Freitag 02.01.26, 19:39 Uhr
Wer ist krank: der Einzelne oder die Gesellschaft?

Der ganz normale Wahnsinn


Am Mittwoch, den 7. Januar, um 17 Uhr lädt die Bochumer Psychiatrische Klinik an der Alexandrinenstraße 1 zu einer Veranstaltung unter dem Titel „Der ganz normale Wahnsinn“ ein. Oberbürgermeister Jörg Lukat, Schauspielerin Maria Wolf und Autor sowie Kabarettist Frank Goosen antworten auf die Frage „Was ist eigentlich los hier?“ In der Einladung heißt es: »Das seelische Gleichgewicht zu halten, wird in diesen Tagen zu einer Herausforderung – ob im Be­ruf, in der Familie oder in der Freizeit. Gründe hierfür sind Themen wie Kriege, Umweltkatastrophen, Digitalisierung, politische Unverhältnismäßigkeiten, die jungen wie älteren Menschen existenzielle Sorgen machen und sie zunehmend unter Druck setzen. Psychische Erkrankungen nehmen zu. Auch in Bochum ist davon auszugehen, dass bis zu einem Drittel der Bürgerinnen und Bürger betroffen sind.«

Die Klinik hat einen guten Ruf und es ist davon auszugehen, dass es nicht nur eine Image-Veranstaltung sein soll, sondern der ernsthafte Versuch, Verständnis für die gesellschaftlichen Ursachen von psychischen Erkrankungen zu vermitteln. Es ist schließlich erst ca. 60 Jahre her, dass Abweichungen vom als normal angesehenen Verhalten nicht nur als individuelles Defizit oder Defekt interpretiert wurde. Die Frage „Wer ist krank: der Einzelne oder die Gesellschaft?“ war ein Kernmotiv der Psychiatriereform. Psychische Krankheiten konnten nicht länger Aussonderung, Internierung und Fremdbestimmung in riesigen „Irrenanstalten“ legitimieren.
Es kam zu beachtlichen Reformen, aber es ist bisher nicht gelungen, ein gesellschaftliches Verständnis von psychischer Krankheit als gesellschaftlich mitbedingt zu erreichen.
Auch die heutige Psychiatrie wird von Kritiker:innen grundsätzlich in Frage gestellt. Der „Bundesverband der Psychiatrie Erfahrenen“ z. B. hat seinen Sitz in Bochum. Er kritisiert insbesondere die erlaubte Zwangsbehandlung in der Psychiatrie.
Dies wird sicherlich bei der Veranstaltung kein Thema sein. Es sind nur 15 Minuten für Gespräche vorgesehen.

Der Eintritt ist frei.

Ablaufplan und Ort der Veranstaltung und Anmeldeadresse.