Samstag 02.05.26, 11:20 Uhr
Vorabenddemo "Den Zuständen keine Ruhr" am 30. 4. 26 in Witten

Redebeitrag von Riseup4rojava Ruhr


Kurdistan ist kein Ort.
Kurdistan ist ein Zustand.

Ein Zustand von Angriff.
Ein Zustand von Widerstand.
Ein Zustand von Leben, das sich nicht brechen lässt.

Und dieser Zustand wird angegriffen.
Jetzt. Gleichzeitig. Überall.



In Başûr –
Bomben. Drohnen. Raketen.
Zivile Gebiete werden getroffen.

In Rojhilat –
Verhaftungen. Folter. Hinrichtungen.
Menschen verschwinden, weil sie „Jin, Jiyan, Azadî“ sagen.

In Rojava –
gezielte Angriffe auf Infrastruktur, auf Selbstverwaltung,
auf eine Gesellschaft, die Frauen ins Zentrum stellt.

In Bakur –
Kriminalisierung. Repression. Assimilation.
Ein Volk, dem bis heute Sprache und Existenz abgesprochen wird.

Das ist kein Chaos.
Das ist kein Zufall.

Das ist ein System.

Ein koordinierter Versuch,
eine Bewegung zu zerstören,
bevor sie stärker wird.

Und während das passiert?

Stille.

Wo sind die Stimmen jetzt?
Wo sind die Menschen,
die damals auf die Straße gegangen sind?

Als „Jin, Jiyan, Azadî“ ein Trend war,
waren viele laut.

Jetzt?
Wo weiter gestorben wird?

Leise.

Das nennen wir, was es ist:

Selektive Solidarität.

Bequeme Solidarität.

Aber Freiheit ist nicht bequem.

Wir sagen klar:

Wer nur da ist, wenn es sichtbar ist,
ist nicht solidarisch.

Wer nur da ist, wenn es einfach ist,
ist nicht solidarisch.

Solidarität heißt:

Bleiben.
Laut bleiben.
Handeln.

Auch wenn es Konsequenzen hat.

Denn ja — Druck ist möglich.

Man kann protestieren.
Man kann organisieren.
Man kann politische Verantwortliche unter Druck setzen.

Aber zu oft passiert:

Nichts.

Und genau deshalb stehen wir heute hier.

Nicht, weil es einfach ist.
Sondern weil es notwendig ist.

Von Kobanê
bis Mahabad
von Şengal
bis Amed —

Das ist ein Kampf.

Ein zusammenhängender Kampf.

Und in Rojava sehen wir,
warum dieser Kampf so gefährlich ist.

Dort wurde aufgebaut,
was zerstört werden soll:

Eine Gesellschaft,
die sich an Frauen orientiert.
An Selbstverwaltung.
An kollektiver Verantwortung.

Jin, Jiyan, Azadî ist dort kein Slogan.

Es ist Realität.

Und genau deshalb wird es angegriffen.

Die YPG und YPJ verteidigen mehr als Land.

Sie verteidigen die Idee,
dass Frauen sich selbst verteidigen.

Dass Macht von unten kommt.

Dass Freiheit genommen wird.

Und wir müssen es sagen:

Europa ist nicht außen.

Europa liefert Waffen.
Europa kriminalisiert kurdische Bewegungen.
Europa schaut zu.

Das ist keine Neutralität.

Das ist Beteiligung.

Und wir?

Wir sind Diaspora.

Wir sind nicht neutral.

Und deshalb reicht es nicht,
zu sagen:

„Ich unterstütze alle.“

Unterstützung ist kein Satz.
Unterstützung ist eine Entscheidung.

Eine Entscheidung,
nicht wegzuschauen.

Eine Entscheidung,
nicht leise zu werden.

Eine Entscheidung,
zu handeln.

Das Leiden unserer Eltern
ist nicht Vergangenheit.

Es ist Gegenwart.

Und wenn wir heute schweigen,
wird es Zukunft bleiben.

Deshalb stehen wir hier.

Nicht symbolisch.
Nicht selektiv.
Nicht leise.

Sondern laut.

Sondern klar.

Sondern gemeinsam.

Jin. Jiyan. Azadî.

Jin —
keine Freiheit ohne Frauen.

Jiyan —
kein Leben unter Unterdrückung.

Azadî —
keine Freiheit ohne Kampf.

Kî ne em?

Em Kurd in.
Em jin in.
Em jiyan in.
Em azadî ne.

Yekîtiya gelê Kurd!
Her bijî Kurd û Kurdistanê!
Bijî berxwedana jinan!

Jin. Jiyan. Azadî.