Kurdistan ist kein Ort.
Kurdistan ist ein Zustand.
Ein Zustand von Angriff.
Ein Zustand von Widerstand.
Ein Zustand von Leben, das sich nicht brechen lässt.
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Und dieser Zustand wird angegriffen.
Jetzt. Gleichzeitig. Überall.
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In Başûr –
Bomben. Drohnen. Raketen.
Zivile Gebiete werden getroffen.
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In Rojhilat –
Verhaftungen. Folter. Hinrichtungen.
Menschen verschwinden, weil sie „Jin, Jiyan, Azadî“ sagen.
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In Rojava –
gezielte Angriffe auf Infrastruktur, auf Selbstverwaltung,
auf eine Gesellschaft, die Frauen ins Zentrum stellt.
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In Bakur –
Kriminalisierung. Repression. Assimilation.
Ein Volk, dem bis heute Sprache und Existenz abgesprochen wird.
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Das ist kein Chaos.
Das ist kein Zufall.
Das ist ein System.
Ein koordinierter Versuch,
eine Bewegung zu zerstören,
bevor sie stärker wird.
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Und während das passiert?
Stille.
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Wo sind die Stimmen jetzt?
Wo sind die Menschen,
die damals auf die Straße gegangen sind?
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Als „Jin, Jiyan, Azadî“ ein Trend war,
waren viele laut.
Jetzt?
Wo weiter gestorben wird?
Leise.
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Das nennen wir, was es ist:
Selektive Solidarität.
Bequeme Solidarität.
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Aber Freiheit ist nicht bequem.
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Wir sagen klar:
Wer nur da ist, wenn es sichtbar ist,
ist nicht solidarisch.
Wer nur da ist, wenn es einfach ist,
ist nicht solidarisch.
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Solidarität heißt:
Bleiben.
Laut bleiben.
Handeln.
Auch wenn es Konsequenzen hat.
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Denn ja — Druck ist möglich.
Man kann protestieren.
Man kann organisieren.
Man kann politische Verantwortliche unter Druck setzen.
Aber zu oft passiert:
Nichts.
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Und genau deshalb stehen wir heute hier.
Nicht, weil es einfach ist.
Sondern weil es notwendig ist.
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Von Kobanê
bis Mahabad
von Şengal
bis Amed —
Das ist ein Kampf.
Ein zusammenhängender Kampf.
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Und in Rojava sehen wir,
warum dieser Kampf so gefährlich ist.
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Dort wurde aufgebaut,
was zerstört werden soll:
Eine Gesellschaft,
die sich an Frauen orientiert.
An Selbstverwaltung.
An kollektiver Verantwortung.
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Jin, Jiyan, Azadî ist dort kein Slogan.
Es ist Realität.
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Und genau deshalb wird es angegriffen.
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Die YPG und YPJ verteidigen mehr als Land.
Sie verteidigen die Idee,
dass Frauen sich selbst verteidigen.
Dass Macht von unten kommt.
Dass Freiheit genommen wird.
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Und wir müssen es sagen:
Europa ist nicht außen.
Europa liefert Waffen.
Europa kriminalisiert kurdische Bewegungen.
Europa schaut zu.
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Das ist keine Neutralität.
Das ist Beteiligung.
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Und wir?
Wir sind Diaspora.
Wir sind nicht neutral.
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Und deshalb reicht es nicht,
zu sagen:
„Ich unterstütze alle.“
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Unterstützung ist kein Satz.
Unterstützung ist eine Entscheidung.
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Eine Entscheidung,
nicht wegzuschauen.
Eine Entscheidung,
nicht leise zu werden.
Eine Entscheidung,
zu handeln.
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Das Leiden unserer Eltern
ist nicht Vergangenheit.
Es ist Gegenwart.
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Und wenn wir heute schweigen,
wird es Zukunft bleiben.
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Deshalb stehen wir hier.
Nicht symbolisch.
Nicht selektiv.
Nicht leise.
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Sondern laut.
Sondern klar.
Sondern gemeinsam.
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Jin. Jiyan. Azadî.
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Jin —
keine Freiheit ohne Frauen.
Jiyan —
kein Leben unter Unterdrückung.
Azadî —
keine Freiheit ohne Kampf.
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Kî ne em?
Em Kurd in.
Em jin in.
Em jiyan in.
Em azadî ne.
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Yekîtiya gelê Kurd!
Her bijî Kurd û Kurdistanê!
Bijî berxwedana jinan!
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Jin. Jiyan. Azadî.