Sonntag 19.12.21, 18:14 Uhr
Gleich dreifach im Fadenkreuz der Nazis: Jude, Sozialdemokrat, homosexuell.

Erinnern an Hans Buxbaum


Erst 1969 endete die Verfolgung für Homosexuelle durch Gesetze aus der Nazizeit.

Hans Buxbaum, stellvertretender Theaterleiter, Regisseur und Oberspielleiter von 1926 bis 1933 am Bochumer Theater fiel in alle drei Ausgrenzungskategorien: Sozialdemokrat, schwul, jüdisch. Bis heute ist der engagierte Theatermann weitestgehend vergessen.

Auf Initiative von Jürgen Wenke verlegte der Künstler Gunter Demnig am Dienstag, den 14. Dezember den Stolperstein für Hans Buxbaum auf dem Theatervorplatz. Das Schauspielhaus Bochum erinnerte mit den Schauspielerinnen Nele Brückner und Karin Moog an den Lebensweg von Hans Buxbaum. Der Dramaturgieassistent Marvin L. T. Müller hatte den Vortrag auf Grundlage des Berichts „Was bleibt, wenn der Vorhang fällt?“ erarbeitet. Der Redebeitrag zum Nachlesen.
Weitere Fotos und Infos von der Verlegung, vom Stolperstein etc. und der vollständige Bericht über den Lebensweg von Hans Buxbaum stehen auf der Webseite des Initiators der Aktion, Jürgen Wenke: Hans Buxbaum – Stolpersteine für Homosexuelle

Sozialdemokrat – Schwul – Jüdisch
Jürgen Wenke schreibt: »Wer in einer dieser drei Kategorien verortet wurde, war in der NS-Zeit unmittelbar ab Anfang 1933 in vielfältiger Weise bedroht. Von Betätigungsverbot, Berufsverbot über strafrechtliche Verfolgung bis zu völliger sozialer und gesellschaftlicher Ausgrenzung reichten die sich steigernden Willkür-Maßnahmen, die die Nationalsozialisten und ihre willigen Helfer praktizierten. Am Ende gingen viele Menschen in den Konzentrationslagern „durch den Kamin“, wie es die Häftlinge selbst formulierten. Ermordung von SozialdemokratInnen, Homosexuellen und Juden und Jüdinnen war Teil des Staatshandelns. Weitere Gruppen seien benannt: Bibelforscher, Behinderte, Sinti und Roma, Frauen und Männer, die Abtreibungen befürworteten und den in Not befindlichen Frauen halfen, Obdachlose, Arbeitslose, Kommunisten, Wehr- und Kriegsdienstverweigerer, usw. Engagement, sei es sozial, sei es politisch, sei es durch besondere Leistungen, sei es als Mensch, zählten wenig bis gar nichts – in der NS-Zeit wurden Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu ideologischen und rassistisch formulierten Kategorien der Maßstab, ob ein Mensch Chancen auf Fortkommen, Leben und Unversehrheit hatte oder nicht. Worte wie „Volksfeinde, Volksschädlinge, Rasseschänder, usw.“ waren das sprachliche Abbild von Hitlers Gauland. Was mit Hetze und Jubel begann, endete …
Für Homosexuelle endete die Verfolgung nach NS-Gesetzen erst 1969!«

Hans Buxbaum und Terka Csillag

Der Stolperstein wurde neben den bereits vorhandenen Stolperstein für die Schauspielerin Terka Csillag verlegt. Terka Csillag war die erste Person, die in Bochum mit einem Stolperstein (Jahr 2004) gewürdigt wurde. Inzwischen (Stand Dez. 2021) sind ca. 320 Stolpersteine in Bochum verlegt worden, davon sind bisher 13 Steine für Männer verlegt worden, die als Homosexuelle verfolgt wurden.
Nach Verlegung des Stolpersteines fiel auf, dass das letzte Wort auf dem Stein “USA” falsch ist, es sollte heißen “England”. Der Fehler soll korrigiert werden: Im Frühjahr 2022 wird der Stolperstein ausgetauscht.