Das Bezirksjugendwerk der AWO lädt am Montag, den 18. Mai um 19.30 Uhr in der Zanke zu einem Vortrag ein: »Im ehemaligen Jugoslawien, das nach dem Bruch mit Stalin eine bis heute einzigartige Richtung der staatlich forcierten Arbeiterselbstverwaltung einschlug, entwickelte sich auch eine neue Art, Marx zu interpretieren.
Um die Zeitschrift ›Praxis‹ sammelten sich über das ganze Land verstreute Intellektuelle, die eine Revision des bis dahin vorherrschenden Marxismus-Leninismus vornahmen. Sie wandten sich gegen die Trennung des marx’schen Werks in einen frühen idealistischen und einen späten (oder auch reifen) ökonomischen Marx. Dabei sahen sie den Begriff der Entfremdung als zentral für das Gesamtwerk und setzten ihn in den Mittelpunkt ihrer kritischen Revision. Der Mensch sei ein schöpferisches Wesen, ein Wesen der Praxis, und die Entfremdung könne nur durch die völlige Umgestaltung des Produktionsprozesses aufgehoben werden, was wiederum nur durch eine umfassende gesellschaftliche Selbstverwaltung geschehen könne. Erst in dieser könne der Mensch sein ganzes Potential erfüllen, erst richtig Mensch werden.
Im Rahmen des Vortrags sollen die gesellschaftlichen Hintergründe wie auch die zentralen Begriffe, auf die sich die Gruppe stützte, erläutert und zur Diskussion gestellt werden. Außerdem wird dazu eingeladen, gemeinsam der Frage nachzugehen, welchen Nutzen die Theorie der Praxis-Gruppe heute noch für eine kritische Betrachtung der Verhältnisse haben kann.
Frederik Fuß ist Herausgeber des Sammelbandes „Der vergessene Marxismus. Beiträge der jugoslawischen Praxis-Gruppe“ und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Hochschule NRW, Aachen. Derzeit promoviert er zur anarchosyndikalistischen Presse der Weimarer Republik. Zuletzt erschien von ihm zum Thema des Vortrags der Artikel „Kritischer Marxismus zwischen Staat, Repression und Selbstverwaltung. Zur Geschichte der jugoslawischen Praxis-Gruppe“ in der Phase Zwei, Nr. 61.«
