Sonntag 24.05.26, 21:36 Uhr

Tüchtige Kriegsgräberfürsorge


Heute in drei Wochen – also am 21. Juni – wird der deutsche Veteranentag vor dem Reichstagsgebäude in Berlin gefeiert. Eigentlich ist der 15. Juni den Veteran:innen gewidmet, gefeiert wird aber immer erst am Wochenende danach. Bochum tanzte dabei völlig aus der Reihe. Die Würdigung der ehemaligen Krieger:innen wurde bereits am Mittwoch dieser Woche unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters mit einem „Benefizkonzert“ einer Bundeswehrkapelle zelebriert. Ort war das Musikforum. Ein Zyniker meinte:

»Die Veranstalter:innen haben ein kluges Format gewählt. Soldat:innen sind schließlich nicht nur Täter:innen, sie sind oft auch Opfer. Benfiz = Mildtätigkeit ist für Soldat:innen, die z. B. aus Afghanistan häufig mit heftigen körperlichen oder psychischen Gesundheitsproblemen zurückkehrten, dringend erforderlich. Außerdem: Angesichts der augenblicklich erschreckenden Militarisierung unserer Gesellschaft ist beeindruckend, wie klug in Bochum darauf geachtet wurde, dass nicht nur an das oft traurige Schicksal der Veteran:innen gedacht wurde. Verantwortliche Organisation des Events war der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Auch die Soldat:innen, die das Veteranendasein nicht mehr erlebten, wurden so nicht vergessen.«

Die meisten Besucher:innen waren wegen der Musik ins Konzerthaus gekommen. Einige wollten zeigen, dass sie zumindest symbolisch zu den Kriegstüchtigen gehören. Zwei Dutzend Militärs waren in Uniform erschienen.

Vor dem Musikforum hatte das Friedensplenum eine Mahnwache angemeldet. Mit einem Transparent wurde am Eingang an die Hunderttausenden Soldatengräber in Frankreich und Nordbelgien erinnert. Darüber wurde der Spruch von Friedrich Merz zitiert. „Frieden ist nicht das Wichtigste. Frieden gibt’s auf jedem Friedhof.“

Vor dem Nebeneingang des Forums wurden die Besucher:innen mit einem Transparent empfangen mit der Erklärung: „Kriegstüchtig: Zum Sterben bereit und zum Töten. Wir sind es nicht.“
Sehr auffällig bei der Aktion war: Die Drohung, dass Kriegsdienst wieder Pflicht werden soll, hat die Friedensbewegung verjüngt und damit verstärkt.