Mehr als hundert Menschen sind der Einladung des queer-feministischen Projektes Lieselle gefolgt und haben der Eingangstür der Bibliothek wieder den traditionell vielfältigen Charme verliehen. Lieselle war von Nazis überfallen worden und die Tür musste ersetzt werden. Zur Begrüßung der solidarischen Besucher:innen hieß es: »Wir begrüßen euch ganz herzlich und freuen uns sehr, dass ihr heute so zahlreich hier seid. Danke für eure Solidarität, die vielen Solidaritätsbekundungen und eure Unterstützung in den letzten Wochen. Das bedeutet uns sehr viel. Nach der ersten Versammlung im GA, dem Austauschforum vor 2 Wochen, waren wir positiv überrascht von der großen Anteilnahme. Es ist bestärkend zu wissen, dass wir, auch wenn zwischendurch Gefühle der Ohnmacht aufkommen, nicht allein sind. Nicht allein in unserer Sorge, aber auch nicht in unserer Wut.
Aber uns verbindet mehr als nur Wut. Uns verbindet auch der Wunsch, den Versuchen der Einschüchterung etwas entgegenzusetzen: Solidarität und Sichtbarkeit.
Während queere Sichtbarkeit nämlich unter dem Deckmantel vermeintlicher „politischer Neutralität“ zurückgedrängt wird, breiten sich rechte Narrative ungestört aus – auch an unseren Universitäten.Und wenn rechte Hetze erst im Bundestag stattfindet und dann an Uni-Wänden klebt, ist das kein Zufall, sondern eine erwartbare Konsequenz.
In solchen Zeiten brauchen wir keine symbolische Solidarität. Wir brauchen konsequente Unterstützung und ein langfristiges Ernstnehmen der Gefahr, die im Zuge eines zunehmenden politischen und gesellschaftlichen Rechtsrucks immer offener gegen queere, feministische und antirassistische Stimmen gerichtet ist.
Queerfeministische Perspektiven gehören in unsere Gesellschaft. Und sie gehören an eine Universität, die sich Diversität als Attribut auf die Fahne schreibt. Aber Diversität ist kein „Happy Word“ und sie darf nicht zur bloßen rhetorischen Strategie für Institutionen verkommen, ohne dass tatsächliche strukturelle Veränderungen umgesetzt werden. Diversität zieht Verantwortung mit sich und diese Verantwortung darf nicht nur auf den Schultern der Betroffenen lasten. Gerade angesichts der Tatsache, dass unsere Ressourcen und Kapazitäten ohnehin sehr begrenzt sind. Doch wir können und wollen nicht auf Institutionen oder die Uni-Verwaltung warten. Wir wollen und müssen weiter sichtbar sein – queerfeministisch und solidarisch. Und deshalb nochmal danke, dass ihr hier seid und mit uns laut und unbequem bleibt.
Wir freuen uns aufs Überstickern und Vernetzen mit euch!«
