»Endlich mal echte Bürgerbeteiligung in Bochum!« verspottet das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung den vom Stadtrat in die Wege geleiteten Bürgerentscheid »Olympia/Paralympics Köln/Rhein-Ruhr« und spricht voll Ironie von einer »vom Rat gewährten direkten Demokratie«. Die Frage, ob sich Bochum gemeinsam mit andern Kommunen im Ruhrgebiet und Köln um die Austragung kommender Olympischer und Paralympischer Sommerspiele bewerben soll, sei zudem an die Bürger:innen weitergegeben worden, ohne diese umfassend über die möglichen, vor allem finanziellen Folgen einer erfolgreichen Bewerbung zu informieren.
»Zwar wird an BOGESTRA-Haltestellen farbenfroh für Olympia geworben – und mittlerweile fährt die Linie 302 mit Werbung für die Spiele als Olympia-Express nach Gelsenkirchen und zurück.« Mögliche Nachteile für Bochum und die Risiken, die für die Stadt mit der Austragung der Spiele einher gehen könnten, würden dagegen nicht öffentlich diskutiert, so Wolfgang Czapracki- Mohnhaupt, Sprecher Netzwerks. »Aber vielleicht wissen Politik und Verwaltung ja selbst nicht, auf was sie sich mit einer Bewerbung einlassen.«
Zur Begründung ihrer Vermutung, dass die Stadtoberen insbesondere zur bedeutsamen Kostenfrage nichts sagen können, verweist die Gruppe zum einen auf den Flyer, der mit den Abstimmungsunterlagen zum Bürgerentscheid versandt wurde. Denn unter den dort wieder gegebenen Kostenschätzungen für die Bewerbung und gegebenenfalls Austragung der Spiele findet sich bezeichnenderweise der Vermerk: „Die Bewerbung erfolgt im Verbund als Region. Daher ist das Land NRW Urheber der vorliegenden Informationen zur Kostenschätzung.“ Zum anderen zieht sie die Antwort der Verwaltung auf eine 30 Fragen umfassende Anfrage der Fraktion Die Linke im Stadtrat als Beleg heran, in der es zu den inhaltlichen Punkte schlicht heißt: »… wurde die Anfrage an die Staatskanzlei weitergeleitet mit der Bitte sich dazu zu verhalten.“
»Wie sollen Bürger:innen aber verantwortungsbewusst entscheiden, wenn die Verwaltung selbst für Bochum keine Antworten auf die unterschiedlichsten Fragestellungen hat?«, gibt das Netzwerk zu bedenken und konstatiert: »Eine Bürgerentscheidung kann auf dieser Basis nur lauten: NEIN«
- Beschlussvorlage der Verwaltung zu Durchführung des Ratsbürgerentscheides
- Einladung zur einzigen Veranstaltung der Stadt zum Ratsbürgerentscheid
- Kritik des Netzwerkes: Ohne ausreichende Information kein Bürgerentscheid möglich!
- Liste der Beteiligungsverfahren ohne Olympia-Entscheidung
- Informationsüberblick, auf den in den Briefunterlagen nicht hingewiesen wird
- Stellungnahme des Netzwerks für bürgernahe Stadtentwicklung vom 13.4.2026