Samstag 14.03.26, 08:30 Uhr
Mehr verunglückte Radfahrende in Bochum

Schluss mit verharmlosenden Unfallberichten! 1


Die neue Verkehrsunfallstatistik für Bochum zeigt einen erneuten Anstieg bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Besonders alarmierend ist aus Sicht des ADFC Bochum die Entwicklung beim Radverkehr: Immer mehr Menschen verunglücken auf dem Fahrrad.

Der ADFC schreibt: »Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 910 Verkehrsunfälle mit Personenschaden – 24 mehr als im Vorjahr (+2,71 %). Besonders deutlich ist der Anstieg bei Menschen auf dem Fahrrad oder Pedelec. Ihre Zahl erhöhte sich von 236 auf 254 (+7,63 %). Damit stellen Radfahrende inzwischen 23,5 Prozent aller Verunglückten im Straßenverkehr in Bochum.

Die Polizei führt einen Teil der Entwicklung auf zunehmend rücksichtsloses Verhalten im Straßenverkehr zurück. „In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass sich eine zunehmende Anzahl von Verkehrsteilnehmenden rücksichtslos und teilweise aggressiv im Verkehr bewegt“, erklärte Polizeipräsidentin Christine Frücht.

Für den ADFC Bochum machen die Zahlen vor allem strukturelle Probleme im Straßenraum sichtbar.

„Die Tatsache, dass 23,5 % der verunglückten Personen mit dem Rad unterwegs waren, obwohl sie nur knapp 8 % der  Verkehrsteilnehmer:innen ausmachen, zeigt deutlich, dass die Verkehrsinfrastruktur in Bochum weiterhin unsicher ist und sofortiger Handlungsbedarf besteht“, erklärt Marek Nierychlo, Vorsitzender des ADFC Bochum. „Solange Radfahrende sich den Platz mit schnell fahrenden Menschen am Steuer oder Fußgänger:innen teilen müssen und Kreuzungen nicht sicher umgestaltet werden, bleibt das Risiko hoch. Wer mehr Verkehrssicherheit will, muss endlich getrennte Wege für alle konsequent umsetzen und fehlertolerierende und qualitativ hochwertige Radwege bauen.“

Der ADFC wünscht sich zudem eine sensiblere Sprache in Unfallberichten von Polizei und Medien. Eine durch den Deutschen Verkehrssicherheitsrat prämierte Masterarbeit zum Thema „Framing in der Verkehrsunfallberichterstattung“ zeigt, wie stark die Wahrnehmung von Unfällen durch die Wortwahl geprägt wird. Polizeirat Jan Nordhoff untersuchte unter anderem die Perspektiven, aus denen Unfallberichte formuliert werden. Dabei stelle er fest, dass viele Berichte das tatsächliche Geschehen verharmlosen und so die Wahrnehmung verzerren. Häufig verwendete Formulierungen wie „übersehen“ relativierten das Geschehen und weckten Verständnis für Unfallverursachende – im Sinne von: „Das kann ja mal passieren“.

Vision Zero – also keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr – wird nur erreichbar sein, wenn die Stadt den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmenden endlich zur Priorität macht. Sichere Infrastruktur rettet Leben. Und eine sensiblere Sprache in der Unfallberichterstattung wird die Verkehrssicherheitsarbeit zusätzlich unterstützen“, so der ADFC Bochum.

Ergänzende Informationen und Quellen:

Pressemitteilung der Polizei Bochum zur Verkehrsunfallstatistik 2025 vom 11.03.2026

Verkehrsunfallstatistik Bochum 2025

Velobiz.de, 05.05.2025: Studie Verkehrsunfallberichte, Verzerrte Wahrnehmung «


Ein Gedanke zu “Schluss mit verharmlosenden Unfallberichten!

  • Meldestelle

    In Frankfurt gibt es seit etwas mehr als einem Jahr eine Meldestelle. Aktuell sind über 70.000 Übergriffe auf Fahrradfahrer dokumentiert. Einige wurden auch zur Anzeige gebracht.

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