Mittwoch 19.10.22, 19:14 Uhr
Wie die Frauen- und Lesbenbewegung gegen Männergewalt kämpfte und was sie erreicht hat

Ausstellungseröffnung: Wut. Macht. Mut. 6


Das Frauenarchiv ausZeiten lädt ein zu einer Ausstellungseröffnung mit Sekt, Selters und Vorträgen am Sonntag, 23.10. um 11.00 Uhr im Bochumer Stadtarchiv. In der Einladung heißt es: »Heute existieren ca. 130 autonome Frauenhäuser in ganz Deutschland, das sind ziemlich genau 130 mehr als Mitte der 1970er Jahre. Daneben gibt es in fast allen deutschen Städten Angebote im Bereich der Gewaltprävention und -beratung. Wie kam es dazu? Wer gründete sie und warum?

Um dieser Frage nachzugehen, blicken wir in der Ausstellung „Wut. Macht. Mut“ auf die Zweite Frauenbewegung und ihren vielfältigen Widerstand gegen Gewalt. Die politische Arbeit jener Frauen und Lesben ist der Grund dafür, dass es heute Frauenhäuser, Frauenberatungsstellen, Hilfetelefone, Gewaltpräventionsprogramme und den Begriff „sexualisierte Gewalt“ gibt.

Bei Nachtdemonstrationen in der Walpurgisnacht in den 1970er Jahren skandierten sie: „Frauen, setzt Euch zur Wehr!“. Sie besetzten Häuser oder Behörden, machten Aktionen gegen Sexshops und organisierten internationale Tribunale. Damit eroberten sie sich die Orte, Räume und Straßen (zurück). Sie wollten eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft mit vielfältigen Methoden erreichen.
Die Frauen und Lesben gründeten Initiativen, Zentren und – falls nötig – Vereine. Sie traten mit den Behörden in Kontakt, die sie gerade besetzt hatten. Sie lehrten den Kampfsport, den sie gerade gelernt hatten. Sie machten und hörten Musik von und für Frauen und Lesben, besprühten Wände und Türen und drohten mit bewaffneter Gegengewalt.
Auch in Bochum gründeten sie 1979 eine Beratungsstelle für Frauen, wenig später 1989 den Notruf für Frauen, die Gewalt von Männern erfahren hatten.

Von all dem zeugen Plakate, Flyer, Zeitungsartikel, Beutel oder Tüten, gebastelte Frauenhäuser, Protokolle der Initiativen und Interviewausschnitte mit Zeitzeuginnen, die in der Ausstellung präsentiert werden. Sie spannen den Bogen des Widerstands von Frauen gegen Gewalt bis heute.«

Führungen durch die Ausstellung:
Donnerstag, 10.11.2022, 17 Uhr
Mittwoch, 23.11.2022, 17 Uhr
Samstag, 10.12.2022, 15 Uhr

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag: 10:00 bis 18:00 Uhr, Samstag und Sonntag: 11:00 bis 17:00 Uhr und an Feiertagen: 11:00 bis 17:00 Uhr

Filmvorführung „Born in Flames“ von Lizzie Borden
Samstag, 5.11.2022 um 15.00 Uhr

Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
Wittener Straße 47
44777 Bochum

Lesung
mit Franziska Benkel und Hella Maskus:
„Wir haben nichts mehr zu verlieren … nur die Angst“ – Die Geschichte der Frauenhäuser in Deutschland

Donnerstag, 27.10.2022, 19:00 Uhr
Buchhandlung Mirhoff & Fischer
Pieperstraße 12
44789 Bochum


6 Gedanken zu “Ausstellungseröffnung: Wut. Macht. Mut.

  • Simone de Beauvoir

    Ich habe die Entstehungszeit der Frauenhaus-Initiativen miterlebt und finde es positiv wenn Frauen sich gegen ihre Unterdrückung zur Wehr setzen.
    Was mich jedoch schon damals als Jugendlicher und heute als älterer Mensch wundert, warum die Gewalt, auch sexualisierte Gewalt, von Frauen gegen Kinder bis heute nicht thematisiert wird.
    Mir ist bewusst, quantitativ betrachtet ist Gewalt von Männern gegen Frauen in der Gesellschaft deutlich häufiger vertreten.
    Die Gewalt von Frauen gegen Kinder zu thematisieren scheint in unserer Gesellschaft einen absoluten Tabubruch darzustellen. Viel mehr herrscht das stilisierte Bild von der treusorgenden Mutter vor die Kindern keinen Schaden antun kann oder will, auch innerhalb der Linken ist dieses Klischee weit verbreitet. Erheblich geprägt wurde dieses Bild der treusorgenden Mutter von den Nazis und existiert bis heute fort. Ich habe einige Jahre für die Familienhilfe gearbeitet und sehr viel über Gewalt von Frauen gegen Kinder erfahren können.
    Ich halte Frauen nicht für die besseren Menschen, sie gehen nur anders vor wenn sie Gewalt ausüben:
    Männer sind brutal – Frauen sind gemein, wenn´s um Gewalt geht. Ihr Gewaltgebahren ist subtiler.
    Wir sind übrigens 16 Jahre lang von einer Frau mitregiert worden, ihr Name ist Angela Merkel. Auf Bildung und Erziehung bezogen hat diese Frau es geschafft das Gift von Überanpassung und Duckmäusertum innerhalb der Kinder und Jugendlichen zu verbreiten. Das Werk einer Frau die für die Kapitalinteressen handelte.
    Als weiterführende Literatur empfehle ich das Buch, schon etwas älter / 80Jahre, von Ingrid Strobel:
    Frau sein allein ist kein Programm.
    INgrid Strobel ist eine Journalistin die mehrere Jahre wegen vermuteter Mitgliedschaft in der militanten Gruppe „Rote Zora“ im Knast sahs.
    Also bitte, nicht so viel Blümchen für die Frauen. Der Trieb überfällt und leitet sie manchmal auch, auch der Trieb der zu Gewalt führt.
    Trotzdem, die Frauenhäuser und Läden sollten natürlich weiter agieren. Das Patriachat ist so alt, dass niemand genau weiß wie alt es denn ist. Die Perspektive der Frauen ist deswegen wahrscheinlich noch ein paar hundert Jahre für ihre Befreiung kämpfen zu müssen, das ist die Realität ohne Blümchen.

    • Ich beneide Rio Reiser, der war frei

      Na vielleicht solltest du noch 1, 2 o. 3 klitzekleine Sätze schreiben,
      WARUM du aus biographischen Gründen den Kommentar nicht unterschreiben kannst !

      Welche Armut hat die Linken mittlerweile befallen:
      Kaum mehr kontroverse Debatten / Diskussionen
      Denk- und Redeverbote über kritische u. sensible Themen
      Keine „Streitkultur“
      Gruppen“druck“ u. internalisierte Systemzwänge

      Die sog. Linken müssen sehr aufpassen das sie nicht irgendwann im Mainstream versinken / untergehen, wenn die ganze Entwicklung so weiter geht. Irgendwann ist die sog. Linke nicht mehr als solche zu identifizieren.
      Manchmal denke ich, was habe ich doch Glück das ich alt bin. Ich kann als Individium eine zeitlang noch von der Vergangenheit zerren, weil diese Vergangenheit von Kontroversen geprägt war. Natürlich wäre es naiv zu denken das es in den 80zigern und 90zigern immer schön war. Aber es war lebendiger. Ich beneide jungen Menschen nicht, der Konformitätsdruck innerhalb der Gesellschaft wird zunehmend imanent.

      Tu was du tun willst und du bist frei, solange du niemand anderem ernsthaft Schmerz und Leid zufügst !

      • Rote Zora

        Nein, natürlich nicht, sonst laufen die doch noch auf der Straße herum. Wenn die Frauen im Frauenhaus sind wissen wir wenigstens wo sie sind ;-)))
        Das ist auch eine typische Strategie die Politiker gegenüber besetzten Häusern anwenden: Wir räumen später und lassen sie erstmal drin, wenn etwas Gras über die ganze Sache gewachsen ist (!).

        • Aufmerksamkeitökonomie

          lautet das „Zauberwort“ des Spätkapitalismus. Im Grunde windet sich dieses System dadurch wie ein Aal. Der Fokus dieser Ökonomie ist nicht auf Frauen- oder besetzte Häuser gesetzt. Frag ´mal Leutchen auf der Straße ob sie das Frauenhaus oder die Haldenstraße in Bochum kennen, eher nur wenige. O.k., die Linken denken sich: Das Leutchen doof sind setzen wir ,mal als bekannt voraus. Sind sie jedoch nicht, die Informationen gehen nur im allgemeinen Rauschen dieser Ökonomie unter. Die Informationsindustrie ist die vierte Macht in diesem Staat, Politik ist primär Medienstrategie.

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