Mittwoch 04.11.09, 17:00 Uhr

Frauen und Kriege in Afrika

Am Dienstag, den 10. November 2009 wird auf Einladung des Bahnhofs Langendreer, der Bochumer Initiative Südliches Afrika e.V. (BISA) und des Bochumer Friedensplenums, Dr. Rita Schäfer zum Thema „Frauen und Kriege in Afrika“ im Bahnhof Langendreer referieren. Veranstaltungsbeginn ist 19:30 Uhr.

Dr. Rita Schäfer

Dr. Rita Schäfer

Die Ethnologin und Gastprofessorin der Universität Göttingen und der Humboldt-Universität Berlin, Rita Schäfer, untersuchte afrikanische Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften aus der Sicht der Gender-Perspektive. Mit ihren Analysen möchte sie einen Beitrag zum besseren Verständnis von Kriegen in Afrika leisten.
So ist für sie „…für eine nachhaltige Friedenssicherung eminent wichtig, die Auswirkungen von Kriegen auf männliche Gewaltakteure, ihre Selbstbilder und ihre Interaktionen zu beleuchten, um auf diese Weise Strategien gegen den Einsatz von Gewalt als Machtinstrument in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten und insbesondere gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu entwickeln.“

In ihrem gleichnamigen Buch, verweist Rita Schäfer darauf, dass die Bürgerkriege in Afrika die internationale Staatengemeinschaft vor große Herausforderungen stellen, da sich diverse lokale, nationale und transnationale Konfliktkonstellationen sehr häufig überlagern und eine unüberschaubare Zahl verschiedener Milizen und Kriegstreiber gegeneinander kämpfen würden. Für externe Betrachter sei es daher oft schwierig, die verstörende Brutalität in den einzelnen Kriegskontexten zu verstehen. Um so wichtiger ist es aus ihrer Sicht, eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Handlungslogik der Gewaltakteure und den spezifischen Hintergründen ihrer Militanz zu führen, Zitat: „Eine Analyse der sozio-kulturellen Kontexte kann die Bedeutungszusammenhänge entfalten, in die lokale Gewaltdynamiken und die Gewaltlegitimationen der verschiedenen Milizionäre eingewoben sind. Von zentraler Wichtigkeit sind Maskulinitätskonzepte sowie Geschlechter- und Generationenkonflikte. Hier gilt Gender als integraler Bestandteil und als Kristallisationskern komplexer gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Machtstrukturen und diverser Konfliktkonstellationen, die im Vorkriegskontext geprägt, im Kriegsverlauf gewaltsam aufgeladen und in Nachkriegssituationen neu akzentuiert werden. Deshalb bietet Gender einen analytischen Schlüssel, der ein besseres Verständnis der Kriege in Afrika ermöglicht.“

Die Publikation, auf die sich Rita Schäfer beziehen wird, dokumentiert,  „die lokalen Geschlechterverhältnisse in verschiedenen Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften Afrikas. Kontextspezifisch ergründet sie die unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Rollen, mit denen Frauen und Männer an den Kriegsgeschehnissen beteiligt sind, z.B. als Kombattant/innen, (Kinder)soldaten/innen, Gewaltopfer oder Flüchtlinge. Häufig müssen einzelne Personen oder Personengruppen in Kriegskontexten gleichzeitig unterschiedliche Aufgaben und Funktionen übernehmen, die nur schwer vereinbar sind und etablierte Rollenmuster ad absurdum führen. Daher lotet diese Studie die damit verbundenen Handlungspotenziale und Handlungsgrenzen aus. Sie zeichnet das Austarieren von Machtbalancen nach, illustriert Geschlechterdynamiken während der häufig mehrjährigen oder gar Jahrzehnte andauernden Kriege und beleuchtet die Differenzen zwischen Frauen bzw. Männern verschiedenen Alters und Status. Darüber hinaus erhellt die vorliegende Analyse Hierarchien und Konflikten zwischen Männern unterschiedlichen Ranges, z.B. zwischen Kindersoldaten, Warlords, traditionellen Autoritäten oder Blauhelmsoldaten. Wie in einem Brennglas bündeln sich in Geschlechterantagonismen und in gewaltgeprägten Interaktionsformen zwischen Männern übergreifende politische und ökonomische Konfliktkonstellationen.“

Frauen und Kriege in Afrika

Frauen und Kriege in Afrika

Zur Gliederung ihres Buches:

Einleitung

1. Teil: Südliches Afrika
Gender im simbabwischen Unabhängigkeitskrieg
Gender im namibischen Unabhängigkeitskrieg
Gender im Befreiungskampf in Südafrika
Gender im anti-kolonialen Unabhängigkeits- und anschließenden Bürgerkrieg in Angola
Gender im anti-kolonialen Unabhängigkeits- und anschließenden Bürgerkrieg in Mosambik

2. Teil: Westafrika
Gender und Bürgerkrieg in Liberia
Gender im Bürgerkrieg in Sierra Leone

3. Teil: Zentral- und Ostafrika
Gender und Genozid in Ruanda
Gender, Genozid und Bürgerkrieg in Burundi
Gender und Bürgerkriege in Uganda
Gender und Bürgerkriege in der D.R. Kongo
Gender und Bürgerkriege im Sudan

4. Teil: Horn von Afrika
Gender und Kriege in Äthiopien
Gender und Kriege in Eritrea
Gender und Bürgerkriege in Somalia

Schluss

Abkürzungsverzeichnis

Literaturangabe:
Rita Schäfer
Frauen und Kriege in Afrika
Ein Beitrag zur Gender-Forschung

1. Auflage 2008
Brandes & Apsel Verlag GmbH, Frankfurt am Main

520 Seiten Paperback
ISBN 978-3-86099-345-3

Bibliografische Informationen sind über die Deutsche Nationalbibliothek abrufbar
http://d-nb.info/986902535 (la)