Völlig unerwartet ist unser Kollege, Wegbegleiter, Freund und Mitstreiter Uli (Ulrich) Kriegesmann am Abend des 29. September 2026 verstorben. Es ist noch immer unbegreiflich.
Uli ist vor 35 Jahren in die GEW eingetreten und dort seit vielen Jahren aktiv. Manche von uns kennen die GEW Bochum nicht ohne Uli. Er hat die GEW Bochum als langjähriges Leitungsteam-Mitglied maßgeblich geprägt. Er hat dazu beigetragen, dass wir entgegen anderer Gewerkschaften und auch anderer Stadtverbände der GEW keinen Mitgliederschwund zu verzeichnen hatten. Das hat er natürlich nicht allein geschafft. Uli war ein großer Team-Player. Er hatte so viele Stärken: Er konnte wunderbar neue Aktive einbinden, er war zugewandt, geduldig, empathisch, freundlich und klug. Er war so hilfsbereit und engagiert. Er wird uns wahnsinnig fehlen.
Er nahm die Menschen, wie sie sind. Kritik äußerte er sehr vorsichtig und respektvoll. Wenn jemand in seinem Beisein über andere verärgert war oder sich negativ äußerte, meinte er nur: „Wir können uns unsere Mitstreiter:innen nicht backen.“ Uli hat die guten Seiten an den Menschen gesehen und an diesen angedockt. Dabei hat er keine falsche Rücksichtnahme walten lassen. Seine Meinung hat er klar vertreten, eben meist nur sehr freundlich.
Seine berufliche Laufbahn begann als Gesamtschullehrer. Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen war ihm ein großes Anliegen. Hier hat er immer wieder wichtige Impulse zum Thema „Eine Schule für alle“ gegeben. Ein Bildungssystem ohne Auslese und Diskriminierung war eins seiner großen Ziele.
Als Gewerkschafter setze er sich für Themen wie „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, „A13 für alle“ ein und beteiligte sich aktiv an der Planung und Durchführung von Streikaktivitäten in unseren Tarifauseinandersetzungen.
Er stand für uns bei vielen Veranstaltungen als Redner auf der Bühne. Obwohl er nicht gerne im Rampenlicht stand, sah er es um der Sache willen als seine Pflicht an, vor das Mikrophon oder die Kamera zu treten.
Mit ihm verlieren wir eine Persönlichkeit, die sich für die Belange der Menschen eingesetzt hat.
Uli hatte so viele Aufgaben in der GEW übernommen: Er war im Vorstand der GEW Bochum, Mitglied des Leitungsteams des Bezirksvorstands Arnsberg, lange Jahre Vorsitzender des Bezirkspersonalrats Gesamtschule Arnsberg, Mitglied des Landesvorstands und wenn es die Zeit zuließ, auch in der AG „Queer“ der GEW NRW aktiv.
Uli konnte fast alle Fragen zur GEW und zu arbeitsrechtlichen Problemen beantworten. Seine fachliche Expertise war außerordentlich. Er war für manche von uns ein GEWikipedia. Und egal, wie viel Uli zu tun hatte, er hatte immer ein Ohr für die Belange anderer. Er war einer der hilfsbereitesten Menschen, denen wir begegnen durften.
Neben seinem Engagement bei der GEW war ihm unsere Demokratie und die Arbeit gegen Rechts ein großes Anliegen. Er war im Bündnis gegen Rechts und in der AfD-Verbotskampagne sehr aktiv. Noch am Tag seines Todes hat er nachmittags an einem Treffen des Bündnisses „Landtag nazifrei“ teilgenommen und sich eingebracht.
In den letzten Jahren hatte Uli begonnen, sich von einigen Aufgabenbereichen zurückzuziehen. Dies tat er immer mit dem Blick zum Wohle der GEW. Er wollte der nächsten Generation „den Laden geordnet übergeben“.
Sein Privatleben ist dabei vielleicht manchmal etwas zu kurz gekommen. Die Dienstagabende mit Orchesterprobe waren da eine Ausnahme. Diese ließ Uli nur äußerst ungern und selten zugunsten der GEW ausfallen.
Er war für viele von uns Vorbild und Mentor. Uli ist es gelungen, neben sich immer einen Platz für uns und unser Engagement frei zu halten. Er hat uns bestärkt, dass wir alle ein wertvoller Teil für unsere Gesellschaft sind, ob in der Schule, in der Gewerkschaft, in unserem politischen Engagement oder als Mensch. Nun ist der Platz von Uli leer. Wir werden alles dafür tun, die Arbeit der GEW in seinem Sinne weiterzuführen.
Uli wäre im Februar in den Ruhestand getreten. Darauf hatte er sich sehr gefreut. Er ist einfach viel zu früh gestorben!
Wir vermissen Dich sehr, Uli!
In tiefer Trauer
Deine GEW Bochum

