Die Stadt Bochum schreibt: »Bochum hat die Wahl: Bürgerinnen und Bürger können mit ihrer Stimme darüber entscheiden, ob Bochum gemeinsam mit anderen Städten aus der Rhein-Ruhr-Region die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 austrägt. Dafür hat der Rat in seiner heutigen Sitzung (5. Februar) beschlossen, einen Ratsbürgerentscheid durchzuführen. Die Abstimmung läuft ausschließlich über Briefwahl. Die abgegebenen Stimmen werden am 19. April 2026 ausgezählt.« Dazu meint die Bochumer Attac – Gruppe :
»… Wir begrüßen die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), einen Bürgerentscheid durchzuführen. Wir halten es allerdings unbedingt für nötig, im Vorfeld die Bürgerinnen angemessen darüber zu informieren, welche Chancen, Risiken und Kosten mit dieser Entscheidung verbunden sind.
Das geschieht leider nicht. Die Politiker*innen und Vertreter*innen der Wirtschaft heben einseitig die positiven Seiten einer Bewerbung der Region Rhein-Ruhr hervor und sprechen ausschließlich über die Sogwirkung, Vorteile für den Wirtschaftsstandort, über neue Arbeitsplätze und über die Reputation für unsere Städte, mit dem Ziel, die Bürger*innen zu einer generellen Zustimmung zu bewegen. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema „Olympische Spiele” und dem IOC findet erst gar nicht statt.
Mitbewerber sind in Deutschland noch Berlin, Hamburg und München. Bis zur Vorauswahl hat allein die NRW- Landesregierung 27 Millionen Euro bereitgestellt, um die Kampagne zu finanzieren – die anderen drei Bewerber geben ähnliche Millionenbeträge aus, damit die Bürger*innen der Beteiligung zustimmen.
Falls die Region Rhein-Ruhr den Zuschlag bekommt, müssen noch weitere Millionen investiert werden, um dann in der internationalen Ausscheidung zu bestehen. Nicht zu sprechen von den Kosten für Sicherheit und Organisation, die ebenfalls von der austragenden Region gestellt werden müssen. Millionen, die an anderen Stellen fehlen – z.B. für Investitionen in marode Schulgebäude, für die Unterstützung des öffentlichen Verkehrs, für Instandsetzung der Straßen und bezahlbaren Wohnraum.
Sicher, so wäre das Ruhrgebiet kurz in aller Munde, sportbegeisterte Besucher*innen kämen und die örtliche Wirtschaft könnte einen kurzfristigen Anschub bekommen. Dem stehen allerdings handfeste Nachteile gegenüber: Wenn man vergangene Austragungsorte unter die Lupe nimmt und fragt, wieviel sie langfristig profitiert haben, fällt die Kosten-Nutzen-Rechnung für die meisten Gastgeberstädte negativ aus, weil die tatsächlichen Ausgaben die kurzfristigen Gewinne deutlich überragen. Das liegt vornehmlich darin, dass spezielle Sportstätten mit hohen Betriebskosten entstehen, die oft nach den Spielen leer stehen. Dazu kommen die undurchsichtigen Vergabeverfahren und „Knebelverträge“ des IOC.
Durch die Errichtung von Spielstätten und Infrastruktur profitieren vor allem multinationale Großkonzerne und internationale Hotelketten, während die negativen Folgen die allgemeine Bevölkerung und insbesondere die vulnerablen Mitglieder der Gesellschaft treffen:
- Obdachlose werden in der jeweiligen Stadt als Stigma betrachtet und verbannt.
- verstärkte Nutzung von Wohnungen für den Tourismus über Plattformen wie Airbnb oder Booking.com, die Mieten steigen aufgrund der zunehmenden Immobilienspekulationen exorbitant an.
- Zuzug internationaler Immobilienspekulanten und Gentrifizierung von Stadtteilen.
- hohe Sicherheitskosten, die in Paris im Milliardenbereich lagen, und Militarisierung der Polizei,
- hohe Verschuldung der ausrichtenden Städte – bei gleichzeitiger Steuerfreiheit für das Internationale Olympische Komitee
Das alles wäre abzuwägen gegen mögliche Vorteile. Wenn der DOSB es für möglich hält, diese (bisherigen) Folgen einer Olympia Ausrichtung zu verhindern, sollte vor dem Bürgerentscheid für alle transparent klargestellt werden, welche Pläne es dazu gibt.«