Freitag 27.03.26, 22:17 Uhr

Bürgerbeteiligung in Bochum – nur noch alle fünf Jahre ein Kreuz! 2


Mit den Ratsbeschlüssen vom 19. 3. 2026 ist Bürgerbeteiligung in Bochum nun auf dem Tiefpunkt angelangt, kommentiert das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung. Denn der Rat hat nicht nur das in § 24 Gemeindeordnung NRW (GO NRW) garantierte kommunale Petitionsrecht gestutzt, er hat auch gleich die Fragehalbestunde im Rat ganz gestrichen. Also noch weniger Bürgerbeteiligung in Bochum!

Das Netzwerk schreibt: »Die Frist für Eingaben nach § 24 GO NRW ist von fünf auf sieben Werktage verlängert worden. Die Frist zur Veröffentlichung von Ladung und Tagesordnung im Ratsinformationssystem beträgt aber ebenfalls sieben Werktage. Wird die Ladungsfrist ausgeschöpft, sind Eingaben zu aktuellen Tagesordnungspunkten künftig quasi ausgeschlossen.

Die Streichung der Fragehalbestunde hat eine überwiegende Mehrheit der im Rat vertretenden demokratischen Parteien erst einen Tag vor der Ratssitzung mit ihrem Antrag eingeleitet. Nicht mitgemacht haben nur „Die Linke“, „Die Stadtgestalter“, „Volt“ und „Die Partei“.

In der Sitzung konnte das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung noch so auf die SPD-Wahlversprechen für mehr Bürgerbeteiligung und auf die Antrittsrede von Oberbürgermeister Jörg Lukat verweisen, die überwiegende Mehrheit wollte weniger Bürgerbeteiligung. Auch der Hinweis, dies würde nur Politikverdrossenheit und Rechtsruck fördern, wurde offenbar nicht gehört. Die antragstellende Mehrheit im Rat sah sich nicht einmal veranlasst, die kurzfristig angestoßene Streichung auch nur mit einem Wort zur rechtfertigen. Offenbar sollen Sitzungen nicht durch Beiträge aus der Zivilgesellschaft gestört werden. Diese mag an den Sitzungen als Zuhörerschaft teilnehmen oder die Sitzung besser gleich am Rats-TV verfolgen. In fünf Jahren dann aber bitte zur Aufrechterhaltung der Demokratie nicht das Kreuzchen vergessen!

Ergebnis dieser denkwürdigen Ratssitzung:
Selbst die gesetzlich garantierte Beteiligung der Zivilgesellschaft in den Sitzungen ist in Bochum eingedampft!

Gewinnerin dieser Sitzung einmal mehr die Partei, die den Menschen mit einfachen Lösungen das Blaue vom Himmel verspricht, sich demokratisch gewählt immer mehr in den Parlamenten breit macht, dabei aber weiterhin gerichtlich festgestellt verfassungsfeindlicher Bestrebungen verdächtig bleibt.

Ein denkbar schlechtes Ergebnis für die Demokratie – nicht nur in Bochum!


2 Gedanken zu “Bürgerbeteiligung in Bochum – nur noch alle fünf Jahre ein Kreuz!

  • Sudel-Ede

    Tja liebes „Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung“. Das ist halt die Folge der gescheiterten Koalitionsverhandlungen zu RRG. Fragt doch mal woran die „Gespräche“ scheiterten. Mit Sicherheit nicht an der Fragehalbestunde und an der Frist für Eingaben nach § 24 GO NRW von fünf auf sieben Werktage. Die cDU hat sich halt die Zustimmung zu den kommenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt usw. was kosten lassen. Ihr wisst jetzt auch schon was. Es macht halt doch einen Unterschied welche Mehrheiten im Stadtrat „regieren“. Tja, ich weiß noch immer nicht warum die „Koalitionsverhandlungen“ nur wenige Stunden dauerten….Wisst ihr mehr? Dann schreibt es doch.

  • AlterBeobachter

    „Ergebnis dieser denkwürdigen Ratssitzung:
    Selbst die gesetzlich garantierte Beteiligung der Zivilgesellschaft in den Sitzungen ist in Bochum eingedampft!“

    Nach der Gemeindeordnung § 48 NRW können Fragestunden für Einwohner/innen in die Tagesordnung von Ratssitzungen aufgenommen werden. KÖNNEN heißt nicht müssen!
    Somit ist auch nichts undemokratisches passiert.

    Da wird von den „Netzwerkern“ mal wieder eine Dramatik verbreitet die nicht mit der Wirklichkeit zu tun hat.

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