Donnerstag 06.11.25, 18:40 Uhr
Untersuchung des Pestel-Instituts:

In Bochum fehlen 2.900 Wohnungen 1


Einmal mehr hat das Pestel-Institut die regionalen Wohnungsmärkte untersucht. Ergebnis für Bochum: Aktuell fehlen rund 2.900 Wohnungen. Gleichzeitig stehen 3.080 Wohnungen bereits seit einem Jahr oder länger leer. Wer eine Wohnung sucht, solle sich darauf aber keine Hoffnungen machen: Wohnungen, die lange Zeit leer stehen, gingen kaum wieder in die Vermietung.

Die Wissenschaftler haben dabei den Wohnungsbestand, die Bevölkerungsentwicklung sowie Prognosen für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigung in Bochum analysiert. Sie schreiben: »„Vom Arbeitskräftebedarf über die Geburten bis zu den Sterbefällen: Es wird sich in Bochum eine Menge tun – und auf dem Wohnungsmarkt tun müssen. Das bedeutet konkret: In den nächsten fünf Jahren müssen rund 470 neue Wohnungen in Bochum gebaut werden – und zwar pro Jahr“, sagt Matthias Günther.

Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts hält dieses Wohnungsbaupensum in Bochum für machbar. So habe es im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 420 Baugenehmigungen für neue Wohnungen in Bochum gegeben. „Das könnte reichen, um den Wohnungsbedarf zu decken“, so Matthias Günther. Dazu dürfe es mit den Baugenehmigungen in Bochum „jederzeit bergauf, aber nicht mehr bergab gehen“.

Außerdem sei eine Baugenehmigung zunächst nur eine geplante Wohnung auf dem Papier: „Am Ende muss jede genehmigte Wohnung auch tatsächlich gebaut werden. Das klappt aber nur, wenn bundespolitisch mehr passiert: Der Bund muss den Neubau von Wohnungen wieder ankurbeln. Und das möglichst schnell“, so Günther.

Dabei gibt es für den Leiter des Pestel-Instituts vor allem ein effektives Instrument, das den Wohnungsbau auch in Bochum flott in Fahrt bringen würde: „Dringend notwendig ist günstiges Baugeld. Der Bund muss ein Zins-Programm auflegen: Maximal 2 Prozent Zinsen – teurer darf die Finanzierung beim Wohnungsbau nicht sein. Dann wären deutlich mehr private Bauherren, aber auch Investoren endlich wieder in der Lage, neue Wohnungen in Bochum zu bauen. Vor allem würde das schnell einen Effekt bringen: Mit einem Niedrigzins-Baugeld würde der Bund einen wirklichen Turbo für den Neubau von Wohnungen starten“, ist der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts überzeugt.

Die Wissenschaftler haben die regionale Wohnungsmarkt-Analyse im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) durchgeführt. Dessen Präsidentin fehlen klare Signale – Anreize, die kurzfristig wirken: „In Sachen Wohnungsbau passiert bei der neuen Bundesregierung zu wenig. Nur das Schlagwort ‚Wohnungsbau-Turbo‘ geistert seit Monaten durch die Republik. Doch von einem ‚Turbo‘ kann keine Rede sein. Die Maßnahmen wirken nur mittel- bis langfristig. Jedenfalls ist von dem versprochenen ‚Turbo-Effekt‘ in Bochum und auch sonst nirgendwo etwas zu merken“, sagt Katharina Metzger. Selbst da, wo es ein Plus bei den Baugenehmigungen gebe, passiere dies auf „denkbar niedrigem Niveau“.

Dabei sei der Wohnungsbau ein wichtiger Motor der Binnenkonjunktur: „Läuft der Wohnungsbau, dann läuft auch die Wirtschaft. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Bundeskanzler Merz den Wohnungsbau jetzt zur Chefsache macht“, fordert die Präsidentin des Baustoff-Fachhandels. Passiere nichts, dann sacke der Neubau weiter ab. Schon jetzt verliere der Bau Tag für Tag Kapazitäten: „Bauunternehmen gehen in die Insolvenz. Bauarbeiter verlieren ihre Jobs“, so Metzger.

Außerdem sei das Bauen zu kompliziert und zu teuer geworden, kritisiert der Baustoff-Fachhandel. Ein Punkt, den auch das Pestel-Institut unterstreicht: „Deutschland muss dringend wieder einfacher bauen. Wenn der Bund alle Auflagen und Vorschriften der letzten zehn Jahre komplett zurücknehmen würde, dann könnten in Bochum ziemlich schnell wieder deutlich mehr und deutlich günstigere Wohnungen gebaut werden. Und zwar Wohnungen mit einem guten Standard. Manchmal ist weniger eben mehr“, sagt Matthias Günther.

Der Chef des Pestel-Instituts wirft dem Bund vor, dem Wohnungsbau „zehn Jahre lang durch immer schärfere Gesetze und Verordnungen viel unnötigen Ballast zugemutet zu haben“. Das habe die Kosten im Wohnungsbau und damit auch die Mieten regelrecht nach oben getrieben, so der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. „Vor allem völlig überzogene Energiespar-Auflagen beim Neubau haben unterm Strich für die Umwelt wenig gebracht, das Wohnen aber enorm viel teurer gemacht“, sagt BDB-Präsidentin Katharina Metzger.«


Ein Gedanke zu “In Bochum fehlen 2.900 Wohnungen

  • aha

    Wenn eine nahezu gleich hohe Anzahl an Wohnungen leer stehen, wie fehlen, fällt es schon ziemlich schwer, dies gedanklich nicht zusammenzubringen. Und ob Langzeitleerstände tatsächlich „nicht wieder in die Vermietung gehen“, kann auch nicht mehr als sicher gelten, seit die Stadt Bochum über eine Wohnraumschutzsatzung verfügt, die es ermöglicht, Leerstände mit einem Bußgeld zu ahnden. Es wird die Aufgabe der Stadt sein, diese Satzung mit Leben zu erfüllen und alles dafür zu tun, Leerstände wieder dem Markt zuzuführen.
    Bekannt ist außerdem, dass in Bochum nicht einfach nur Wohnungen fehlen, sondern in erster Linie preisgünstige Wohnungen. Der hier als Lösung propagierte Neubau führt allerdings nicht zu Wohnungen mit günstigen Mieten. Aufgrund der Rahmenbedingungen im Wohnungsbau – insbesondere Grundstückskosten, Baustoffkosten, Hypothekenzinsen – müssen im Neubau 10 bis 12 Euro pro qm verlangt werden, um kostendeckend zu vermieten. Ein Durchforsten des Vorschriftendschungels allein wird daran wenig ändern.

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