Hallo, ich bin Eike und spreche hier für die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum.
Oder kurz, die MFH Bochum. Ich soll eigentlich unsere Arbeit vorstellen. Ich werde stattdessen über Verzweiflung und Abschiebung sprechen. – Wer sich das an einem so schönen Abend nicht geben will, kann ich gut verstehen, dann hol dir vielleicht noch kurz was zu trinken. –
Am frühen Morgen klopft die Ausländerbehörde. Sie kommen für die Abschiebung der Familie Dogan. – Deutschland ist für Familie Dogan eine Heimat geworden. Sie sprechen Deutsch. Sie arbeiten oder sind in Ausbildung. Trotzdem: Vater, Mutter und 4 Kinder sollen zurück in die Türkei gebracht werden. Der Vater ist verzweifelt. – Er springt – vor den Augen der Ausländerbehörde, vor den Augen seiner Frau und seiner Kinder – vom Balkon ihrer Wohnung im 4. Stock.
Er überlebt, aber erleidet schwere Knochenbrüche und wird mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme gebracht. Der 7-jährige Sohn bricht zusammen, er ist nicht mehr zu beruhigen und wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert.
Aber die Ausländerbehörde macht einfach weiter, sie entscheidet sich – trotz allem – gegen den Abbruch der Abschiebung. Die Familie wird auseinandergerissen. Die Mutter wird mit 3 Kindern in die Türkei abgeschoben. Ihr Mann und ihr jüngster Sohn bleiben im Krankenhaus zurück. 2 volljährige Kinder dürfen dauerhaft in Deutschland bleiben, sie arbeiten in der Pflege.
Das war die Schilderung einer Abschiebung aus Remscheid aus dem letzten Jahr. Die Ausländerbehörde sagte später dazu, die Ereignisse seien tragisch, hart und brutal, aber es habe alles seine Richtigkeit gehabt. – Auf diesem Niveau der Unmenschlichkeit sind wir mittlerweile angekommen. Auch hier in NRW.
Alle Menschen haben Rechte! Wie hat der deutsche Staat hier die Rechte der Familie Dogan geschützt? Artikel 6 Grundgesetz, das Recht auf den Schutz der Familie? Oder das Menschenrecht auf Gesundheit? Oder das Kindeswohl? Oder die Menschenwürde?
Als MFH Bochum kämpfen wir für die Rechte und die Gesundheit von Geflüchteten. Hier in Bochum, in NRW und bundesweit. Wir kämpfen dafür, dass dieser Gesellschaft die Menschlichkeit nicht verloren geht.
Das passt nicht allen. Wenn ihr erlaubt, ergänze ich das noch in eigener Sache:
Immer wieder soll uns das Geld für unsere Arbeit gestrichen werden. Z.B. will Bundesinnenminister Dobrindt ab nächstem Jahr die Gelder für die Beratung besonders Schutzbedürftiger Geflüchteter streichen.
Damit wir auch in Zukunft unsere Arbeit machen können, sind wir auf Eure politische und finanzielle Hilfe angewiesen. Wir haben da hinten einen Infostand, kommt gerne vorbei, informiert euch, folgt uns in den sozialen Medien und werdet Mitglied in unserem Förderverein. Das wäre uns eine große Hilfe! Dankeschön!