Auf Einladung des Straßenmagazins „bodo“ trafen sich am Freitag und Samstag 70 Delegierte von 20 Straßenzeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Bochumer KoFabrik. Die Redaktion von bodo berichtet: [Die Delegierten] »diskutierten die Rolle des Straßenzeitungsnetzwerks INSP bei der Bekämpfung der Wohnungslosigkeitskrise und die Herausforderungen für freien Journalismus und soziale Arbeit in Zeiten von Rechtsverschiebung und Sozialabbau.
Aus dem ganzen deutschsprachigen Raum – von Kiel bis Wien und von Basel bis Dresden – reisten MitarbeiterInnen sozialer Straßenmagazine an: Profis aus Redaktion, Vertrieb und sozialer Arbeit, GeschäftsführerInnen, AktivistInnen, Ehrenamtliche, VerkäuferInnen und Tourguides. An zwei Tagen arbeiteten sie gemeinsam an der Zukunft ihrer gemeinsamen Mission, Armut und Wohnungslosigkeit mit einem journalistischen Produkt in den Händen der Betroffenen zu bekämpfen.
Das internationale Netzwerk der sozialen Straßenzeitungen INSP vereint 92 Projekte aus 35 Ländern. Das deutschsprachige Regionalnetzwerk bildet eine wichtige Sektion, jedoch ist auch die internationale Zusammenarbeit gelebte Praxis. Die Mitglieder von Kanada bis Brasilien, von Finnland bis Serbien und von Japan bis Australien teilen Wissen, journalistischen Content und kooperieren in allen Feldern der Arbeit. Im September findet die nächste globale Konferenz in Glasgow statt. Zu den Gästen der Bochumer Konferenz zählten die INSP-Vorstandsmitglieder Sarah Britz vom Magazin Faktum aus Schweden und Viggo Mastad von Erlik Oslo / Sorgenfri aus Norwegen.
In einer Keynote stellten Dr. Michael Kolocek und sein Team vom Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung ihr laufendes Forschungsprojekt MaBIs (Marginalisierte Bevölkerungsgruppen und die solidarische Innenstadt) vor. Dem Projekt gehören VerkäuferInnen und ehemals wohnungslose MitarbeiterInnen der Straßenmagazine BISS aus München und bodo aus Dortmund und Bochum als Peer-Researcher an. Gemeinsam mit den Forschenden des ILS untersuchen sie die Transformation der Innenstädte und gestalten sie im Sinne des Leitbilds der solidarischen Innenstadt mit.
Den Kern der Tagung bildete ein Workshop-Teil aus 15 Sessions, in dem sich die ganze Bandbreite der Straßenzeitungsbewegung abbildete: Redaktionelle Kooperationen, die Umsetzung eines digitalen Bezahlsystems, Vermittlungs- und Lobbyarbeit etwa mit sozialen Stadttouren und Schulworkshops waren ebenso Thema wie Praxiserfahrungen in der sozialen Arbeit mit wohnungslosen und geflüchteten Menschen.
Sara Winter, Redakteurin bei der Schweizer Straßenzeitung „Surprise“ und Co-Moderatorin der Tagung, fasste zusammen: „Die jährliche Konferenz ist eine Art Branchentreffen, an dem wir StraßenzeitungsmacherInnen Organisationswissen und Best-Practise-Beispiele miteinander teilen. Nur dass wir dabei nicht unseren eigenen Vorteil oder Prozessoptimierung im Sinn haben, sondern gemeinsam eine soziale Bewegung gegen Armut vorantreiben.“
Tagungszentrum war die Quartiershalle der KoFabrik, Kooperationspartner des bodo e.V., der hier vor dem Umbau zum gemeinwohlorientierten Nachbarschaftszentrum eine Anlaufstelle betrieb. An der Stühmeyerstraße befindet sich weiterhin eine Ausgabestelle des Straßenmagazins. Für bodo war die Ausrichtung der jährlichen DACH-Tagung eine Premiere – und ein voller Erfolg.
Tanja Walter, Geschäftsführerin bei bodo, fasste die Tage in Bochum so zusammen: „Wir blicken auf eine rundum gelungene Tagung zurück, die uns allen neue Impulse gegeben hat. Die Erfahrung, in ganz unterschiedlichen Stadtgesellschaften mit dem gleichen großen Engagement an einer gerechteren Gesellschaft und für ein besseres Leben der Schwächsten zu arbeiten, gibt uns Kraft und Zuversicht.“
INSP-Vorstand Viggo Mastad von den norwegischen Straßenzeitungen Erlik Oslo / Sorgenfri betonte: „Die deutschsprachigen Straßenzeitungen haben eine besondere Rolle in unserem Netzwerk, wie auch diese inspirierende, hervorragend organisierte Tagung gezeigt hat. Ich fahre mit dem guten Gefühl nach Hause, dass wir Antworten auf die soziale und politischen Krisen der Gegenwart haben.“«
