Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
sehr geehrte Politikerinnen und Politiker,
wir stehen heute hier, weil rund 100 Bochumerinnen und Bochumer ihr Zuhause verlieren sollen. Nicht aus freien Stücken, nicht durch Eigenbedarf, sondern weil ein Investor aus reiner Profitgier eine ganze Siedlung Stück für Stück zu Geld machen will. Die denkmalgeschützte Siedlung Am Röderschacht wurde von der Vonovia verkauft ~ und hätte durch das Vorkaufsrecht in städtischen Besitz übergehen können. Die Stadt hat diese Chance nicht genutzt. Sie hätte die Siedlung der VBW zuführen können – einem kommunalen Träger, der für bezahlbaren Wohnraum steht.
Stattdessen wurde die Siedlung den Investoren überlassen. Und jetzt droht den Bewohnern viele von ihnen Rentner, Familien, Menschen mit Beeinträchtigung – die Verdrängung aus ihrer gewachsenen Nachbarschaft. Die Methoden des neuen Eigentümers sind nicht nur moralisch fragwürdig, sondern mittlerweile auch öffentlich bekannt. Wenn Sie darüber noch nicht informiert sind – dann tut es mir wirklich Leid das sagen zu müssen – dann sind Sie nicht nah genug an den Menschen ihrer Stadt, die Ihre Unterstützung gerade jetzt so dringend brauchen.
Denn was hier passiert, ist keine Kleinigkeit. Es ist kein Streit um Garagen, Gartenlauben oder Parkplätze. Es geht um den Verlust von Wohnraum. Von Lebensrealität. Von Heimat. Über 90 Prozent der Mieter werden sich ihre Wohnung nach der Umwandlung Eigentum nicht mehr leisten können. Sie werden verdrängt – leise, Stück für Stück, Wohnung für Wohnung. Und warum?
Weil ein Investor auf maximalen Gewinn aus ist ~ und niemand ihn aufhält. Weil eine Stadt, die gerne mit Bürgernähe wirbt, ihr gesetzliches Vorkaufsrecht nicht genutzt hat. Weil Entscheidungen nicht getroffen wurden, als sie nötig gewesen waren. Und jetzt? Jetzt wird appelliert, erklärt, abgewiegelt. Man solle das Thema nicht politisieren, heißt es.
Doch wir sagen ganz klar: Wenn Menschen ihre Wohnung, ihre Heimat verlieren, dann IST das politisch. Wenn bezahlbarer Wohnraum vernichtet wird, dann ist das politische Untätigkeit. Und wenn Vertrauen verloren geht, dann ist es an der Politik, diese zurückzugewinnen.
„ Weil der Markt eben nicht regelt“ – sagte mir die SPD. Richtig. Aber hier wurde nicht reguliert ~ hier wurde und wird zugesehen. „Damit nach der Miete noch was bleibt“, sagen die Grünen. Hier bleibt bald nichts mehr ~ außer die Frage, wo die Menschen morgen leben sollen, wo die Kinder zur Kita oder zur Schule gehen sollen.
„ Grün ist da, wo man leben möchte“, steht auf den Plakaten. Die Menschen möchten hier leben an ihrem „Schacht“. Doch sie werden es bald nicht mehr können.
Wir, der Röderschacht, fordern daher:
1. Dass die Stadt Verantwortung übernimmt für ihre Versäumnisse – und die Siedlung politisch schützt.
2. Dass sie alle rechtlichen, verwaltungstechnischen und politischen Mittel nutzt, um die Umwandlung in Eigentum zu stoppen.
3. Dass Wohnen nicht länger zum Spekulationsobjekt gemacht wird ~ in unserer schönen Stadt.
Am Röderschacht geht es nicht nur um ein paar Häuser. Es geht um mehr als 100 Schicksale. Es geht um eine Straße, die mit Leben, mit Geschichte und mit Würde gefüllt ist. Und es geht um die Frage: Wollen wir eine Stadt sein, in der Investoren den Takt angeben – oder die, in der das Herz noch zählt und nicht das große Geld?
Wenn Politik mehr sein will als leere Versprechen ~ dann ist jetzt der Moment, es zu beweisen. Die Menschen am Röderschacht brauchen keine Symbole mehr. Sie brauchen Entscheidungen. Und zwar sofort.
Vielen Dank.