Dienstag 23.02.10, 13:00 Uhr

DGB-Bochum: „Armut wächst rasant“ 1


Nach Berechnungen des DGB sind in Bochum etwa 53.000 Menschen von Armut betroffen. Die aktuellen Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund in Bochum als bedrückende Bestätigung seiner Befürchtungen. Die in diesen Tagen veröffentlichten Zahlen machten noch einmal die unbedingte Notwendigkeit einer aktiven Gegenbewegung deutlich. Nach den DIW-Daten leben in Deutschland rund 11,5 Mio. Menschen unter der von der EU vorgegebenen Armutsrisikoschwelle. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2008 lebten knapp ein Viertel der Erwachsenen zwischen 19 und 25 Jahren in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen unterhalb der Armutsschwelle. Allein in diesen Alterskohorten wuchs das Risiko in den vergangenen 10 Jahren um 6 Prozent. Für die jungen Menschen erfolgt der Einstieg in den Arbeitsmarkt zunehmend über prekäre Beschäftigung und schlecht bezahlte Praktika („Generation Praktikum“).
„Die Zahl der Menschen, die trotz Arbeit aufstockende Sozialleistungen erhalten steigt seit Jahren. Inzwischen sind 25 % der Hilfebedürftigen der ARGE Bochum sogenannte Aufstocker. Im April 2007 waren es noch 19,9 %“, so DGB Regionsvorsitzender Michael Hermund.
Als weitere besonders betroffene Gruppe werden die Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern im Bericht benannt, die mit über 40 Prozent als einkommensarm eingestuft werden. In Bochum sind demnach etwa 3.500 der 8.800 Alleinerziehenden betroffen.
Für Hermund werfen die neu veröffentlichten Daten ein bezeichnendes Licht auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. „Das unhaltbare neoliberale Gewäsch von Teilen der Politik und der Wirtschaft soll den Sozialstaat sturmreif schießen,“ so Hermund.
„Wir brauchen aber eine andere politische Ausrichtung. Statt in der Krise ausschließlich den Banken zu helfen, benötigen wir gute und gut bezahlte Arbeit für die Menschen. Statt über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit zu lamentieren, brauchen wir zukunftsfeste Arbeit, von der junge Menschen ihr Leben bestreiten können. Anstatt sich auf Kürzungen im Sozialbereich zu konzentrieren benötigen wir mehr Geld in der Kommune, um zumindest den Auswirkungen der Armut entgegentreten zu können. Hier ist NRW in der Pflicht Bochum zu helfen.
Herr Rüttgers übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kommunen.“


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