8. Mai 2026 – 81. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg
Liebe Anwesende!
Vor den Gräbern für die in Bochum umgekommenen Zwangsarbeiter sind wir hier an der Gedenkstätte für die von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfern angekommen. Vielfach hatten Widerstandskämpfer Kontakte zu Zwangsarbeitern, vor allem in den Betrieben, gesucht. Sie waren sich einig in ihrer Gegnerschaft zu Hitler und dem Naziregime. Sie wollten ein Ende des Krieges.
Dieser Ehrenrundplatz wurde von der Stadt Bochum 1947 geschaffen, die Stele hinter mir 2008 von der VVN-BdA gestiftet und eingeweiht.
Die Inschrift der Stele lautet: „Zum Gedenken an die ermordeten Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime.“ Rechts und links von mir sind, mitten in grüner Bepflanzung, acht Kissensteine eingebettet, die die Namen und Lebensdaten von Arbeitern enthalten, die hingerichtet wurden oder in Konzentrationslagern den Tod fanden.
Diese Gräber verweisen darauf, dass es Widerstand gegen den Faschismus und Krieg in Deutschland kontinuierlich gegeben hat. Auch wenn diejenigen, die Widerstand leisteten oder in anderen Formen ihre Gegnerschaft zum Faschismus zeigten, eine Minderheit darstellten, hat ihr Einsatz bis heute eine hohe politische und moralische Bedeutung.
Der Widerstand war vielfältig. Er reichte vom passiven, dem jüdischen, dem christlichen und dem der Arbeiterschaft. Auch Frauen bildeten einen starken Rückhalt für den Widerstand. Vereinzelt gab es auch den späten Widerstand von einigen militärischen Kreisen.
Heute erleben wir, wie der Widerstand der Arbeiterbewegung vielfach in der gesellschaftlichen Wahrnehmung verdrängt und verfälscht wird.
Lasst mich deshalb etwas zu dem Widerstand der Gewerkschaften und der Arbeiterparteien sagen. Diese Gedenkstätten bieten einen guten Anlass dafür. Diese Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Kommunisten starben in Konzentrationslagern oder wurden mit dem Fallbeil hingerichtet.
Sie waren in Bochumer Betrieben und Zechen verankert und kämpften meist auch schon vor 1933 gegen Hitler, die NSDAP, SA und SS.
Die Angehörigen der Arbeiterbewegung waren als erste das Ziel von Terror, Verfolgung und Gewalt der Nazis. Sie wurden in Bochumer Folterkellern wie der Gerther Hegelschule, den Pluto-Garagen oder dem früheren KZ Gibraltar gequält und geschlagen. Einige von ihnen starben an den dabei erlittenen Verletzungen.
Die Gewerkschaften und Arbeiterparteien wurden verboten, ihre Mitglieder entrechtet. Aber Widerstand gegen den Faschismus gab es auch in den folgenden Jahren. Schwerpunkte waren die Betriebe der Schwerindustrie an Rhein und Ruhr. Immer wieder wurden Widerstandszellen gebildet und der Versuch unternommen, Aufklärung über das Naziregime zu leisten und den eigenen Zusammenhalt zu stärken.
Gruppen von Widerstandskämpfern, die in Betrieben in Bochum, Essen und Dortmund sowie deren Umfeld illegal Schriften und Flugblätter verbreitet hatten, wurden zwischen 1934 und 1936 von der Gestapo entdeckt.
Fritz Husemann, der Bergarbeiterführer, starb 1936 im KZ Esterwegen an den Folgen von Schussverletzungen, die die KZ-Bewacher ihm zugefügt hatten.
Widerstandskämpfer wie Karl Springer aus Bochum, Richard Greschok und Emil Skeris aus Herne wurden schon bei der Vernehmung von der Gestapo im Bochumer Polizeipräsidium zu Tode geprügelt.
Trotzdem hielt der Widerstand in den Betrieben auch in den Kriegsjahren an. Auf einem dieser Kissensteine steht der Name von Josef Langner. Josef Langner wohnte in Riemke und arbeitete auf dem Bochumer Verein.
Er gehörte zu einer Widerstandsgruppe im Stahlwerk II. Diese hatte intensive Kontakte zu Zwangsarbeitern. Die Nachrichten von abgehörten ausländischen Sendern, z. B. über das Vorrücken der sowjetischen Streitkräfte, waren vor allem für die Zwangsarbeiter wichtig und stärkten ihren Lebensmut.
Ende 1942 wurde diese Gruppe von der Gestapo verhaftet. In der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof am 17. September 1943 wurde Josef Langner zum Tode verurteilt und anschließend hingerichtet.
Den Kommunisten Moritz Pöppe und Johann Schmidtfranz gelang es die größte Widerstandsgruppe während des 2. Weltkrieges in Bochum aufzubauen. Die Angehörigen dieser Gruppe trafen sich in der Gaststätte Dorlöchter in der Kanalstraße, verbreiteten Nachrichten von BBC und Radio Moskau. Sie sammelten von alliierten Flugzeugen abgeworfene Flugblätter, gaben diese weiter und verbreiteten selbstgefertigte Handzettel mit dem Text: „Nieder mit dem Bluthund A. Hitler“.
Auch diese Gruppe wurde von der GESTAPO entdeckt, Pöppe und Schmidtfranz zum Tode verurteilt und Ende 1944 hingerichtet. Ihre Kissensteine sind auch hier zu sehen.
Diese Widerstandskämpfer und viele andere, die ihren Idealen und Überzeugungen treu blieben, bezahlten ihren antifaschistischen Einsatz mit dem Leben. Aber ihr Tod und ihre Taten sind nicht vergessen. Ihr Vermächtnis lebt in uns fort. Ohne die Widerstandskämpfer, die Toten und die Überlebenden, ohne die Tausenden, die 1945 den Schwur im befreiten KZ Buchenwald leisteten, „den Nazismus auszurotten“, wäre der Neubeginn schwer möglich gewesen. Ihr beispielhafter Kampf war und ist ein wesentlicher Grundpfeiler für den Wiederaufbau nach der Zeit von Faschismus und Krieg und ist es bis heute.
Liebe Anwesende!
Nach wie vor gilt Brechts Warnung, die er im Schlusssatz des Epilogs zum Theaterstück „Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturio Ui formuliert: „Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert … Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
Brecht drückte damit aus, dass die Kräfte, die den Faschismus an die Macht brachten, weiterhin existent sind. Und ich füge hinzu: bis in die heutige Zeit.
Und – wie aktuell dies ist, zeigt die jüngste Entwicklung in unserem Land. Flüchtlingsheime werden angegriffen, Übergriffe auf Andersdenkende, Politiker und Wahlkämpfer nehmen drastisch zu. Es wird schlimmste Hetze gegen Geflüchtete und Andersdenkende verbreitet, und rechte Gruppen besuchen linke Treffpunkte in Bochum, um zu provozieren und den Beginn eines Kulturkampfes anzudrohen.
Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) ist zum Sammelbecken für Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und soziale Ausgrenzung geworden. Sie ist zum Zentrum der extremen Konservativen und Rechten geworden. Abgeordnete der AfD verbreiten Nazi-Parolen und hetzen gegen Andersdenkende in Gemeindevertretungen und Parlamenten.
Die AfD und mit ihr der Rechtsruck sind zu einer ernsthaften Gefahr für die Demokratie, für uns alle geworden!
Der Umgang mit der AfD ist zum Streitfall in der Republik geworden. Kreise der CDU und der Wirtschaft fordern die Einbeziehung der AfD in die Politik und die parlamentarische Arbeit. Die Konzeption „sie würden so entzaubert“ hat schon bei Hitler und seiner NSDAP nicht funktioniert.
Hinweisen möchte ich auch auf die besondere Rolle der Wirtschaft und Konzerne hier an Rhein und Ruhr am Aufkommen des Faschismus und der Kriegsvorbereitung und Rüstung.
1936 wurde in einem „Vierjahresplan“ die Doktrin verkündet Deutschland müsse in vier Jahren kriegsfähig sein. Ohne die heutige Situation mit damals gleichzusetzen, erinnert mich das aber doch an die heutige Diskussion, Deutschland müsse „kriegstüchtig“ werden. Es werden enorme Schulden aufgenommen, um dieses Ziel zu erreichen. Parallel dazu wird der Sozialabbau vorangetrieben. – Und: Die Gewinne der Rüstungskonzerne wie Rheinmetall gehen wieder rasant steil nach oben.
Daran – am 81. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg – zu erinnern, ist sicherlich auch im Sinne der Menschen, an die wir uns an dieser Stelle erinnern.
Nie wieder Faschismus! Stoppt die Kriege!