Liebe Mitstreiter*innen, liebe Menschen,
wir sind heute hier, weil wir uns nicht mit kulturellen Rückschritten abfinden, weil wir kämpfen – wir kämpfen für Selbstbestimmung und für die Freiheit über unsere eigenen Körper.
Wir sind hier, weil wir wissen: Wer das Recht auf Abtreibung angreift, greift unsere Freiheit, unsere Würde, unsere medizinische Grundversorgung und unsere Demokratie an.
Und genau das passiert gerade – organisiert, gut finanziert und eng vernetzt. Christliche Fundamentalist*innen marschieren Seite an Seite mit der neuen Rechten und mit der AfD. Sie tarnen sich als „Lebensschützer*innen“, aber in Wahrheit sind sie nichts anderes als Gegner*innen des Lebens in Freiheit.Genau dies konnten wir kürzlich in Köln bein sogenannten “Marsch für das Leben” wieder beobachten. Das sind nicht einfach nur ein paar lächerliche ewig Gestrige – dahinter stecken einflussreiche Netzwerke, die bis in die nationale und internationale Politik reichen und hinter denen viel Geld und Macht steht.
Schauen wir genau hin:
Organisationen wie CitizenGO und 1000plus geben sich harmlos, als würden sie nur „für das Leben“ eintreten. Doch in Wirklichkeit betreiben sie eine reaktionäre Agenda, die Frauen, queere Menschen und alle, die nicht in ihr rückwärtsgewandtes Weltbild passen, entrechten soll. Sie überschütten Politiker*innen mit Massenmails, sie veranstalten Hetzkampagnen, sie bauen gezielt Druck auf – und sie arbeiten Hand in Hand mit der AfD, die offen antifeministisch, queerfeindlich und rassistisch auftritt.
Ein prominentes Beispiel ist hier die Hetzkampagne gegen Prof. Brosius-Gersdorf, bei der auch Abgeordnete der CDU mitgespielt haben.
Der Bericht „Die nächste Welle“ des Europäischen Parlamentarischen Forums für sexuelle und reproduktive Rechte macht es klar: Wir sehen europaweit eine neue Offensive dieser Anti-Choice-Netzwerke. Sie wollen uns zurück in die 1950er prügeln – zurück in eine Gesellschaft, in der FLINTA keine Entscheidungsmacht hatten, in der Sexualität nur unterdrückt, nicht selbstbestimmt gelebt werden konnte.
Und das ist kein Zufall!
Diese christlich-fundamentalistischen Kräfte sind das perfekte Bindeglied zur extremen Rechten. Sie liefern der AfD die moralische Fassade, während die AfD ihnen die parlamentarische Bühne bereitet – und wie wir jetzt gesehen haben: unterstützt von der CDU… Beide Seiten profitieren: die Fundamentalist*innen von politischem Einfluss, die Faschist*innen von einer scheinbar „werteorientierten“ Tarnung für ihre antifeministische und homofeindliche Ideologie.
Doch machen wir uns nichts vor:
Es geht ihnen nicht um das Wohl von Kindern. Es geht ihnen nicht um „Leben“. Es geht um Kontrolle – Kontrolle über unsere Körper, über unsere Familien, über unser Begehren. Und es geht darum, die Demokratie Schritt für Schritt auszuhöhlen. Wer die Hälfte der Bevölkerung entrechten will, wer Selbstbestimmung kriminalisiert, wer sexuelle Vielfalt unterdrücken will, der ebnet den Weg für einen autoritären Staat.
Ginge es ihnen um das Wohl von Kindern und Familien würden sie Kinderarmut konsequent bekämpfen, statt den Sozialstaat.
Ginge es ihnen um das Recht auf Leben, würden sie sich für sichere Fluchtwege und das Grundrecht auf Asyl einsetzen!
Und genau deshalb sagen wir heute laut und deutlich:
Der Kampf für reproduktive Rechte ist ein antifaschistischer Kampf!
Denn Faschismus bedeutet immer: Frauen zurück an den Herd, queere Menschen zurück ins Versteck, Andersdenkende ins Abseits. Dagegen stehen wir auf – und zwar hier, heute und morgen.
Wir fordern:
- Die vollständige Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen – in Deutschland und überall in Europa.
- Den Schutz vor fundamentalistischer Einflussnahme auf Parlamente und Gesetzgebung.
- Eine klare Abgrenzung aller demokratischen Parteien von AfD und religiöser Rechten. Keine Zusammenarbeit, kein Dialog, keine Bühne für Menschenfeinde!
Liebe solidarische Menschen,
wir lassen uns nicht zurückdrängen. Wir sind viele, wir sind laut, und wir sind international vernetzt. Während CitizenGO und 1000plus ihre Netzwerke spannen, spannen auch wir unsere: feministisch, solidarisch, antifaschistisch. Bildet Banden!
Unsere Botschaft ist klar:
Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat bestimmt über unsere Körper!
Die Straße gehört uns, die Zukunft gehört uns – und dafür werden wir nicht aufhören zu kämpfen.
Für das Leben in Freiheit, für Feminismus, für Antifaschismus – my body, my choice!