Die zentrale Bochumer Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht beginnt am Montag, 09. November 2026 um 17.00 Uhr an den Stelen an der Harmoniestraße / Ecke Dr. Ruer Platz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht der Beitrag von Schüler:innen des Klaus Steilmann Berufskollegs. Sie erinnern an das Schicksal des jüdischen Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Hünnebeck.
Im Mai 1925 wurde Dr. Wilhelm Hünnebeck als Rechtsanwalt zugelassen. Politisch engagierte er sich in der Deutschen Volkspartei und war ein angesehener Bürger. Nach der Machtergreifung wurde er als „Halbjude“ stigmatisiert und gesellschaftlich völlig aus der Bahn geworfen. Er konnte nur noch eingeschränkt als Rechtsanwalt arbeiten. Seine bisherigen Klienten – zumeist Nichtjuden – mieden ihn und seine Geschäfte liefen schlecht. Ab 1937 häuften sich die Zahlungsbefehle, die er nicht mehr bedienen konnte. Ohne ersichtlichen Anlass wurden 1939 seine Geschäfte als Notar überprüft und ihm verschiedene Pflichtverletzungen unterstellt. Wilhelm Hünnebeck wurde außerdem vorgeworfen, eine sexuelle Beziehung mit einer Jüdin eingegangen zu sein. Am 15. Juli 1940 wurde gegen ihn ein weiteres Ermittlungsverfahren wegen „homosexueller Vergehen“ eingeleitet und am 24. August 1940 wurde der Haftbefehl zu einer fünfmonatigen Gefängnisstrafe vollstreckt. Nach der Haftentlassung verließ Wilhelm Hünnebeck Bochum und konnte durch Flucht die endgültige Inhaftierung in einem KZ verhindern.
Da Homosexualität auch nach 1945 weiter als strafwürdig galt, wurde Mitte der 50er Jahre ein weiteres Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Wilhelm Hünnebeck unternahm am 07. Februar 1953 einen Suizidversuch, den er überlebte. 1976 verstarb er in Hamburg.
Zu Beginn der Gedenkveranstaltung sprechen der Oberbürgermeister Jörg Lukat und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Grigory Rabinovich Grußworte. Die Veranstaltung wird vom Evangelischen Jugendposauenchor Bochum-Linden musikalisch begleitet.
Zum Abschluss legen der Oberbürgermeister, Vertreter von Parteien, von der GEW, von der AWO, von der VVN-BdA und vom Kinder- und Jugendring Kränze zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nieder.
Die Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht wird in Kooperation vom Arbeitskreis „09. November“ und vom Kinder- und Jugendring Bochum organisiert.
Vor der Gedenkveranstaltung lädt Michael Niggemann (VVN-BdA) um 15.00 Uhr zu einem Stadtrundgang „Jüdisches Leben in Bochum“ ein. Der Rundgang beginnt auf dem Dr.-Ruer-Platz.
Nach dem Ende der Gedenkveranstaltung besteht um 18.30 Uhr die Möglichkeit, die Synagoge (Erich-Menzel-Platz 1, 44791 Bochum) zu besichtigen.
