufruf der Veranstalter*innen interpretiert und nicht an der Demo teilgenommen haben, weil sie die Aussage „All Cops Are Bad“ für zu undifferenziert halten. Die Initiatoren der gestrigen Demonstration (Revolutionärer Jugendbund) bezeichnen sich in ihrem Aufruf als „migrantische Jugendliche“ und haben eigene Erfahrungen mit rassistischer Polizeigewalt. Die neue Gruppierung „All Cops Are Bad“ schreibt: „Neben den überaus berechtigten Protesten gegen rassistische Polizeigewalt hat auch die generelle Infragestellung von Polizei und Autorität den allgemeinen Diskurs erreicht.“

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