Sonntag 10.05.15, 19:41 Uhr
Kundgebung zum Tag der Befreiung von Krieg und Faschismus

Die Linke in Europa ist gefordert


Die neu gegründete Initiative “GewerkschafterInnen für Frieden und Solidarität” hatte am Samstag zu einer Demonstration und Kundgebung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung von Krieg und Faschismus aufgerufen. Etwa 700 Teilnehmer trafen sich nach einer Demonstration vom Bahnhof zum Schauspielhaus auf dem Hans-Schalla-Platz. Mit viel Beifall wurde dort Giorgos Chondros (Foto), Mitglied im Zentralkomitee der linken griechischen Regierungspartei Syriza begrüßt. Er appellierte an die Solidarität der Linken in Europa. Es sei falsch, von einer griechischen Krise zu sprechen. Die neoliberale Austeritätspolitik bedrohe nicht nur die Menschen in Südeuropa. Die aktuelle Auseinandersetzung zwischen den europäischen Eliten und der Regierung in Athen betreffe auch alle anderen ArbeitnehmerInnen in Europa.
In Griechenland sei als Modell für ganz Europa ausprobiert worden, wie weit Löhne, Renten und Sozialleistungen gekürzt und z. B. Grundrechte für ArbeitnehmerInnen abgeschafft werden können. Für die Menschen in Griechenland sei wichtig, dass sie mit der Wahl im Januar ihre Würde zurückgewonnen haben, dass nicht mehr in Berlin und Brüssel bestimmt werde, wer als nächstes Opfer welcher weiteren Verelendungspolitik wird. Deshalb stehe auch fest: „Wir haben vier rote Linien definiert: keine Kürzungen von Löhnen und Renten, keine Steuererhöhungen für Normalverdiener, kein weiterer Abbau der Arbeitnehmerrechte und keine weiteren Privatisierungen im Stil eines Ausverkaufs. Diese Wahlversprechen werden wir nicht brechen.“
Wichtig war für Giorgos Chondros: „Wir haben am 20. Februar mit unseren Partnern in der Eurogruppe ausgemacht, dass wir einen Zeitraum von ein paar Monaten haben, um die humanitäre Krise in Griechenland zu stoppen. Seither ist Griechenland seinen Pflichten in vollem Umfang nachgekommen, hat in dieser Zeit auch alle ausstehenden Tranchen an die Kreditgeber überwiesen. Unsere Partner haben ihr Wort nicht gehalten: Die vereinbarten Gelder sind nicht nach Griechenland geflossen.“
Ein anderer Punkt, den der griechische Politiker betonte, war die Tatsache, dass die Rechtspopulisten, die “neuen Rechten” und die Neonazis sich in ganz Europa im Aufwind befinden. Sie profitieren von der sozialen Krise. „Das einzige Land, in dem es nicht so ist, ist Griechenland, wo die überwältigende Mehrheit der Wähler nicht nach rechts gegangen ist, sondern nach links.“ Auch damit verband er die Hoffnung auf eine starke europäische linke Solidarität.

Anschließend verwandelte sich der Platz in eine große Sirtaki-Tanzfläche. Animiert durch zwei deutsch-griechische Folklore-Gruppe konnten viele TeilnehmerInnen davon träumen, wie schön es wäre, auch im eigenen Land die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.

Miltiadis Oulio und Claudia Zinn
Vorangegangen waren neben einem munteren Kulturprogramm bemerkenswerte Reden von Rainer Einenkel, Jochen Marquardt, Horst Schmitthenner und Claudia Zinn. Der bekannte Journalist Miltiadis Oulios (u.a. Funkhaus Europa) moderierte brillant und erfrischend durch die Kundgebung.
Die Redemanuskripte und die Begrüßungsworte von Gudrun Müller werden hier dokumentiert.

Begrüßungsworte von Gudrun Müller, Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks Bochum Herne
Redetext von Rainer Einenkel, langjähriger Betriebsratsvorsitzender der Bochum Opelwerke.
Redetext von Jochen Marquardt, Geschäftsführer der DGB-Region Ruhr-Mark.
Redetext von Horst Schmitthenner, ehemaliges geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall
Redetext von Claudia Zinn, Jugendsekretärin des ver.di-Bezirks Bochum Herne

Eine umfangreiche Fotogalerie folgt.

 

 

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