An der Ruhr-Uni fand gestern – wie an 80 anderen Hochschulen auch – ein Warnstreik statt. Auf der Kundgebung vor dem Audimax thematisierte der ver.di Geschäftsführer Ruhr Mitte Bernd Dreisbusch einen Skandal im Umgang mit studentischen Hilfskräften im Hochschulbereich: »Den 300.000 studentisch Beschäftigten verweigert die TDL [Tarifgemeinschaft deutscher Länder] weiterhin jeglichen Schutz durch einen Tarifvertrag. Ja, bin ich denn hier bei Amazon, nein, beim Land Nordrhein-Westfalen.«
Elias Schmitt von der GEW-Hochschulgruppe schilderte an Beispiel seiner Biografie, wie normal es für wissenschaftliche Mitarbeiter:innen ist, kein normales Arbeitsverhältnis zu haben. Die Stellen sind in vielen Fällen befristet und nur sehr selten Vollzeit-Arbeitsplätze. Fast alle arbeiten aber Vollzeit und mehr. In seinem ersten Job musste er Drittmittel einwerben, danach wurde er in der Lehre eingesetzt, was eigentlich nicht zu seinen Aufgaben zählte.
Sebastian Cramer, Jugendbildungsreferent beim DGB, problematisierte den Diskurs, der zur Zeit zum Thema Arbeit geführt wird: »Die Realität zeigt etwas ganz anderes: Laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) haben Arbeitnehmer*innen in Deutschland im Jahr 2024 rund 1,2 Milliarden Überstunden geleistet – das entspricht mehr als 750.000 Vollzeitstellen.
Und: 53,6 % dieser Überstunden wurden nicht bezahlt. Das zeigt, dass Arbeit nicht zu wenig, sondern oft über das Leistbare hinaus und unbezahlt geleistet wird.
Auch die Debatte um „Work‑Life‑Balance“ in Teilzeit greift zu kurz. Viele Menschen arbeiten Teilzeit nicht freiwillig, sondern weil:
-nach einer Phase der Teilzeit kein Übergang in Vollzeit ermöglicht wird.
-Betreuung für Kinder oder Pflege fehlt,
– Vollzeitangebote nicht verfügbar sind. Das vollständige Redescript.
Pressemitteilung der GEW Bochum:
GEW: „Gute Arbeits- und Studienbedingungen für alle!“
GEW Bochum zum bundesweiten Hochschulaktionstag
Mit Protestaktionen und Streiks machen heute bundesweit mehrere tausend Hochschulbeschäftigte und Studierende an über 80 Hochschulstandorten auf ihre Interessen aufmerksam. An mehr als 60 Standorten wird gestreikt, so auch in Bochum. Sie folgten damit einem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ver.di und anderer Organisationen.
„Die Kürzungspläne für den Hochschulbereich sind ein Warnsignal mit weitreichenden Folgen“, mahnt Dominik Bald aus dem Leitungsteam der GEW Bochum. „In Nordrhein-Westfalen ist eine Kürzung von 120 Millionen Euro in der Grundfinanzierung geplant. Die Folgen sind unbesetzte Stellen, ausgedünnte Studienangebote und schlechtere Betreuung. Dieser Sparkurs gefährdet Karrieren, verschlechtert die Studienbedingungen und schwächt die Zukunft unseres Landes!“
Die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes hatten zu Aktionen und Streiks an zahlreichen Hochschulen aufgerufen. Sie reagierten damit auf die Blockadehaltung der Länder, die in der zweiten Runde der Tarifverhandlungen Mitte Januar in Potsdam kein verbindliches Angebot vorgelegt hatten.
Neben den geforderten Entgeltanpassungen drängen die Gewerkschaften auf verbindliche tarifliche Regelungen für studentische Beschäftigte. „Sie tragen wesentlich zu Lehre, Forschung und Verwaltung bei, müssen aber häufig mit prekären Arbeitsbedingungen klarkommen: befristete Verträge, unsichere Arbeitszeiten und eine Bezahlung, die zum Leben kaum reicht. Ein vollwertiger Tarifvertrag ist kein Entgegenkommen, sondern längst überfällig und sozialpolitisch geboten“, betont Dominik Bald.
Studierende und Hochschulbeschäftigte stehen solidarisch zusammen! Für die GEW gilt: Exzellente Lehre und Forschung, gute Arbeits- und Studienbedingungen für alle sind kein Luxus, sondern Grundlage für eine demokratische und zukunftsfähige Gesellschaft!


















Wenn der Redaktion noch weitere Redescripte zur Verfügung gestellt werden, werden sie hier veröffentlicht.
