Mittwoch 09.09.26, 21:35 Uhr
Dreitätiges Festival im Bahnhof Langendreer

Unforgotten Fasia Jansen


Vom 17. bis 19. September findet im Bahnhof Langendreer das politisch-künstlerische Festival „Unforgotten Fasia Jansen – Black Art & Resistance“ statt. Es erinnert an Schwarze Menschen, die unter dem Nationalsozialismus verfolgt wurden, ihre Lebensrealitäten, Widerstände und kulturelle Ausdrucksformen. Gewürdigt wird insbesondere das Leben und Vermächtnis der afro-deutschen Sängerin und Aktivistin Fasia Jansen. Die Überlebende der NS-Zeit zählte über 50 Jahre zu den wichtigsten Stimmen der antirassistischen, feministischen und gewerkschaftlichen Bewegungen in Westdeutschland und international.

An drei Tagen verbindet das Festival Ausstellung, Musik, Workshops und Vorträge. Im Mittelpunkt des Programms stehen Schwarze Geschichte in Deutschland, Erinnerungskultur und die Frage, wie Kunst Räume für Gedenken, Austausch und Widerstand schaffen kann. Initiiert und kuratiert wurde es von von dem Historiker Fidel Amoussou-Moderan und dem Musiker Noah Weber vom Afrik NRW. Das Kollektiv hat sich 2022 in Bochum gegründet und zum Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Erfahrungen der Schwarzen Gemeinschaft in Europa zu sammeln und »Perspektiven auf Geschichte, Kunst und Widerstand jenseits kolonialer, weißer und eurozentrischer Narrative« sichtbar zu machen.

Das von einem Netzwerk getragene Festival, darunter die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), in Anknüpfung an das gewerkschaftlicheWirken von Fasia Jansen der DGB und als maßgeblicher Mitveranstalter der Bahnhof Langendreer, richtet sich sowohl an die Schwarze Community als auch an die breitere deutsche Gesellschaft. Laut Ankündigung reagiert es auf »die gegenwärtige politische Situation, in der Schwarze Perspektiven in Erinnerungskultur, Museen und Archiven noch immer unterrepräsentiert sind und weiter in die Unsichtbarkeit gedrängt werden.« Beispielhaft dafür steht Fasia Jansen, deren außergewöhnliches Leben und politisches Wirken bis heute vielen (weissen) Menschen unbekannt ist.

Wer war diese Frau? Ihre historische und aktuelle Bedeutung für die Frauenfriedensbewegung thematisiert das atelier automatique nächsten Sonntag. Die Presseinformation des Bahnhofs Langendreer stellt sie gleichermaßen nüchtern wie eindrucksvoll so vor:

»Fasia Jansen (1929–1997) wurde in Hamburg als Tochter eines Hausmädchens und des liberianischen Generalkonsuls Momolu Massaquoi geboren. Als Schwarzes Kind wurde sie im Nationalsozialismus verfolgt: 1940 erhielt sie mit elf Jahren im Gesundheitsamt eine Zwangsinjektion, deren Folgen sie ihr Leben lang trug, sie gingzeitlebens davon aus, dass man sie sterilisieren wollte. 1942 nahmen ihr rassistischen Gesetze die Tanzausbildung. Mit fünfzehn wurde sie zur Zwangsarbeit in eine Barackenküche verpflichtet, die auch die Frauen aus dem Außenlager Neuengamme versorgte; die Gewalt der SS an den jüdischen Häftlingen erlebte sie unmittelbar mit.

1960 lehnte die Bundesrepublik ihren Entschädigungsantrag ab, Schwarze Deutsche hätten nicht zu den kollektiv Verfolgten desNationalsozialismus gezählt. Danach wurde sie eine der wichtigsten künstlerischen Stimmen der westdeutschen sozialen Bewegungen. Sie sang bei Arbeitskämpfen im Ruhrgebiet, auf Friedensmärschen, in der Anti-Apartheid-Arbeit und 1985 auf der UNO-Frauenkonferenz in Nairobi, wo sie Angela Davis begegnete. 1991 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. In deutschen Schulbüchern kommt sie bis heute nicht vor.«

Wann: 17.–19. September 2026
Zeit: nach Tag unterschiedlich
Ort: Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108, 44894 Bochum
Der Eintritt ist frei.



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