„Ärzte gegen Tierversuche“ ruft zur Online-Abstimmung über besonders absurde Tierversuche auf: »Mit diesem Negativpreis möchte der Verein die Öffentlichkeit darüber informieren, was hinter verschlossenen Labortüren und unter Verwendung von Steuergeldern an deutschen Forschungseinrichtungen geschieht. Unter den Nominierten findet sich auch ein Versuch aus Bochum, bei dem Mäusen tiefe Brandwunden zugefügt und zusätzlich die Blutzufuhr in einem Bein unterbrochen wurde. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält solche Versuche, die keinen Nutzen für den Menschen haben, für absurd.
An der Plastischen Chirurgie und Handchirurgie, Schwerbrandverletztenzentrum des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil wurde bei 48 Mäusen unter Narkose mit einem Heißluftgerät eine tiefe Verbrennung des Ohrs hervorgerufen. Dabei wurde ein über 100°C heißer Luftstrom auf das Ohr gerichtet, sodass die Haut schwer geschädigt wurde. Anschließend wurden die Tiere in Gruppen eingeteilt. Ein Teil der Mäuse diente als Kontrollgruppe, während bei den anderen Tieren wiederholt die Blutzufuhr in einem Hinterbein unterbrochen wurde. Dazu wurde ein Band so fest um das Bein gelegt, dass kein Blut mehr hindurchfließen konnte. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt und über mehrere Tage hinweg durchgeführt. In den folgenden Tagen wurde die Wundheilung an den verbrannten Ohren untersucht. Mehrere Tiere starben während der Versuche, die verbliebenen Mäuse wurden am Ende getötet.
Bei dem Versuch sollte untersucht werden, wie sich das wiederholte Abschnüren eines Beins auf die Heilung einer schweren Brandwunde auswirkt. Dr. Johanna Walter, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche, kritisiert diesen Ansatz: „Den Tieren wird nicht nur eine schwere Brandwunde zugefügt, sondern zusätzlich wiederholt die Blutzufuhr in einem Bein unterbrochen – in der Annahme, dass sich dies positiv auf die Heilung an anderer Stelle auswirkt. Ein solcher künstlicher Versuchsaufbau hat mit der Realität von Patienten nichts zu tun. Selbst die Ergebnisse der Studie zeigen keinen Nutzen für die Wundheilung. Die Versuche sind nicht nur extrem leidvoll, sondern wissenschaftlich nicht zielführend.“
Um auf solche besonders absurden Tierversuche aufmerksam zu machen, hat der Verein fünf Tierversuche aus seiner frei verfügbaren „Datenbank Tierversuche” nominiert, die 2024 und 2025 in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.
Neben dem Versuch aus Bochum sind noch vier weitere Experimente nominiert. So wurden in Tübingen Ratten über Wochen Alkoholdämpfen ausgesetzt, um eine Abhängigkeit zu erzeugen. In Erlangen wurden Wüstenrennmäuse extremem Lärm ausgesetzt, um Tinnitus zu erforschen. In Ulm wurden Zebrafischen Teile des Herzens entfernt oder zerstört, um Regenerationsprozesse zu untersuchen. In Magdeburg mussten Gerbils mit Elektroden in ihrem Gehirn über eine Hürde springen, um schmerzhaften Elektroschocks zu entgehen. Ausführliche Beschreibungen der Versuche und die Originalquellen finden sich auf der Aktions-Webseite.
Mit der Abstimmung möchte der Verein exemplarisch einige Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen und zeigen, in was für qualvollen und absurden Experimenten Tiere leiden müssen. Damit soll ein Gegengewicht zu der häufig vorgebrachten Rechtfertigung geschaffen werden, Tierversuche wären mit einer einfachen Blutabnahme beim Tierarzt vergleichbar und dienten dem Wohl des Menschen.
Die Abstimmung ist anonymisiert und läuft bis zum 24. April, dem Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche.«
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