Das Steakhaus „El Dorado“ in der Wattenscheider Innenstadt bewirbt sich als „uriges Lokal mit Steinwänden und malerischem Innenhof“. Die Antifaschistische Linke Bochum kennzeichnet es in ihrem jüngstem Recherchebericht als eine langjährige und „sichere Basis, einen Rückzugs-, Rekrutierungs- und Veranstaltungsraum“ für die AFD und andere Rechtsextremisten vor Ort. U.a. soll dort im letzten November der erste Jugendstammtisch der AFD in Bochum und im Januar ein Neujahrsbrunch für den Parteinachwuchs stattgefunden haben.
Interessantes ist in dem mit zahlreichen Daten, Fotos und Detailinformationen gefülltem Dossier der Gruppe auch über den politischen Werdegang und die persönlichen Kontakte von Cedric Sontowski zu lesen. Die Wahl des AFD-Mannes mit einer Stimme außerhalb seiner Fraktion zum Stellvertretenden Bezirksbürgermeister in Wattenscheid hatte überregional für Aufmerksamkeit gesorgt, ebenso wie seine jüngst ausgesprochenen Drohungen und Beleidigungen gegenüber Mitgliedern seiner Partei. „Streitigkeiten gibt es in jeder guter Familie“, erklärte er dazu der WAZ. Und angesichts des gegen ihn eingeleiteten Parteiausschlussverfahren: „Ich bleibe.“
Was weiter hinter den Kulissen passiert, zwischen der rechtsextremistischen Fraktion um Björn Höcke, zu der sich auch Sontowski zählt, und den „Gemäßigten“ im nordrhein-westfälischen AFD-Landesverband, die dessen Ausschluss aus der Partei beantragt haben, wird sich zeigen. In jedem Fall sollte sich die Bochumer CDU glaubwürdiger als bislang fragen, mit welchen Kräften sie sich einlässt. Wenn Timm Baschek, einer ihrer Vertreter in Wattenscheid, in einem gemeinsam mit Sontowski geposteten Video erklärt, wie gut sich die Beiden verstehen, ist das ein Tabubruch selbst für die CDU unter Merz. Es reicht nicht, dass ihr Sozialflügel, die CDA (Christlich-demoktatische Arbeitnehmerschaft) erklärt: „Die Brandmauer zur AFD ist für uns nicht verhandelbar“ und Baschek auffordert, alle Parteiämter niederzulegen.
Eine Stellungnahme von „El Dorado“ zur Beschuldigung, das Lokal diene mit Wissen und Unterstützung der Inhaber als etablierter Treffpunkt der rechten Szene konnte bo-alternativ nicht erhalten. „Keine Ahnung“, wovon die Rede sei und „keine Ahnung“, wann und wie jemand Verantwortliches zu erreichen sei, war alles, was wir erfahren konnten. Die KollegInnen bei der WAZ könnten hier sicherlich erfolgreicher sein. Sofern sie denn mal über den Tellerrand hinausschauen, mehr als Werbung für diese oder jene Restauration in der Stadt betreiben würden.
