Sonntag 08.03.20, 14:54 Uhr

Märzstürme an der brennenden Ruhr 1920-2020


Das Theater Traumbaum lädt am Sonntag, den 15. 3. um15 Uhr ein zur Uraufführung des Stückes „Märzstürme an der brennenden Ruhr 1920-2020“ – der Kapp-Lüttwitz Putsch und der Versuch, die Demokratie zu retten, oder wie die ersten Hakenkreuze in´s Ruhrgebiet einzogen: »Wenn man Menschen aus dem Ruhrgebiet fragt, was ihre Ruhrgebietsidentität ausmacht, bekommt man meistens die Antworten schwarz-gelb, blau-weiß oder Currywurst. Sie könnte aber auch lauten: wir sind die, die damals unsere junge Demokratie gerettet haben. Denn vor genau hundert Jahren putschten die rechten Militärs unter Kapp und von Lüttwitz, mit dem Ziel, eine Militärdiktatur zu errichten.

Die demokratische Regierung musste aus Berlin nach Stuttgart flüchten und konnte nur durch einen Generalstreik und den organisierten Widerstand der Arbeiter- und Soldatenräte, maßgeblich hier im Ruhrgebiet, gerettet werden, so dass der Putsch schon nach vier Tagen gescheitert war. Da die Arbeiter/innen im Ruhrgebiet aber die in der demokratischen Verfassung verankerte Sozialisierung der Schwerindustrie, Kohle und Stahl, die Abschaffung des Berufsheeres nicht erfüllt sahen und aus ihren Streikerfahrungen der Vorjahre das aggressive Vorgehen der Militärs fürchteten, stellten sie eine rein defensive Arbeiterarmee auf, die rote Ruhrarmee, um sich und das Ruhrgebiet vor der Reichswehr und den Freikorps zu schützen. Statt mit den Arbeiter/innen zu verhandeln, schickte die gerade noch von ihnen gerettete demokratische Regierung ihnen die Freikorps-Einheiten Brigade Löwenfeld und die Brigade Epp, damals schon mit dem Hakenkreuz auf dem Helm, auf den Hals, um für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen. Und so zog der „weiße Terror“ in´s Ruhrgebiet ein. Den rechtswidrigen Standgerichten und marodierenden Freikorps-Horden fielen mehr als tausend Arbeiter/innen zum Opfer, egal, ob sie der rote Ruhrarmee angehört hatten oder nicht. Eigentlich eine traurige Geschichte, die von den Nationalsozialisten für Ihre Propaganda entstellt und dann im kalten Krieg endgültig verdrängt wurde. Aber auch eine Geschichte, die einen wichtigen Teil der Ruhrgebietsidentität ausmachen kann, da sie den risikobereiten Einsatz für die Demokratie und die Menschenrechte der Menschen aus dieser Region zeigt. Deshalb hat das Theater Traumbaum daraus einen fulminanten Szenenbogen entwickelt, der das Schicksal des Arbeiterehepaares Franzi und Ferdi vom Beginn des ersten Weltkrieges 1914 bis zum Mai 1920 für Jugendliche ab 14 Jahren und auch Erwachsene zeigt. Denn die grundsätzliche Thematik der Ereignisse vor hundert Jahren ist immer noch aktuell, wie die Streiks bei Frydays for Future, die Vorgänge im Thüringer Landtag, der allgemeine Rechtsruck und das Vorgehen des Militärs an der griechischen Grenze zeigen. Im Kern wirft das Stück die Frage auf, wie sich bei der Politikverdrossenheit heute aktuell die Inschrift im Portal des Reichs-/Bundestages „Dem deutschen Volke“ bzw. Demokratie, alle Macht dem Volke, praktisch realisieren lässt, ohne dabei in´s völkisch nationalistische abzudriften. Die Buxus Stiftung, Fritz Bauer Bibliothek der Menschenrechte, fördert die Vorstellungen, so dass der Eintrittspreis bei sozialverträglichen 2,5o € liegt.
Kartenreservierung unbedingt erforderlich: 02 34 / 890 66 81 oder: info@theater-traumbaum.de
Informationen: www.theater-traumbaum.de