Samstag 09.05.15, 18:53 Uhr

Gedenken an die Opfer des Faschismus


Die erste Station beim gestrigen Rundgang auf dem Friedhof “Freigrafendamm”  war das Gräberfeld der sowjetischen ZwangsarbeiterInnen. Felix Libski, Holocaustüberlebender und Mitglied des Klub STERN der Bochumer jüdischen Gemeinde erinnerte: »Dieser Krieg löschte das Leben von 60 000 000 Menschen aus, darunter fast die Hälfte friedliche Zivilisten. Jeder zehnte Tote war ein Jude. Den Größten Schlag dabei erlitten die Sowjetunion und die Rote Armee. Das sowjetische Volk zahlte einen hohen Preis für den Sieg. 27 Millionen Menschen starben, davon 12 Millionen Soldaten und Offiziere. Mehr als 3 Millionen sowjetische Bürger wurden dabei nach Deutschland gebracht und gezwungen zu arbeiten.« Die Rede im Wortlaut.  Anschließend berichteten Regine Hammerschmidt und Rolf Geers vom Kinder- und Jugendring an einem weiteren Gräberfeld von ZwangsarbeiterInnen aus weiteren Ländern über das Ausmaß der Zwangsarbeit im faschistischen Bochum:
»Auf dem Bochumer Stadtgebiet wurden über einhundert Lager und Unterkünfte für mehr als 32.500 Zwangsarbeiterinnen betrieben. Diese kamen aus Polen, Russland, Weißrussland, der Ukraine, Jugoslawien, Belgien, den Niederlanden, Frankreich und aus anderen besetzen Gebieten. Die Zwangsarbeiter wurden in der Landwirtschaft, in Handwerksbetrieben, in städtischen Betrieben, im Privathaushalt und in der Industrie eingesetzt. Die vielen Zwangsarbeiterinnen in Bochum müssen im Stadtbild unübersehbar gewesen sein. Bis 1942 wurden Schulen, Veranstaltungssäle und Gaststätten zu Massenunterkünften umfunktioniert.« Die Rede im Wortlaut. Theo Schwens schilderte dann am Grab seines Großvaters Wilhelm Engel das Schicksal des Zentrumspolitikers und christlichen Gewerkschafters. Näheres.
Auf dem Ehrenrundplatz erklärte Michael Niggemann von der VVN – BDA die Bedeutung der Gedenkstätte: »Diese Kissensteine stehen für acht Arbeiter, die sich trotz Lebensgefahr dem faschistischen System widersetzten, sie leisteten Widerstand gegen den Krieg. Sie informierten sich verbotenerweise über ausländische Sender und schlossen sich in Gruppen zusammen. Im Schutze der Nacht verbreiteten sie Flugblätter und Handzettel und riefen zum Sturz von Adolf Hitler auf, den sie als einen „Bluthund” bezeichneten. Sie sind ihrer Überzeugung treu blieben und bezahlten ihren antifaschistischen Einsatz mit dem Leben.« Die Rede im Wortlaut.
Am Grab von Fritz Husemann erinnerte der Bochumer SPD-Vorsitzende Thomas Eiskirch an den Sozialdemokraten und Gewerkschaftsführer, der vor 80 Jahren am 15. April von den Nazis ermordet wurde. Näheres. Den Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Eiskirch dann anders als eigentlich von ihm vorgesehen nicht auf auf die Würdigung von Fritz Husemann, sondern auf Gedanken darüber, was Demokratie, persönliches Engagement und Zivilcourage für eine Gesellschaft bedeuten und dass darin der wirksamste Schutz vor Faschismus und Terror liege.
Der Rundgang endete vor dem Hochkreuz am Eingang des Friedhofes. Isabell Traude und Marco Wahl von DGB-Jugend fragten in ihrer Rede:» Wir leben in einer Zeit, in der man sich fragt, ob die Lehren aus dem Nationalsozialismus wirklich gezogen worden sind. Pegida gewinnt in Dresden tausende von Anhängerinnen und Anhängern mit rassistischen Parolen und Hetze gegen Flüchtlingen. Die Alternative für Deutschland wäre mit solchen platten Parolen sogar fast in den Bundestag eingezogen. Ihre Hetze basiert auf der gleichen Rassenlehre, die auch die Nationalsozialisten zur Rechtfertigung ihres menschenverachtenden Handelns genutzt haben. Wer Menschen in angebliche Rassen einteilt, teilt Menschen immer in Wertvoll und Unwertvoll ein. Die Konsequenzen diesen Denkens kennen wir. Viele derjenigen Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und viele andere, die gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben, haben Zuflucht in anderen Ländern gefunden und konnten so ihr Leben retten. Die Konsequenz müsste sein, dass wir heute Menschen, die vor Krieg, Folter und Hunger fliehen aufnehmen und ihnen hier ein menschenwürdiges Dasein bieten. Stattdessen wird Europa zu einer Festung ausgebaut und das Mittelmeer ist mittlerweile die tödlichste Grenze der Welt. Tausende von Menschen sterben dort, weil Deutschland, weil die EU sich abschottet. Und wer es hierher schafft, wird unter teilweise katastrophalen Bedingungen untergebracht und versorgt und es geht häufig nur darum, diese Menschen so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Eine Willkommenskultur und ein menschenwürdiger Umgang sieht anders aus!« Die Rede im Wortlaut.

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