
Eine Premiere am vergangenen Samstag im Schauspielhaus hat zu heftigen Reaktionen geführt. Im WDR ist ein Bericht von der Premiere zu hören, die Nachtkritik reagiert mit einem Kommentar und die WAZ behandelt das Thema gestern und heute ausführlich. Umstritten ist vor allem der 15-minütige Monolog eines – einen Faschisten spielenden – Schauspielers am Ende des Stückes „Catarina oder Von der Schönheit einen Faschisten zu töten“. Ralf Feldmann kommentiert: „Wer nicht, wie das großartige Ensemble in einer aufrüttelnden Inszenierung, das Publikum aktivieren würde, hätte das Stück verfehlt.
Und wenn dann provozierte Empörung beim Schlussmonolog gleich raus muss, hat Ole Lagerpusch einschmeichelnd und samtpfötig Menschenverachtung, die auch in Bochum von Stiepel bis Günnigfeld in Wohnzimmern und an Wahlurnen angekommen ist, besonders eindrücklich – gespielt. Aber das Spiel „ist Realität“, damit entlässt uns das Stück. Der Protest aus dem Publikum war deshalb nicht „doof“, wie es so ein irritierter Feuilletonist gerade in Bochum nicht erwartet hätte. Denn was ist rabiate Einmischung in ein Spiel, das unerträgliche Realität spiegelt, gegen die Menschenfeindlichkeit dieser Wirklichkeit?
Aber Protest darf die Freiheit von Schauspielkunst und Aufklärung nicht verhindern und zerstören. Faschisten und Rechtspopulisten wollen das. Es ist nicht harmlos bürgerlich, konservativ, sondern Naziungeist, wenn die AfD fordert, Kunst und Kultur hätten „eine positive deutsche Identität“ zu fördern und Theater unter Staatskontrolle stellen will. Wo sie wie in Ostdeutschland Einfluss gewonnen hat, entfacht sie seit Jahren rechten Kulturkampf mit Aufführungsstörungen, öffentlichen Einschüchterungen und Anträgen, Kunst durch Geldkürzungen das Leben zu nehmen. In Bochum niemals, dafür steht auch unser Schauspielhaus. „Bochum steht doch gegen Rechts“, so trat die stellvertretende Intendantin Angela Obst den Empörten entgegen. Und „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ ist ein Beispiel dafür.
Solidarischer Protest gegen Rechts – nicht gegen das Theater – wird wahrscheinlich auch künftige Aufführungen begleiten. Werden dann Menschen Banner ins Foyer, warum nicht auch in den Publikumsraum, mitbringen können, die zum Beispiel an das Menschenwürdeprinzip des Grundgesetzes erinnern oder sein Gleichheitsversprechen – für alle Menschen? Werden die Aktiven für ein AfD-Verbot ihre Unterschriftenlisten drinnen auslegen dürfen oder nur draußen vor der Tür? Oder wäre das Politik und kein Spiel mehr? Reicht es „zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie“ aus, wenn nun am Ende der Vorstellungen kostenlos Grundgesetze mit nach Hause gegeben werden? Hoffentlich reicht der Vorrat lange und wenigstens die Grundrechte werden gelesen.
Denn: Auf den verstörend realen Schlussmonolog muss sich das Publikum – wie so oft – den Schluss selbst suchen. Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“
Das ist Eure hässliche Fratze.
Wahrt die Kunstfreiheit!
Achtet das Hausrecht des Schaspielhauses!
Als Besucher möchte ich nicht das übergriffige Theater des Publikums erleben. Ich habe gezahlt, um das Theaterstück zu sehen. Selten war ich so unagenehm betroffen. Ich schäme mich für Euren Auftritt.
Freundliche Frage der Redaktion: Wen meinen Sie mit ihrer Beschimpfung?
Es ist keine Beschimpfung, sondern Ausdruck meiner Empörung, meiner empfunden Scham.
Mir liegt es fern zu beschimpfen, schreibe aber gern gerade heraus. Wenn ich von der häßlichen Fratze schreibe, der ich dort begegnet bin, ist das für Euch eine Beschimpfung? Achgottchen
Macht vor den Schauspielhaus, was nötig erscheint.
Wahrt die Kunstfreiheit! Zumal das Stück sich GEGEN Rechtsradikalsimus stellt. Kommt Ihr mit den eingesetzten Stilmitteln nicht klar, spricht das nicht für Euer Verständnis des Begriffs Kunstfreiheit. Allein die anmaßende Forderung mit Bannern innerhalb des Publikums einen direkten Einfluss auf die Veranstaltung nehmen zu wollen, ist intolerant, übergiffig, hat totalitäre Züge.
Ein wenig mehr Gelassenheit täte vielleicht auf beiden Seiten gut. Wo so ein allgemeines „ihr“ in den Raum geworfen wird, kann ich mir aber auch einen Kommentar nicht verkneifen. Bin ich doch womöglich mit gemeint?
Ja doch, einen Schauspieler auf der Bühne körperlich anzugehen, das geht – salopp gesagt – ein bisschen weit. Andererseits steht heutzutage unter Theaterschaffenden das Ideal nicht mehr allzu hoch im Kurs, das Publikum möge möglichst regungslos hinter der „vierten Wand“ ausharren. Ich sähe jedenfalls nicht gleich die Kunstfreiheit in Gefahr, wenn sich jemand eine Theaterkarte kauft, um das Stück im hier vorgeschlagenen Rahmen kreativ zu begleiten.
Hallo Thomas,
nein, das duldet in der Aufarbeitung keine Gelassenheit, weil da zu viel auf einmal schief gelaufen ist. Nachwievor bin ich wirklich empört! Allein der körperliche Übergriff, was aus meiner Sicht eine zurückhaltende Formulierung ist, sprengt alles Erträgliche. Letztendlich war das ein richtig übles Eigentor, mit dem sich die Akteure international blamiert haben:
https://www.theguardian.com/world/2026/feb/16/play-fascism-violent-scenes-german-theatre-bochum-tiago-rodriguez
Der Unterschied ist doch schlicht.
Das, was dort stattgefunden hat, ist planvoll und in Vorbereitung geschehen. Es war ab der ersten Vorstelung ein pressewirksamer Eklat geplant. Genau deshalb stufe ich diese Aktion in Gänze als übergriffig, intolerant und tendenziell totalitär ein.
Regisseur wie Ensemble war klar, dass es bei der Aufführung an anderen Spielstätten zu spontanen Reaktionen aus dem Publikum kam, nahmen diesen Umstand bewusst kalkulierend hin. Wobei spontan sicherlich das Buzzword im Kontext ist, an dem es sich aus meiner Sicht zu orientieren gilt. Da bietet Theater eine seltene Reibungsfläche, die einem die Chance offrenbart, sich an sich selbst und den eigenen Überzeugungen / Wahrnehmungen zu messen und es finden sich Menschen, die sich nicht zu schade sind, diesen kreativ-polarisdierenden Rahmen mit Füßen zu treten. Selbst jetzt empfinde ich beim schreiben ob der Aktion immer noch Scham.
Resüme – das ging internatrional durch die Presse, die Akteure haben sich und Bochum einen tollen Dienst erwiesen. Das Stück ist jetzt populärer und gefragter denn je zuvor.
Das „Ihr“ war dem Umstand geschuldet, dass der Autor eben nicht nur Autor, sondern auch Admin o. ä. dieser Seite zu sein scheint und das die Aktion im Schauspielhaus nicht nur durch eine Person durchgezogen wurde.